AltersvorsorgeLeitfaden: genug Geld für die Rente

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#5 Machen Sie sich frei

Eine Lehre bietet die neue Rentendebatte schon jetzt: Auf Zusagen und Beschlüsse von Politikern, die über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren reichen, sollte man nicht allzu viel geben. Umso wichtiger ist es also, die private Altersvorsorge möglichst unabhängig von politischen Entscheidungen und staatlichen Förderinstrumenten zu betreiben.

Etwa elf Millionen Menschen haben heute einen oder mehrere Riester-Verträge, mit denen sie privat für das Alter vorsorgen und für die sie Zulagen vom Staat erhalten. Insgesamt gibt es rund 16,5 Millionen Riester-Policen. An den Angeboten gibt es einiges zu kritisieren, doch viele sind weit besser als ihr Ruf. Das gilt insbesondere für Riester-Fondssparpläne, die relativ stark in Aktien investieren.

Statt aber auf den letzten Zulagen-Euro für eher teure Versicherungspolicen zu schielen, empfiehlt sich ein Baukasten aus globalen, aktienbasierten, breit gestreuten Fonds und Indexfonds (ETFs). Denn wenn wir alle länger leben, werden Aktienanlagen umso attraktiver: Ab einer Haltedauer von rund 15 Jahren sinken historisch betrachtet die Verlustrisiken einer gestreuten Aktienanlage auf nahezu null Prozent, ab 20 Jahren winken verlässlich mindestens fünf Prozent Rendite pro Jahr. Selbst ein heute 55-jähriger Mann lebt im Schnitt noch 26 Jahre, eine Frau sogar 30 Jahre.

Oft heißt es, Politiker machten ihre Hausaufgaben nicht. In der Rentenpolitik war ironischerweise das Gegenteil der Fall. Seit der Jahrtausendwende haben verschiedene Regierungen die Rentenformel umgebaut, um das System zu stabilisieren. Sie haben Millionen Deutsche zu einer privaten Vorsorge ermuntert. Und sie haben mit der Rente mit 67 gezeigt, dass sie vorausschauend handeln können. Politik aus dem Lehrbuch. Warum das alles wieder rückabgewickelt werden soll, bleibt ein großes Rätsel. Treibt die Rentenlücke die Menschen in Chemnitz auf die Straße? Wird die CSU wegen Haltelinien im Jahr 2018 abgestraft?

Nein – aber das bringt Politiker nicht von neuen Rentenpaketen ab, die Milliarden kosten. Und die in zehn Jahren wieder ein Kanzler beschneiden muss. Wahrscheinlich reicht es immerhin dann für die Top-Nachricht im „Heute Journal“.