RankingRobo-Advisor: Die besten digitalen Berater für Ihr Geld

Das Angebot an Digitalberatungen wird breiter – jeder Anleger dürfte jetzt was Passendes finden
Das Angebot an Digitalberatungen wird breiter – jeder Anleger dürfte jetzt was Passendes finden Kyle Platts

Wer bei der Privatbank Warburg in die Zukunft schauen will, muss erst an der Vergangenheit vorbei. Aus dem dunklen Foyer des traditionsreichen Hamburger Geldhauses führt eine breite steinerne Treppe zu den Büros. Eine Tafel erinnert an die Mitarbeiter, die im Ersten Weltkrieg fielen. In den Besprechungsräumen lassen sich Besucher auf dunklen Holzstühlen mit Lederbezug nieder, eine Mitarbeiterin reicht Kaffee und Gebäck. Ein Privatbank-Idyll – das in Büro 3-F1-16 jäh ins Wanken gerät.

Hier arbeiten Bente Lorenzen und ihre Kollegen, auf den Schreibtischen stapeln sich Papiere und Stifte, an der Wand blinken neonpinke Post-it-Kleber. Gemeinsam haben sie den Warburg Navigator entwickelt, den hauseigenen Robo-Advisor – einen digitalen Vermögensverwalter, der für Warburg-Verhältnisse eine Revolution einläutet.

Normalerweise offeriert das 220 Jahre alte Geldhaus nur Gutbetuchten seine Dienste, Interessenten müssen für die Vermögensverwaltung in der Regel mindestens einen siebenstelligen Betrag mitbringen. Doch beim Warburg Navigator reichen 20.000 Euro. „So einen niedrigen Mindestanlagebetrag gab es bei Warburg bisher noch nicht“, sagt Lorenzen. So zeugt der Warburg-Robo nicht nur vom Wandel einer Bank, sondern einer ganzen Branche.

Robo-Advisor sind eine junge Anlageform, die es erst seit wenigen Jahren gibt. Im Prinzip funktionieren sie wie klassische Vermögensverwalter: Die Robos investieren für ihre Kunden, wählen Aktien, Anleihen oder – wie oft bei Robo-Advisorn – Fonds aus. Der Kunde soll sich um sein Geld nicht mehr kümmern müssen. Jedoch funktionieren die Dienste rein digital; mit ein paar Klicks helfen sie aus mehreren vorgegebenen Anlagestrategien die richtige auszuwählen, ein Beratungsgespräch ist meist nicht vorgesehen. Dafür sind die Robos günstiger als die klassischen Verwalter, teils um mehr als 50 Prozent.

Die Angebote werden besser

Zum zweiten Mal haben Capital und das Analysehaus Tetralog die digitalen Geldverwalter getestet und die besten gekürt. Die Branche wächst: Während im vergangenen Jahr 13 Angebote getestet wurden, nahmen in diesem Jahr 25 teil, der Warburg Navigator ist einer der neuen.

Um dem Wachstum der digitalen Geldverwalter-Gilde Rechnung zu tragen, gibt es in diesem Jahr erstmals zwei Kategorien. In der einen analysiert Capital die Newcomer, die noch kein ganzes Jahr am Markt sind. In der zweiten Kategorie werden die Robo-Advisor getestet, die bereits länger als ein Jahr existieren. Die Aufteilung ermöglicht, dass bei den Anbietern in der zweiten Kategorie auch die Renditen in die Analyse einfließen können.

Die Ergebnisse: In der Newcomer-Kategorie belegt der Warburg Navigator den ersten Platz, in der zweiten Kategorie schafft es der Berliner Anbieter Liqid auf Rang eins. Im vorigen Jahr kam er noch auf den zweiten Platz. Vorjahressieger Scalable rutscht auf den zweiten Platz ab. Zudem spiegeln die Ergebnisse eine grundsätzliche Entwicklung wider: Die Robos werden immer besser. Während die Zunft 2017 im Schnitt 65,8 Punkte erzielte, sind es diesmal 70,2 Punkte. „Die Branche professionalisiert sich“, stellt Christian Apelt fest, der die Untersuchung bei Tetralog geleitet hat.

Die Capital-Analyse verrät Anlegern aber nicht nur, welcher Robo besonders empfehlenswert ist. Die Auswertung zeigt, was herausragende Onlinegeldverwalter auszeichnet, wie unterschiedlich sie inzwischen arbeiten – und kündet von einer Verschiebung in der Branche.

