Lunch mit ...Bill Gross: „Wir nahmen jeden Penny, den wir kriegen konnten“

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Gross war ein brillanter Investor

Ab dem Jahr 2011 ging es abwärts mit den Ergebnissen des Investors Bill Gross. Kritiker werfen ihm deshalb vor, er habe einfach von einem 30 Jahre lang wachsenden Markt profitiert und in dem Moment Probleme bekommen, in dem das Wachstum verebbte. Selbst Gross selbst sagte 2013, es sei vielleicht „eher die Ära gewesen, die den Mann ausmachte als der Mann, der die Ära bestimmte“. Auch heute, während er langsam sein Sandwich isst, räumt Gross ein, dass er vermutlich nicht so viel Erfolg gehabt hätte, wenn er zehn Jahre früher geboren worden wäre. „Wir haben es schon sehr gut gemacht. Aber es gab auch eine große Welle, auf der wir reiten konnten“, sagt er.

Das aber wird dem nicht gerecht, was Gross in Newport Beach aufgebaut hat. Selbst seine größten Kritiker geben zu, dass Gross ein brillanter Investor war und im Grunde die moderne Variante des Rentenfonds erfunden hat.

Seinen immensen Antrieb erklärt der Pimco-Gründer mit einem tief sitzenden Bedürfnis nach Anerkennung. Wenn sich Leute bei seinem Unternehmen um einen Job bewarben, fragte er, was sie wählen würden, wenn sie von drei Dingen nur eines bekommen könnten: Geld, Macht oder Ruhm. „Für mich war es eindeutig der Ruhm“, sagt er. „Und ich glaube, dass Menschen, die berühmt sein wollen, eigentlich nach Liebe suchen.“

Es ist ein Geständnis, das mich neugierig macht. Schüchtern frage ich nach seinen Eltern. „Sie glaubten nicht an Umarmungen oder Küsse“, sagt er. Zwar stellt Gross fest, es sei „bescheuert“, seinen Eltern für irgendetwas die Schuld zu geben, wenn man das reife Alter von 74 Jahren erreicht habe. Doch es scheint ihn immer noch zu wurmen, dass sie niemals zu seinen Basketballspielen kamen oder ihn in seiner Unizeit besuchten – nicht einmal dann, als er im Krankenhaus lag. Gross ist jetzt halb durch mit seinem Sandwich, in die Reste stößt er mit seinem Spieß.

Der Pimco-Rausschmiss nagt an ihm

Es gibt noch einen anderen Teil seiner Persönlichkeit, der Gross erst in letzter Zeit klar geworden ist. Als er das Buch „The Big Short“ von Michael Lewis über die Handvoll Manager las, die die Finanzkrise vorhergesehen hatten, stieß er auf die Geschichte von Michael Burry. Der Hedgefondsmanager stellte bei sich eines Tages das Asperger-Syndrom fest, als er auf eine Liste der gängigen Symptome stieß: Vemeidung von Sichtkontakt, ein obsessives, merkwürdiges Wesen und seltsame Hobbies. „Das bin ich!“, dachte Gross, ein begeisterter Briefmarkensammler. Er ging zu einem Psychiater – und die Diagnose wurde bestätigt.

Es ist diese Kombination aus Sucht nach Ruhm und Besessenheit, die dazu beigetragen haben dürften, dass Gross an die Spitze der Finanzwelt gelangte. Zugleich aber hat sie auch seinen Abstieg begünstigt.

Eine Kellnerin kommt, um die Teller abzuräumen, aber Gross winkt sie beiseite. Es geht jetzt um seine dramatische Entthronung bei Pimco im Jahr 2014. Nach dem Rausschmiss überzog er sein früheres Unternehmen mit einer Klage. Die Rede war von einer „Intrige“ von Managern, die getrieben gewesen seien von „Machtstreben, Gier und dem Wunsch danach, ihre finanzielle Lage zu verbessern“. Das Verfahren ist beigelegt, es herrscht Waffenruhe. Aber die Sache nagt noch an ihm.

Dass er bei Pimco nicht mehr zurecht kam, schreibt Gross der nicht erkannten Asperger-Störung zu, die ihn zu einem „einzelgängerischen, herrschsüchtigen, wütenden, stillen, introvertierten Menschen“ gemacht habe. Je größer Pimco wurde, desto mehr junge Mitarbeiter kamen hinzu, und Gross‘ Stil, „auf unfreundliche Art zu sagen, was ich von den Dingen halte“ führte zu immer mehr Reibung. „Die Millennials wollen gute Dinge hören und keine schlechten“, sagt er.