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Die Bafin hält sich raus

Tatsächlich werden die Namen der Treuhänder in kaum einem Geschäftsbericht ausgewiesen. Die Unternehmen müssen ihn nirgends angeben, nur auf konkrete Anfrage müssen sie Auskunft erteilen. Manche Versicherer halten den Namen so lange zurück wie möglich, wie Urteile belegen. Es geht aber auch anders: Die Allianz gibt etwa an, den Treuhänder in jedem Kundenbrief zur Beitragsanpassung namentlich zu nennen.

Nur wenn es Ärger wegen steigender Beiträge gibt, verweisen die Versicherer gern auf den Treuhänder – als Rechtfertigung, dass ein unabhängiger Dritter doch vorschriftsmäßig alles geprüft hat.

Vielen Kunden verursacht das Unbehagen. Ein Arzt aus dem Badischen wandte sich per Leserbrief an Capital und forderte mehr Klarheit, wer hinter den „unabhängigen Treuhändern, die regelmäßig die enormen Prämienerhöhungen gutheißen, steckt und wer diese bezahlt“.

Dass es mit den treuen Prüfern Probleme geben könnte, hätte der Bafin auch früher auffallen können. In den Jahrbüchern der Behörde finden sich dafür etliche Hinweise. 2002 beanstandete sie, dass ein Treuhänder dem Versicherer rückwirkend die Zustimmung zur Prämienerhöhung erteilte. Zwei Jahre später rief man vier Versicherer zur Ordnung, die vorsorglich Klauseln zulasten ihrer Kunden geändert hatten, weil sie Kostensteigerungen befürchteten – mit dem Plazet ihrer Treuhänder. Und in einem Schreiben von 2006 monierten Aufseher eine unfaire Verteilung von Mitteln, auf die Treuhänder ebenfalls zu achten hatten.

In einem besonders krassen Fall fiel den Aufsehern bei einer Prüfung auf, dass ein juristischer Treuhänder dasselbe Unternehmen nebenbei auch noch rechtlich beriet. Es bestehe die Gefahr, monierten die Beamten, dass der Mann erst Vertragsänderungen initiiere und diese „schließlich auf ihre Angemessenheit“ überprüfe.

„Die Vorstellung des Gesetzgebers, dass der Treuhänder die Partei der Kunden vertrete, wird in der Praxis nicht gelebt“, sagt Bluhm. Ähnlich sieht es sein Anwaltskollege Pilz: Die Treuhänder seien stark „im Denken der Unternehmen verhaftet“.

Um das Problem zu entschärfen, schlägt der einstige Treuhänder Jürgen Bosche in einem Fachaufsatz vor, die Mandate auf fünf bis maximal acht Jahre zu begrenzen. Das diene der Qualitätssicherung, denn nach dieser Frist stelle sich „immer eine gewisse Betriebsblindheit ein“.

Die Kunden der Axa dürften jedoch zunächst gespannt nach Karlsruhe blicken, wo der Bundesgerichtshof in einigen Monaten entscheiden wird. Praktische Erfahrungen darf man bei den Richtern voraussetzen: Als Beamte sind sie vermutlich privat versichert.