RankingRobo-Advisor: Die besten digitalen Berater für Ihr Geld

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Ähnlich gut wie Warburg macht das Liqid, das Start-up aus Berlin geht sogar noch weiter: Es prüft, ob die Selbsteinschätzung der Kunden mit ihren Antworten übereinstimmt. In einem ersten Schritt müssen die Sparer angeben, ob sie sich etwa für einen konservativen oder einen gewinnorientierten, also aggressiven Anleger halten. Im zweiten Schritt müssen die Kunden dann angeben, wie viel Prozent der Anlage sie als Rücklage für unerwartete Ausgaben brauchen. Sehen sich Anleger als gewinnorientiert, wollen aber auf 80 Prozent des Depots jederzeit zurückgreifen können, erhalten sie eine Mitteilung, die erklärt, dass beide Antworten nicht zusammenpassen – weil die aggressive Strategie besonders riskant ist. „Wir sorgen so dafür, dass unsere Kunden wirklich nur in die Strategie investieren, die zu ihnen passt“, sagt Christian Schneider-Sickert, Chef von Liqid. Dieses Vorgehen ist ein Grund, warum Liqid diesmal auf dem ersten Platz steht.

Der Vorjahressieger Scalable muss hier Punkte lassen, da er nur in geringerem Umfang prüft, wie es um die Risikoneigung eines Anlegers steht. Das Münchner Start-up Scalable schneidet allerdings noch aus einem zweiten Grund schlechter ab als 2017: wegen der Anlagestrategie. Scalables Volatilität – eine Kennziffer für das Risiko – beträgt zehn Prozent, das ist der höchste Wert unter allen Robos. Die Rendite beläuft sich aber nur auf durchschnittliche 2,3 Prozent, obwohl ein höheres Risiko typischerweise mit höheren Gewinnen einhergeht. „Das sehr hohe Risiko wurde also nicht belohnt“, sagt Apelt. Das liegt am Anlagemodell von Scalable, das sich an der Volatilität orientiert, also an den Börsenschwankungen. Ist die Volatilität am Aktienmarkt gering, erhöht Scalable den Aktienanteil in den Depots. Sind die Schwankungen hoch, ist der Anteil niedrig.

Das Problem: Bis Februar dieses Jahres gingen die Schwankungen zurück, Scalable fuhr den Aktienteil hoch – und dann krachte es unerwartet. Scalable-Gründer Erik Podzuweit räumt ein: „Kein System kann Schocks, die plötzlich auftreten, erkennen.“ Anders sei das bei Crashs, die sich wie die Finanzkrise langsam ankündigten, indem die Schwankungen kontinuierlich ansteigen. „Unser Algorithmus erkennt das und kann den Aktienanteil langsam runterregeln und das Geld in risikoärmere Anlageklassen wie Anleihen umschichten“, sagt Podzuweit. „Langfristig wird es uns deshalb gelingen, weniger Schwankungen als die Konkurrenz und damit verbesserte risiko-adjustierte Renditen zu haben.“

Fairerweise muss man sagen: Die Rendite über zwölf Monate lässt nicht zu, endgültige Schlüsse zu ziehen. Sie zeigt aber, wo Probleme auftreten können – gerade im Vergleich mit dem Anlagemodell, das andere Robos verfolgen: dem Rebalancing.

Regeln hängen Software ab

Das bedeutet: Ein Depot, das anfangs aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen besteht, wird bei steigenden Aktienkursen (und zum Beispiel stagnierenden Anleihen) regelmäßig auf die ursprüngliche 50:50-Verteilung zurückgeführt. Bei einem plötzlichen Schock kann der Aktienanteil so geringer sein als bei Scalable – und der Verlust niedriger.

Umgekehrt gilt: Wenn der Scalable-Algorithmus funktioniert, erkennt er eine nahende Krise und reduziert den Aktienanteil vor dem Crash, während der Aktienanteil in einem Rebalancing-Depot dagegen womöglich höher, der Verlust größer ist. Bei Scalable vertraut der Kunde also der Software, bei Rebalancing-Ansätzen Regeln, die der Anbieter festlegt.

Die großen Unterschiede zeigen sich aber nicht nur beim Rebalancing, sondern auch in den Depots der Anbieter. Für Liqid gilt: „Gold ist in jedem unserer Depots, weil wir es als Krisenschutz sehen“, sagt Schneider-Sickert. Der Robo Quirion wiederum investiert nicht in das Edelmetall. „Die Rendite von Gold ist langfristig zu niedrig, zudem sind die Kosten zu hoch“, sagt Anselm Hüwe, Analyst bei Quirion.

Quirion wiederum setzt stark auf Fonds, die in kleinere und mittlere börsennotierte Unternehmen investieren. In der ausgewogenen Anlagestrategie machen sie gut zwölf Prozent des Depots aus – während der Anteil solcher Nebenwerte bei Liqid in einem vergleichbaren Depot weniger als zehn Prozent beträgt.

Anleger sollten auf solche Differenzen achten, weil sie unterschiedlich hohe Gewinne erklären können. Quirion etwa hat auch ein Prozent mehr Rendite gemacht als Liqid, weil es stärker auf renditestarke Nebenwerte setzt. Das zeigt zugleich, wie menschlich es bei den Robos zugeht: Dass der eine Gold hat und der andere nicht, ist so, weil die Anbieter das für richtig halten – und belegt, wie irreführend der Begriff Robo sein kann. Automatisch ist bei den Robos nämlich längst nicht alles.