AltersvorsorgeLebensversicherung: auszahlen oder Rente?

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Beispiel 2: Ältere Rentenpolice

Michael Neuhaus ist zum Auszahlungstermin seiner fondsgebundenen Rentenversicherung mit 58 Jahren noch relativ jung und darf statistisch mit 25 weiteren Lebensjahren rechnen, ermittelte Siepe: „Das Endalter von 83 ist ein Durchschnittswert und nicht in Stein gemeißelt, aber ein guter Anhaltspunkt für die Planung.“

Für Neuhaus ist die Rentenoption also durchaus eine Überlegung wert, weil er einen günstigen Altvertrag aus dem Jahr 1999 besitzt – also aus einer Zeit, als historisch hohe Garantiezinsen von vier Prozent galten.

Andere sichere Anlagemöglichkeiten sind am Kapitalmarkt derzeit rar. Außerdem wäre der Aufwand für Neuhaus gering, der Versicherer kümmert sich schließlich um alles. Die Kehrseite des Deals: Sollte er früh sterben, ist das eingezahlte Geld für die Erben verloren – jedenfalls zu einem großen Teil.

Ein kleiner Schutz für die Familie ist in Neuhaus’ Police zwar serienmäßig enthalten: Der Anbieter zahlt die Rente auf jeden Fall fünf Jahre lang, auch wenn Neuhaus vorher stirbt. Diese sogenannte Rentengarantiezeit beträgt je nach Vertrag typischerweise fünf oder zehn Jahre. Stirbt der Kunde danach, wäre das restliche Geld dann aber verloren. So sind die Spielregeln.

Seine Frau steht einer Rente skeptischer gegenüber. Sie fragt sich, was eigentlich mit ihr ist, falls ihr Mann früh stirbt und das kleine Vermögen von 100.000 Euro an den Versicherer fällt. Das Ehepaar muss das Risiko, dass Neuhaus früh sterben könnte, also gegen den Vorteil eines sicheren Renteneinkommens abwägen.

Allerdings hat das Rentenmodell auch Vorteile: Wenn sie statt der 100.000 Euro Kapital eine Monatsrente von 470 Euro wählen, würden sich die Auszahlungen über die Jahre auf deutlich mehr als die 100.000 Euro Vermögen heute summieren – laut Siepe auf rund zehn Prozent mehr. Vorausgesetzt, Neuhaus wird tatsächlich 83 Jahre alt. Um die künftigen Renten mit der Kapitalauszahlung im Jahr 2019 vergleichen zu können, zinste Siepe mit angenommenen zwei Prozent ab.

Wenn Neuhaus seine 100.000 Euro alternativ selbst anlegt und bis zum Alter von 83 monatlich eine gleichbleibende Summe entnimmt, müsste er Siepe zufolge jährlich mindestens drei Prozent Rendite holen, um ein paar Euro mehr zu erzielen, als die private Zusatzrente einbringt. Mit sicheren Anlagen ist das derzeit kaum zu schaffen.

Leider lässt sich der Fall aber nicht verallgemeinern. Schon bei Policen aus den Jahren ab 2001 oder bei einem Anbieter mit hohen Kosten fällt die Rentenrechnung schlechter aus – wegen einer merklich geringeren Garantieleistung. Wer sich mit solchen Alternativrechnungen schwertut, lässt sich dabei am besten von unabhängigen Fachleuten wie Renten- oder Versicherungsberatern helfen (www.rentenberater.de; www.bvvb.de).

Wenn man sich wie Michael Neuhaus früh Gedanken macht, kann man aber die Möglichkeiten ausloten. Er hat noch ein ganzes Jahr, bevor er sich entscheiden muss – und bis dato liegt die Rente gut im Rennen.