Gut zeigen lässt sich das am Warburg Navigator: Denn wieso bringt eine so alte Privatbank überhaupt einen Robo auf den Markt? Die Frage ist berechtigt, denn die Onlinegeldbranche verwaltet bislang nur einen Bruchteil der Summe, die die Deutschen anlegen. Scalable etwa als der größte digitale Vermögensverwalter hierzulande legt inzwischen etwas mehr als 1 Mrd. Euro an. Das klingt viel, ist aber wenig im Vergleich zu den etwa 3000 Mrd. Euro, die in Deutschland direkt in Fonds investiert sind. Zündet die Robo-Idee also überhaupt?

„Viele Robo-Anbieter haben geglaubt, sie könnten schneller Kunden werben“, sagt Philipp Koch, bei der Beratungsgesellschaft McKinsey verantwortlich für die Fondsbranche in Europa. Allerdings hätten die Anbieter die Beharrungskraft hiesiger Anleger unterschätzt. „Viele Deutsche sind in Finanzangelegenheiten wechselunwillig; sie bleiben lieber bei dem Anbieter, den sie kennen“, sagt auch Daniel Hildebrand von der Beratung Roland Berger.

Um bekannter zu werden, müssen die Robos viel Aufwand betreiben. Die Werbekosten pro Kunde liegen je nach Unternehmen zwischen 250 und 1000 Euro. „Das wiederum verlangsamt den Prozess, Anleger zu gewinnen, weil ein Unternehmen das Geld erst mal aufbringen muss“, sagt Dirk Vater, Partner und Finanzexperte bei Bain.

Trotzdem gehen Experten davon aus, dass die Branche wachsen wird. „Bequemlichkeit wird ein immer wichtigerer Wert bei vielen Menschen“, sagt Vater. Das Wachstum der Branche dürfte aber künftig gerade von Robos wie dem Warburg Navigator ausgehen, die einer Bank oder Fondsgesellschaft gehören. Denn sie bringen eine starke Marke im Hintergrund schon mit – und zusätzlich oft ein Filialnetz für den Vertrieb. „Damit wandelt sich das Gesicht der Branche, denn bislang standen die unabhängigen Onlineverwalter im Fokus, jene wie Scalable, die Finanz-Start-ups sind“, sagt Roland-Berger-Mann Hildebrand.

Ein Vorteil für Banken

Hinzu kommt, dass sich etablierte Geldhäuser mit den Robos neue Kundengruppen erschließen: Viele Warburg-Kunden etwa sind älter, durch das digitale Angebot hofft die Bank jüngere Kunden zu werben – und hat deshalb die Mindestanlage für ihre Verhältnisse so niedrig angesetzt. „Uns geht es zum Beispiel um Top-Verdiener, die noch nicht vermögend sind“, sagt Lorenzen. „Die wollen wir jetzt schon an die Bank binden.“

Und die finden im Warburg Navigator ein gutes Angebot. „Gefallen hat uns, dass die Kunden ausführliche Begründungen erhalten, warum bestimmte Fonds ge- oder verkauft werden. Das macht den Prozess für Anleger transparent und nachvollziehbar“, sagt Tetralog-Mann Apelt. Obendrein lobt er die Profilierung über einen Onlinefragebogen. Mit dem sollen Kunden die Anlagestrategie mit dem für sie richtigen Risiko finden. „Bei Warburg mögen wir das besonders, weil die Profilierung detailliert ist und sehr genau danach gefragt wird, welches Risiko ein Kunde aushalten kann“, lobt Apelt.

Ähnlich gut wie Warburg macht das Liqid, das Start-up aus Berlin geht sogar noch weiter: Es prüft, ob die Selbsteinschätzung der Kunden mit ihren Antworten übereinstimmt. In einem ersten Schritt müssen die Sparer angeben, ob sie sich etwa für einen konservativen oder einen gewinnorientierten, also aggressiven Anleger halten. Im zweiten Schritt müssen die Kunden dann angeben, wie viel Prozent der Anlage sie als Rücklage für unerwartete Ausgaben brauchen. Sehen sich Anleger als gewinnorientiert, wollen aber auf 80 Prozent des Depots jederzeit zurückgreifen können, erhalten sie eine Mitteilung, die erklärt, dass beide Antworten nicht zusammenpassen – weil die aggressive Strategie besonders riskant ist. „Wir sorgen so dafür, dass unsere Kunden wirklich nur in die Strategie investieren, die zu ihnen passt“, sagt Christian Schneider-Sickert, Chef von Liqid. Dieses Vorgehen ist ein Grund, warum Liqid diesmal auf dem ersten Platz steht.

