SteuernSchwarzgeld-Erbschaft

Schwarzgeld
Urlaub in der Schweiz mit Kurztrip zu den Zürcher Schließfächern
© Johannes Mink

Die Skiurlaube mit den Eltern in der Schweiz gehören für Thomas Wolter* (Name von der Redaktion geändert) zu seinen schönsten Kindheitserinnerungen. Der Schnee, die Wintersonne und die Nähe zu seinem Vater – all das hat sich ihm tief eingeprägt. Dass sein Vater in jedem Urlaub auch einen kurzen Tagesausflug allein nach Zürich unternahm, hat ihn damals nicht weiter beschäftigt.

Jahre später ist das anders. Nachdem sein Vater im vergangenen Jahr starb, hat Thomas Wolter geerbt. Nicht nur Geld, sondern vor allem ein Problem. Ein sechsstelliges. Sein Vater, ein selbstständiger Handwerksmeister, hatte über Jahrzehnte 700.000 Euro Schwarzgeld aus seinem Betrieb über die Grenze geschafft und vor dem Fiskus versteckt. Das heimlich gebunkerte Geld war in der Familie nie ein Thema, kann sich Thomas Wolter erinnern.

Das Testament hatte der Verstorbene zu Hause deponiert. Erst bei der Eröffnung dämmerte es dem Alleinerben, dass es bei den Urlauben in den Alpen stets auch ums liebe Geld und um Steuern ging.

So wie Thomas Wolter stecken derzeit Tausende Deutsche in einer Zwickmühle. Viele der „Generation Erben“ müssen sich entscheiden: Sollen sie auf Risiko setzen und das geerbte Vermögen und die Erträge daraus weiter konsequent vor dem Fiskus verheimlichen? Oder doch besser alles offenbaren und damit in Kauf nehmen, dass das Finanzamt einen ordentlichen Batzen vom Familienvermögen kassiert?

keine straftat

Nach Schätzungen des Genfer Helvea-Instituts haben deutsche Gutverdiener in den vergangenen Jahrzehnten über 160 Mrd. Euro unversteuertes Geld in der Schweiz versteckt. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren gehörte es beinahe zum guten Ton, ein Konto in der Schweiz zu haben. Das Unrechtsbewusstsein: damals null. Steuerhinterziehung galt als Kavaliersdelikt, Betrüger hießen harmlos „Sünder“, und das Schweizer Bankgeheimnis glich noch einer Festung. Also machte sich damals niemand Gedanken, dass das versteckte Geld einmal die Nachkommen in Bedrängnis oder gar mit einem Bein ins Gefängnis bringen könnte.

Vor sechs Jahren dann begann die Ära der Steuer-CDs. Mittlerweile wollen selbst die Schweizer Banken mit der früher hofierten deutschen Klientel nur noch dann Geschäfte machen, wenn die ihre alten Steuerprobleme gelöst hat.

Für die Steuerhinterziehung eines verstorbenen Angehörigen müssen Nachkommen zwar strafrechtlich nicht einstehen – finanziell aber schon. Sie machen sich zudem selbst strafbar, wenn sie dem Finanzamt ein solches Erbe verschweigen.

Denn sie prellen den deutschen Fiskus um die Erbschaftsteuer, wenn das geerbte Vermögen die persönlichen Freibeträge übersteigt (siehe Tabellen).