AltersvorsorgeLeitfaden: genug Geld für die Rente

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Um die Arbeitnehmer nicht zu überfordern und den Rentenbeitrag bis zum Jahr 2040 bei maximal 22 Prozent zu halten, sollte dieses Niveau (an irgendetwas muss man sich ja orientieren) in den kommenden 22 Jahren auf 42 Prozent sinken. Das heißt aber nicht, dass die Renten auch tatsächlich sinken. Um das Niveau zu senken, reicht es bereits, wenn die Renten nur etwas langsamer steigen als Löhne und Gehälter. Zu diesem Zweck gibt es seit 2005 den Nachhaltigkeitsfaktor, der Lohn- und Rentenentwicklung ganz langsam entkoppelt.

Tatsächlich steigen die Renten trotzdem, sogar deutlich. Unterstellt man einen jährlichen Anstieg der Löhne und Gehälter um knapp drei Prozent pro Jahr, würden die ausgezahlten Renten bis zum Jahr 2031 um mehr als ein Drittel steigen, nämlich exakt um 36 Prozent. Eine Standardrente würde dann etwa 1900 Euro im Monat betragen. Trotzdem heißt es überall und immer wieder, dass die Renten sinken. Und statt ihre verunsicherten Wähler eines Besseren zu belehren, spielt allen voran die SPD lieber die Kümmererpartei, die „die Ängste der Menschen ernst nimmt“ und Besserung verspricht.

#3 Ein Raubzug hat begonnen

Allein die Ende August beschlossene Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2025 wird rund 11 Mrd. Euro kosten, weitere 20 bis 25 Mrd. Euro die Rentenzuschläge für die Kinderziehung. Zur Finanzierung dieses Pakets müsste der Rentenbeitrag spätestens 2021 steigen. Das wollen sich Union und SPD so kurz vor der nächsten Wahl jedoch ersparen und plündern stattdessen die Reserve der gesetzlichen Versicherer. Den Beitrag anheben soll lieber die nächste Regierung, dann allerdings innerhalb von drei Jahren um etwa drei Prozentpunkte.

Das alles aber ist noch nichts gegen die Pläne von Olaf Scholz, das Rentenniveau am besten gleich bis 2040 bei 48 Prozent einzufrieren. Verschiedene Wissenschaftler haben dieses Ansinnen durchgerechnet und kommen auf kumulierte Kosten von bis zu 500 Mrd. Euro. Wenn der Rentenbeitrag nicht über 22 Prozent steigen soll, müsste der Zuschuss des Bundes von heute 94 Mrd. Euro – mehr als ein Viertel des Bundeshaushalts – auf 160 bis 180 Mrd. Euro pro Jahr steigen.

Aber egal ob man es über Steuern oder Beiträge finanziert: Die Pläne gleichen einem Raubzug unter den jungen und noch kommenden Generationen. Angesichts der guten Haushaltslage hat die Idee, die Rentner erst mal besser zu stellen, auch jenseits der SPD viele Anhänger. Eigentlich mögliche Steuer-entlastungen, die Spielraum für private Ersparnis schaffen würden, müssen dann ausfallen. Nur klar ist auch, wie die Sache ausgeht, wenn die Wirtschaft einmal nicht mehr so gut läuft: Dann wird wieder alles rückgängig gemacht, die Einschnitte werden umso härter ausfallen.

#4 Klären Sie Ihre Prioritäten

Deshalb spricht viel dafür, für den Ruhestand nicht allein auf die gesetzliche Rente und die Zuverlässigkeit der Politik zu bauen. Zwischen dem Einkommen, das Sie heute oder mehr noch in ein paar Jahren erzielen, und der mutmaßlichen gesetzlichen Rente in zehn, 20 oder 30 Jahren wird eine gehörige Lücke klaffen. Besser ist, sich darauf vorzubereiten.

Um die Lücke zu schließen, sind aber zwei Dinge wichtig – noch lange vor dem Abschluss eines weiteren Sparplans. Erstens: Klären Sie, was Sie bereits an Versicherungen haben und an Vorsorge betreiben. Als Anhaltspunkt dazu dienen auch die fünf Anlagetypen, die wir entwickelt haben. Wichtiger aber noch ist, zweitens, die Prioritäten zu klären: Wollen Sie noch eine Familie gründen? Und wie wichtig ist Ihnen Eigentum?

Wer zum Beispiel jetzt schon weiß, dass er in einigen Jahren Kinder haben und irgendwann ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen wird, kann an das Thema private Altersvorsorge anders herangehen – ein Großteil ist dann nämlich für viele Menschen durch die Finanzierung der Immobilie wahrscheinlich schon erledigt.