AltersvorsorgeLebensversicherung: auszahlen oder Rente?

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Vererben: Für viele Deutsche ist der Wunsch, der Familie etwas zu hinterlassen, ein starkes Argument gegen eine Rentenleistung. Sie wollen ihr Kapital nicht aufbrauchen, sondern vererben. Die Realität sieht nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW allerdings anders aus: Viele der heute 55- bis 64-Jährigen müssen demnach ihr Vermögen ganz oder teilweise aufwenden, um im Alter ihren gewohnten Lebensstandard zumindest einigermaßen halten zu können.

Steuern: Bei der Frage „Rente oder Auszahlplan?“ ist die Bruttorechnung nur ein erster Schritt – schließlich will der Fiskus auch seinen Teil. Das ist der Moment, in dem private Renten oft gegenüber Alternativanlagen Boden gutmachen.

Denn private Rentenbezüge kommen beim Fiskus vergleichsweise gut weg. Wer ab 58 Jahren eine private Rente bezieht, muss einen Anteil von 24 Prozent versteuern; beim Startalter 65 sind es noch 18 Prozent. Von 1000 Euro Rente im Monat wären also 180 Euro mit dem persönlichen Satz zu versteuern.

Gesetzliche Renten sind ab dem Jahr 2040 vollständig steuerpflichtig, aktuell mit einem Anteil von 76 Prozent. Auf Fonds- und Zinserträge hingegen zahlen Anleger – vereinfacht ausgedrückt – 25 Prozent plus Soli. Weil die Steuerrechnung komplex ist, sollte im Einzelfall der Steuerberater rechnen.

Alle fünf Faktoren sollten Anleger bei ihrer Ruhestandsplanung beachten. Klingt komplex, doch die gute Nachricht lautet: Wer heute eine lebenslange Rente will oder braucht, muss sich trotz niedriger Zinsen nicht unbedingt mit mauen Konditionen abfinden. Rente statt Kapital – das kann sich auch finanziell rechnen. Für Sicherheitsbewusste kommt zum Beispiel eine Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung infrage. Klingt verrückt? Ist es aber nicht.

Beispiel 1: Kapital verrenten

Aktuell ist das Tauschgeschäft „Geld gegen Sicherheit“ bei privaten Anbietern finanziell kaum attraktiv. Wer etwa mit 65 Jahren 100.000 Euro in eine klassische Sofortrente umwandeln möchte, muss schon ein stolzes Alter erreichen, um überhaupt Chancen auf eine positive Rendite zu haben. Bis zum Alter von 90 stellen derzeit nur zwei Versicherer rund 2,5 Prozent Ertrag in Aussicht. Wer nur das 85. Lebensjahr erreicht, macht fast in der gesamten Branche ein Minusgeschäft.

Was viele nicht vermuten: Lukrativer ist oft die gesetzliche Rente. Ab dem Alter von 50 können die allermeisten, die später gesetzliche Rente beziehen, mit einer freiwilligen Einzahlung zusätzliche Rentenpunkte kaufen. „Diese Variante lohnt in dem Zeitfenster von heute bis zum Jahr 2022 für sehr viele, weil das Verhältnis von eingezahlten Beiträgen zu Renten so gut ist wie nie“, urteilt Finanzmathematiker Werner Siepe.

Investiert man im Alter von 55 Jahren zum Beispiel einen Betrag von 50.000 Euro, kann man seine gesetzliche Rente zum regulären Ruhestand mit fast 67 Jahren entweder um 197 Euro im Monat erhöhen – oder sich vier Jahre vor dem gesetzlichen Rentenbeginn ohne Abschläge aus dem Job verabschieden.

Zum Vergleich: Bei einem privaten Lebensversicherer würde man für dasselbe Kapital derzeit nur etwa 155 Euro garantiert bekommen.

Noch attraktiver werden Investitionen in die gesetzliche Rente, wenn man die Einzahlung aus steuerlichen Gründen über mehrere Jahre streckt. Die Gesamthöhe ist allerdings begrenzt: bei Gutverdienern auf maximal rund 75.000 Euro.

Besonders lohnend sind Extrabeiträge zur gesetzlichen Rente laut Fachmann Siepe für rentennahe Jahrgänge ab 55 Jahren, Frauen (wegen der längeren Lebenserwartung) und für privat Krankenversicherte (wegen des Zuschusses zur Krankenversicherung von 7,8 Prozent).