Der Vorjahressieger Scalable muss hier Punkte lassen, da er nur in geringerem Umfang prüft, wie es um die Risikoneigung eines Anlegers steht. Das Münchner Start-up Scalable schneidet allerdings noch aus einem zweiten Grund schlechter ab als 2017: wegen der Anlagestrategie. Scalables Volatilität – eine Kennziffer für das Risiko – beträgt zehn Prozent, das ist der höchste Wert unter allen Robos. Die Rendite beläuft sich aber nur auf durchschnittliche 2,3 Prozent, obwohl ein höheres Risiko typischerweise mit höheren Gewinnen einhergeht. „Das sehr hohe Risiko wurde also nicht belohnt“, sagt Apelt. Das liegt am Anlagemodell von Scalable, das sich an der Volatilität orientiert, also an den Börsenschwankungen. Ist die Volatilität am Aktienmarkt gering, erhöht Scalable den Aktienanteil in den Depots. Sind die Schwankungen hoch, ist der Anteil niedrig.

Das Problem: Bis Februar dieses Jahres gingen die Schwankungen zurück, Scalable fuhr den Aktienteil hoch – und dann krachte es unerwartet. Scalable-Gründer Erik Podzuweit räumt ein: „Kein System kann Schocks, die plötzlich auftreten, erkennen.“ Anders sei das bei Crashs, die sich wie die Finanzkrise langsam ankündigten, indem die Schwankungen kontinuierlich ansteigen. „Unser Algorithmus erkennt das und kann den Aktienanteil langsam runterregeln und das Geld in risikoärmere Anlageklassen wie Anleihen umschichten“, sagt Podzuweit. „Langfristig wird es uns deshalb gelingen, weniger Schwankungen als die Konkurrenz und damit verbesserte risiko-adjustierte Renditen zu haben.“

Fairerweise muss man sagen: Die Rendite über zwölf Monate lässt nicht zu, endgültige Schlüsse zu ziehen. Sie zeigt aber, wo Probleme auftreten können – gerade im Vergleich mit dem Anlagemodell, das andere Robos verfolgen: dem Rebalancing.

Regeln hängen Software ab

Das bedeutet: Ein Depot, das anfangs aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen besteht, wird bei steigenden Aktienkursen (und zum Beispiel stagnierenden Anleihen) regelmäßig auf die ursprüngliche 50:50-Verteilung zurückgeführt. Bei einem plötzlichen Schock kann der Aktienanteil so geringer sein als bei Scalable – und der Verlust niedriger.

Umgekehrt gilt: Wenn der Scalable-Algorithmus funktioniert, erkennt er eine nahende Krise und reduziert den Aktienanteil vor dem Crash, während der Aktienanteil in einem Rebalancing-Depot dagegen womöglich höher, der Verlust größer ist. Bei Scalable vertraut der Kunde also der Software, bei Rebalancing-Ansätzen Regeln, die der Anbieter festlegt.

Die großen Unterschiede zeigen sich aber nicht nur beim Rebalancing, sondern auch in den Depots der Anbieter. Für Liqid gilt: „Gold ist in jedem unserer Depots, weil wir es als Krisenschutz sehen“, sagt Schneider-Sickert. Der Robo Quirion wiederum investiert nicht in das Edelmetall. „Die Rendite von Gold ist langfristig zu niedrig, zudem sind die Kosten zu hoch“, sagt Anselm Hüwe, Analyst bei Quirion.

Quirion wiederum setzt stark auf Fonds, die in kleinere und mittlere börsennotierte Unternehmen investieren. In der ausgewogenen Anlagestrategie machen sie gut zwölf Prozent des Depots aus – während der Anteil solcher Nebenwerte bei Liqid in einem vergleichbaren Depot weniger als zehn Prozent beträgt.

Anleger sollten auf solche Differenzen achten, weil sie unterschiedlich hohe Gewinne erklären können. Quirion etwa hat auch ein Prozent mehr Rendite gemacht als Liqid, weil es stärker auf renditestarke Nebenwerte setzt. Das zeigt zugleich, wie menschlich es bei den Robos zugeht: Dass der eine Gold hat und der andere nicht, ist so, weil die Anbieter das für richtig halten – und belegt, wie irreführend der Begriff Robo sein kann. Automatisch ist bei den Robos nämlich längst nicht alles.

