AltersvorsorgeLebensversicherung: auszahlen oder Rente?

Seite: 2 von 4

Dabei gibt es für Rentner in spe zwei Konstellationen, wie sie zu vernünftigen Konditionen an eine sichere Rente kommen. Wer etwa sein Erspartes zu heutigen Bedingungen in eine sichere Rente umwandeln will, wird feststellen, dass sich das wegen niedriger Garantien bei privaten Anbietern kaum mehr lohnt. Bei der gesetzlichen Rente ist der Tausch aber oft ein gutes Geschäft. Auch bei älteren privaten Rentenpolicen aus den 80er- oder 90er-Jahren lohnt sich ein zweiter Blick: Weil sie oft noch bessere Konditionen bieten, fährt man bei ihnen mit einem lebenslangen Salär nicht selten doch besser als mit der Auszahlung auf einen Schlag.

Ob man sein Ruhegeld besser selbst verwaltet oder in eine lebenslange Rente umwandeln sollte, hängt dann von vielen Faktoren ab.

Lebenserwartung: Nahezu 20 Jahre beziehen die Deutschen nach der offiziellen Rentenstatistik derzeit durchschnittlich ihre Rente – Männer ein bisschen kürzer, Frauen etwas länger. Für eine Ruhestandsplanung sind 20 Jahre allerdings knapp kalkuliert, schließlich leben sehr viele Menschen auch länger. Wer auf Nummer sicher gehen will oder muss, rechnet ab dem Alter von 65 mit weiteren 25 Jahren.

Im Prinzip gilt: Je länger der Ruheständler lebt, umso besser rentiert sich eine lebenslange Rente.

Für eine bestimmte Klientel kommt eine Rente daher allerdings auch von vornherein nicht in Betracht: für Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Wer nicht hoffen darf, noch lange zu leben, hat kaum etwas von einer Rente, die nur bis zu seinem Tod gezahlt wird. Er fährt wahrscheinlich besser, wenn er sein Geld selber verwaltet.

Alt- oder Neuvertrag: Wenn es um die Auszahlung einer privaten Rentenversicherung geht, kommt es für die sichere Rentenleistung vor allem auf das Abschlussjahr an: Am ehesten lohnen sich private Renten aktuell für Kunden, die ihre Police zwischen 1996 und Mitte 2001 abgeschlossen haben. Auch davor waren die Konditionen günstig.

Wer sich bei einem solchen Vertrag für eine Rente statt den Kapitalbetrag entscheidet, kann die vertraglichen Altzusagen in die Zukunft fortschreiben – unabhängig von den aktuellen Minizinsen am Kapitalmarkt. Das kann sich rechnen.

Risikoneigung: Risiken muss man sich auch im Ruhestand leisten können. Wenn die sicheren laufenden Einnahmen im Alter bisher nicht für ein Auskommen reichen, schläft man mit einer garantierten Monatsrente wahrscheinlich ruhiger als mit einem Auszahlplan. Denn bei dem ist unklar, ob das Geld tatsächlich reichen wird.

Aus Sorge vor einem frühen Tod und dem Verlust des Kapitals schrecken viele Kunden jedoch eh vor Renten zurück. Zwei Drittel der Deutschen würden alternativ lieber eine Kapitalauszahlung auf einen Schlag wählen, ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Versicherer. Die meisten von ihnen glauben, dass sie damit bei einem vorzeitigen Tod das bessere Geschäft machen.

Der Finanzwissenschaftler Jochen Ruß hingegen ist davon überzeugt, dass die Deutschen auf das falsche Risiko starren. Die eigentliche Gefahr im Alter sei das „Mein Geld ist schon weg, aber ich bin noch da“-Risiko, findet er. Wie viel die Sicherheit eines regelmäßigen und lebenslangen Einkommens wert ist, muss jeder für sich entscheiden.