GeldanlageSo funktionieren aktive ETFs

Cathie Wood ist mit ihrem Ark Innovation ETF extrem erfolgreichGetty Images

Cathie Wood gehört zu den erfolgreichsten Fondsmanagern der Branche. Mit ihrer Firma Ark Investment Management legt die 65-Jährige den Fokus auf Technologieunternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Ihr Flaggschiff, der Ark Innovation ETF, hat den US-Marktindex S&P 500 auf Sicht von drei Jahren deutlich übertroffen und allein im vergangenen Jahr um rund 150 Prozent an Wert zugelegt, nicht zuletzt, weil Wood stark in den E-Auto-Hersteller Tesla investiert hat. Kein Wunder, dass Anleger die Fondsmanagerin mit Geld geradezu überschütten. Mit rund 25 Mrd. US-Dollar verwaltetem Vermögen ist der Ark Innovation ETF mittlerweile der größte aktive ETF der Welt.

Aktiv verwaltete ETFs bekommen immer mehr Aufmerksamkeit, nicht zuletzt dank Wood. Die Produkte gibt es bereits seit Jahren, etwa von großen Gesellschaften wie Franklin Templeton und Pimco, aber auch von Investmentboutiquen wie C-Quadrat. Erst seit kurzer Zeit entwickeln sie sich jedoch vom Nischen- zum Masseninvestment. In einer Umfrage von JP Morgan Asset Management unter mehr als 300 Anlageprofis zeigten sich die Befragten im vergangenen Herbst überzeugt, dass bis zum Jahr 2023 rund 40 Prozent des gesamten in ETFs investierten Kapitals in aktiv verwalteten oder Smart-Beta-Produkten stecken wird.

Ein aktiver ETF scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich. ETFs sind schließlich dafür bekannt, passiv einen Index nachzubilden. Deutsche Anleger unterliegen hier allerdings einem Denkfehler: Im englischen „Exchange-Traded Fund“ kommt das Wort Index nicht vor. ETFs müssen also nicht unbedingt passiv sein. Ihr konstituierendes Merkmal ist vielmehr, dass an ihrer Preisstellung sogenannte Market Maker beteiligt sind. Sie sind deshalb liquider als herkömmliche aktiv verwaltete Fonds, weisen eine transparentere Preisstellung auf und bieten zudem einige steuerliche Vorteile.

Abgesehen von der rechtlichen Hülle und daraus folgend etwas niedrigeren Kosten gleichen aktiv verwaltete ETFs den gängigen aktiven Fonds. Heißt: Sie haben zwar einen Index als Referenzgröße, bilden ihn aber nicht eins zu eins ab. Stattdessen trifft ein Manager die Investmententscheidungen. Dabei genießt er mitunter große Freiheiten. Der Ark Innovation ETF zum Beispiel weist derzeit laut Factsheet einen sogenannten Active Share von 97 Prozent auf. Liegt diese Kennzahl bei null Prozent, folgt ein Fonds komplett seinem Referenz-Index. Liegt sie bei 100 Prozent, weicht der Fonds vollständig davon ab. Wood orientiert sich also nicht gerade eng an ihrer gewählten Benchmark, dem S&P 500.

Profi-Anleger schätzen an aktiven ETFs die Möglichkeit, spezielle Strategien vergleichsweise günstig und flexibel umsetzen zu können. Darauf deutet jedenfalls die JP-Morgan-Umfrage hin. Die Befragten gehen zudem davon aus, dass das wachsende Interesse an nachhaltigen Anlagen die Nachfrage nach aktiven ETFs weiter befeuert. Privatanleger interessieren sich eher für aktive ETFs, die ein bestimmtes, möglicherweise gerade gehyptes Anlagethema aufgreifen – wie den Ark Innovation ETF, dessen hohes und tendenziell weiter steigendes Engagement in Tesla allerdings einige Anleger nervös macht.

Ausgerechnet die Ark-Fonds, die das Interesse von Kleinanlegern an aktiven ETFs anheizen, sind für deutsche Investoren kaum erhältlich. Weil sie nicht nach der EU-Wertpapierrichtlinie UCITS reguliert sind und der Anbieter bestimmte Dokumente nicht zur Verfügung stellt, sind die Fonds in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen. Laut Morningstar kann man sie zwar an einzelnen Handelsplätzen kaufen, etwa an der Berliner Börse, die sich auf den Handel mit US-Wertpapieren spezialisiert hat. Damit sich Anleger die Fonds ins Depot legen können, muss allerdings auch ihr Broker den Handel damit unterstützen. Das ist bei den gängigen Brokern offenbar derzeit nicht der Fall, und wenn doch, dann nur mit hohen Zusatzkosten.

 


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