Daniel Saurenz Russische Aktien – Vorsicht Falle

Die Börse in Moskau ist derzeit geschlossen
Nach ein paar Wochen Pause hat die Moskauer Börse den Handel wieder aufgenommen 
© IMAGO / ITAR-TASS
Nach einer Pause von fast vier Wochen hat der russische Aktienmarkt inzwischen wieder geöffnet. Der befürchtete Ausverkauf blieb aus, im Gegenteil. Allerdings beruhen die teilweise kräftigen Gewinne auf mehreren Sondereffekten

Eigentlich war die Ausgangslage denkbar schlecht. Die schmerzhaften Sanktionen gegen Russland und der Ausschluss der meisten Banken aus dem Swift-System ließen kräftige Verluste am Aktienmarkt erwarten. Doch der russische Index Moex schoss zu Beginn des wieder aufgenommenen Handels zeitweise prozentual zweistellig aufwärts. Angesichts hoher Öl- und Gaspreise waren vor allem Energiewerte gefragt.

Die auch bei deutschen Anlegern sehr beliebten Aktien von Gazprom verteuerten sich zeitweise um 20 Prozent und beendeten den Handel mit satten Aufschlägen. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Das letzte Mal, als Gazprom am 3. März in London gehandelt wurde, lag der Kurs bei 58 Cents, was angesichts des Verhältnisses zum Basiswert und der Wechselkursschwankungen dem Gegenwert von 28 Rubel pro Aktie entsprach. Lukoil wurde in London mit 58 Rubel taxiert, an der Börse in Moskau aber mit dem hundertfachen Wert. Hohe Kursgewinne verzeichneten außerdem das Mineralölunternehmen Tatneft und die größte private Energiefirma Nowatek.

In Deutschland können russische Titel über Börsen wie Xetra, Frankfurt oder Gettex/Börse München nicht gehandelt werden, weil die Abwicklung sanktioniert ist. Das betrifft auch ETFs und Fonds mit einem russischen Aktienanteil. Sie alle sind vorübergehend ausgesetzt.

Rohstoffpreisanstieg befeuert russische Aktien kurzfristig

Befeuert wurde die Erholung durch die hohen Preise bei den Energierohstoffen. Der Ölpreis befindet sich in einem Aufwärtstrend, zudem zeichnen sich weitere Lieferausfälle für die kommenden Wochen ab. Neben Sanktionen gegen russisches Öl und Gas wurde außerdem nach einem schweren Unwetter ein wichtiges Exportterminal in Russland beschädigt. Die russischen Ölexporte könnten daher um bis zu eine Million Barrel pro Tag fallen.

Und auch der Gaspreis sprang zuletzt wieder an, nachdem Präsident Wladimir Putin künftige Bezahlungen in Rubel fordert. Sollten sich die EU-Länder darauf einlassen, dürften die neuen Verträge schlechtere Konditionen enthalten, was die Preise weiter befeuert. Immerhin hat sich die Versorgungslage entspannt. Der Füllstand in den europäischen Gasspeichern weicht nicht mehr so kräftig vom langjährigen Durchschnitt ab.

Ohnehin sollte der gute Start nicht überbewertet werden. Leerverkäufe und somit Spekulationen auf fallende Kurse sind verboten, ausländische Investoren dürfen russische Aktien bis zum 1. April nicht veräußern. Zudem stützte der russische Staatsfonds zum Auftakt den Markt mit einer Finanzspritze von umgerechnet 10 Mrd. Dollar.

Umweg über Rohstoffe attraktiver

Da russische Aktien überwiegend in ausländischen Händen liegen, steht die Bewährungsprobe erst noch bevor. Inzwischen wurden russische Titel aus zahlreichen internationalen Indizes entfernt. Sobald ein Verkauf wieder möglich ist, passen Investoren ihre Portfolios an, um die Benchmarks wieder korrekt abzubilden. Spätestens dann ist mit stärkeren Turbulenzen zu rechnen. Auch wenn die Bewertungen auf dem Papier sehr günstig erscheinen, sollten Anleger um russische Aktien weiter einen Bogen machen sein.

Aussichtsreich bleibt die Lage an den Rohstoffmärkten. Nickel ist aber bereits stark gestiegen und auch Öl erlebt einen Höhenflug. Daher bieten sich andere Rohstoffe mit Nachholpotenzial an. Dazu zählt etwa Platin, das sich in diesem Jahr um knapp zehn Prozent verteuert hat. Dagegen ist Palladium, das auch häufig in Auto-Katalysatoren eingesetzt wird, um 30 Prozent gestiegen. „Da Platin in der Brennstoffenzellentechnologie und der Elektrolyse stark eingesetzt wird, sind die Nutzungsmöglichkeiten im Bereich der Erneuerbaren Energien sehr vielseitig“, erklärt Funda Sertkaya, Rohstoffexpertin und Geschäftsführerin beim Edelmetallhändler Ophirum. Der langfristige Trend zu Erneuerbaren Energien macht Platin daher im Bereich der stark gestiegen Rohstoffe zu einem attraktiven Nachholkandidaten.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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