So wurde getestet

Die Investmentspezialisten des Münchner Analysehauses Tetralog haben für Capital 25 Robo-Advisor untersucht, die Ende Mai 2018 am Markt waren. Der Test umfasste drei Kategorien: Erstens die sogenannte Profilierung, also die Erstellung eines Angebots, das zur Risikoneigung des Kunden passt. Zweitens die transparente und verständliche Beschreibung des Investmentprozesses und die erzielten Renditen gemessen am Risiko. Und drittens das Serviceangebot, für das die Robo-Anbieter direkt angefragt wurden.

Die Testperson: Beim fiktiven Testkunden handelte es sich um einen 45-jährigen, verheirateten und kinderlosen Angestellten, der für 15 Jahre 50.000 Euro zum Vermögensaufbau anlegen möchte. Zusätzlich überlegte sich das Analysehaus Tetralog weitere Details der Testperson, die die Robos abfragen und die relevant für die Frage sind, ob die Anlagevorschläge zum Kunden passen. So verfügte der Testkunde über ein monatliches Nettoeinkommen von 5000 Euro und gibt 3500 Euro aus. Zusätzlich hat er ein liquides, also jederzeit verfügbares Vermögen von 100 000 Euro, das zu 80 Prozent in Wertpapieren und zu 20 Prozent auf einem Tagesgeldkonto liegt.

Kategorie Profilierung: Die Kategorie machte 25 der 100 maximal erreichbaren Punkte aus. Bewertet wurde nicht allein, inwiefern der Anlagevorschlag zum Kunden passt. Tetralog analysierte auch, inwiefern ein Robo-Advisor in seinen Fragebögen die finanzielle Situation, die Kenntnisse und Anlageziele abfragte. Zudem konnten sich die Anbieter hervortun, indem sie ausführlich die Risikoneigung ihres Kunden abfragten.

Kategorie Investment: In dieser Kategorie konnten die Onlinevermögensverwalter maximal 40 Punkte erreichen. Hier wurden etwa Rendite und Risiko untersucht: Je höher die Rendite und niedriger das Risiko, desto mehr Punkte gab es. Im Vergleich zum Vorjahr kam es hier zu einer Änderung: 2017 war die Rendite des Anlagevorschlags, den die Robos unterbreitet hatten, nur simuliert worden. Wegen der gestiegenen Zahl der Anbieter analysierte Tetralog in diesem Jahr die tatsächliche Rendite bei einer ausgewogenen Anlagestrategie, wodurch die Anbieter anhand ihrer Leistung beurteilt werden konnten. Dazu stellten die Robo-Anbieter Daten zur Verfügung, die Tetralog überprüfte und daraus die Rendite, die Volatilität und den maximalen Verlust über ein Jahr errechnete.

Standen die Renditedaten eines Robos nicht zur Verfügung, erhielt der Anbieter weniger Punkte. Obendrein wurde geprüft, wie gut der Investmentprozess beschrieben wird. Hier konnte punkten, wer detailliert erklärt, welche Investmentstrategien und Risikomanagementansätze verfolgt und wie Wertpapiere und Fonds ausgewählt werden. Außerdem ging es um die Transparenz des Anlagevorschlags, also aus welchen Vermögensklassen, Fonds oder Einzeltiteln sich die Depots zusammensetzten. Bei Robos, die kein Jahr am Markt sind, wurden Rendite und Risiko nicht bewertet.

Kategorie Service: Diese Kategorie steht für 35 Punkte. Tetralog prüfte die Kontaktinformationen der Robos auf den Websites und die Reaktionszeit sowie die Antwortqualität bei Anfragen per Mail, Chat, Telefon, Whatsapp und Facebook. Bietet ein Robo einen dieser Kommunikationskanäle nicht an, führte das zu Punktabzug. In die Wertung gingen auch weitere Services ein, etwa Sites speziell für Handys oder Apps sowie deren Nutzerfreundlichkeit.

Erstmals analysiert wurde, ob Kundenreports und Weiterbildungsmöglichkeiten wie Webinare bestanden. Zudem wurde zum ersten Mal die Höhe der Kosten bewertet; je höher diese waren, desto niedriger die Punktzahl. Außerdem floss die Breite des Angebots ein, also ob etwa die Auswahl weiterer Anlagekriterien wie Nachhaltigkeit möglich war.