RuhestandSo können Selbstständige fürs Alter vorsorgen

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Ein paar hundert Euro zurücklegen

Zudem kann der Sparer noch einen Extra-Turbo einschalten. Er kann sein Endvermögen – bei gleicher Sparrate – schon in 20 Jahren um weitere 15.000 Euro erhöhen, oder nach 40 Jahren sogar um rund 50.000 Euro. Dann lägen auf seinem Fondsdepot bei Rentenbeginn rund 61.600 Euro (nach 20 Jahren) oder 243.000 Euro (nach 40 Jahren). Und zwar selbst wenn er nur 100 Euro gespart hätte. Könnte er das Doppelte zurücklegen, also 200 Euro monatlich, dann hätte er sogar 107.000 Euro nach 20 Jahren und 434.000 Euro nach 40 Jahren beisammen. Raten Sie einmal, was er dafür dann tun müsste …

Er müsste nur bereits 5000 Euro auf der hohen Kante haben, die er zu Beginn der Sparphase ins Fondsdepot schichtet. Denn dieser Kapitalstock entfaltet über die extrem lange Zeit einen wahren Zinseszinsturbo. Damit wären bestenfalls 1700 Euro Rente nach insgesamt 40 Jahren drin, trotz übersichtlicher 200 Euro Einzahlung. Das zu verrentende Endvermögen beliefe sich dann auf 434.000 Euro. Wie viel Zusatzrente es sogar bei 300 Euro monatlicher Sparrate wäre, behalten wir vielleicht lieber für uns. Sie würden uns das sowieso nicht abkaufen. Oder hätten Sie geglaubt, dass damit sogar 2600 Euro möglich wären?

Solche Summen sind nun beileibe keine Mondbeträge, die kein Selbstständiger je erreichen wird. Das zeigt auch die Statistik des DIW, die besagt, dass immerhin zwei Drittel der Selbstständigen, die nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, bereits über 100.000 Euro Anlagevermögen angehäuft haben. Und 40 Prozent besitzen sogar 250.000 Euro an Finanzmitteln und Wertpapieren. Diese 250.000 Euro ergeben bei besagtem Entnahmeplan (und der weiteren Anlage zu 1,4 Prozent Festzins) bereits eine Extrarente von über 1057 Euro im Monat. Und das ist dann nur der Ertrag aus dem Geldvermögen.

Üppige Absicherung

Zusätzlich besitzen diese Freiberufler ja nach eigenen Aussagen mehrheitlich noch ihre selbstgenutzten Immobilien, die für mietfreies Wohnen sorgen. Etliche Freiberufler haben zudem Monatsrenten aus den Versorgungswerken zu erwarten – die freilich weitaus geringer ausfallen werden als die möglichen Erträge aus der Kapitalanlage, so viel scheint klar. Außerdem könnte die Anwälte und Mediziner unter ihnen noch ihre Praxen und Kanzleien versilbern – was bei 100.000 Euro Erlös noch einmal rund 400 Euro extra monatlich wären und bei 250.000 Euro Verkaufswert noch einmal eine Extrarente von rund 1000 Euro ergäbe.

Nun sollen solche Berechnungen nicht zeigen, dass die Schar der Freiberufler überaus üppig abgesichert ist. Durchschnittsbetrachtungen verzerren zudem oft auch das Bild. Denn die reinen Mittelwerte ergeben sich oft, weil wenige Gutverdiener den Schnitt arg nach oben ziehen. Während viele Schlechtverdiener in Wahrheit sehr viel bescheidener dastehen und mit weniger Geld auskommen müssen. Dennoch merkt man an solchen Rechenbeispielen eines: Wenn sich viele Ärzte Sorgen machen, ob sie mit ihren Finanzen im Alter über die Runden kommen werden, und wenn sie fürchten, dass ihre Einkünfte womöglich nicht lange ausreichen werden, nämlich nur für 13 Jahre über den Renteneintritt hinaus – dann ist das zwar alarmierend. Doch es scheint auch arg pessimistisch gedacht. Der Entnahmeplan oben wäre schließlich für eine Laufzeit von 23 Jahren kalkuliert und würde bedeuten: Ein Selbstständiger könnte sich diese Zusatzbeträge bis zum Alter von 90 Jahren genehmigen.

Man könnte sich daher auch gut an den Hundertjährigen orientieren: Eine andere Studie befragte extrem Hochbetagte, was sie in ihrem Leben rückblickend anders machen würden, wenn sie es könnten. Und ihre Antwort lautete: Sie würden sich beim nächsten Mal nicht mehr so viele Sorgen machen. Das wäre das Einzige. Und jeder Selbstständige, der jetzt das große Rechnen anfängt, dem sei gesagt: Wenn er noch ein paar Jahre Zeit bis zur Rente hat, sollte er schleunigst einen Sparplan aufsetzen und 100 oder 200 Euro jeden Monat weglegen. Das wäre schon mal ein Plan fürs Alter.