IndexfondsDer lange Weg zum Bitcoin-ETF

Die Kryptowährung Bitcoin hält die Anlegerwelt in Atem. Der Kurs der Währung war innerhalb eines Jahres um mehr als 600 Prozent gestiegen, Mitte vergangener Woche stand er bei rund 7900 US-Dollar. Zuletzt ging es steil abwärts: Binnen weniger Tage fiel der Kurs auf rund 5500 Dollar. Während manche Marktbeobachter vor einer Blase warnen, die im Platzen begriffen sei, rechnen andere damit, dass es noch Luft nach oben gibt. Über kurz oder lang werde Bitcoin die Marke von 8000 Dollar überspringen, sagen etwa Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Klar ist: Trotz extremer Kursschwankungen interessieren sich immer mehr Anleger für ein Investment in Bitcoin und andere Kryptowährungen. Das zeigt das steigende Handelsvolumen. Wer die digitalen Münzen nicht direkt kaufen will, hat allerdings kaum Investmentmöglichkeiten. Die wenigen Krypto-Finanzprodukte, die es heute gibt, sind für Privatanleger kaum geeignet. Dazu gehört etwa ein Zertifikat eines schwedischen Emittenten, oder ein Hedgefonds, der auf die Preisdifferenz von Bitcoin an unterschiedlichen Handelsplätzen spekuliert. Auch die „Crypto Copy Funds“ des Brokers eToro, bei denen es sich mitnichten um regulierte Publikumsfonds handelt, sondern um riskante Differenzkontrakte, bieten sich für Privatanleger kaum an. In der Schweiz soll zwar zum Jahresende ein erster regulierter Krypto-Fonds auf den Markt kommen. Dieser soll aber zunächst nur institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherern offenstehen.

Indexfonds auf eher abseitige Basiswerte

Eine Neuigkeit des US-Indexanbieters MV Index Solutions (MVIS) könnte nun Schwung in den Markt für massentaugliche Krypto-Produkte bringen. Das Unternehmen hat gemeinsam mit einem Londoner Datenanbieter mehrere Kryptowährungsindizes entwickelt. Zwölf Marktbarometer bilden die Preisentwicklung einzelnen Digitalwährungen wie Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether oder Ripple ab, vier fassen jeweils mehrere Währungen zusammen. Die MVIS-Indizes seien „robuste und transparente Benchmarks“ und eigneten sich „für aktive und passive Investmentstrategien, Futures-Kontrakte und andere Derivate sowie weitere Standard-Anlageinstrumente“, wirbt Van Eck, die Muttergesellschaft des Index-Hauses.

Das Spannende daran: Van Eck bietet auch selbst börsengehandelte Indexfonds (ETFs) an, ist auch in Deutschland aktiv und bringt mitunter Indexfonds auf eher abseitige Basiswerte wie US-amerikanische Hybridanleihen oder Aktien von Rohstoffproduzenten auf den Markt. Die Vermutung liegt nahe, dass das Unternehmen die neuen Marktbarometer seiner Index-Tochter dazu nutzen will, bald eine Reihe von Krypto-ETFs aufzulegen. Auf Nachfrage will sich Van Eck nicht äußern. Man arbeite gemeinsam mit Aufsichtsbehörden und Investmentpartnern daran, den Markt für Digitalwährungen besser zu verstehen, heißt es lediglich. Das könnte bedeuten, dass es mittelfristig eine Familie von Krypto-ETFs geben wird – sobald die Marktaufseher grünes Licht geben.

Bekannte Fondsanbieter scheuen vor Bitcoin-ETF zurück

Frühere Versuche, einen Bitcoin-ETF aufzulegen, scheiterten an den Aufsichtsbehörden. So erteilte die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) im Frühjahr dem „Winklevoss Bitcoin Trust ETF“ eine Absage. Die US-Unternehmerzwillinge Cameron und Tyler Winklevoss hatten sich jahrelang um eine Genehmigung bemüht. Die Börsenwächter fanden den geplanten ETF letztlich zu riskant: Er sei anfällig für Manipulationen, zudem finde der Bitcoin-Handel de facto in einem regulatorischen Vakuum statt.

Etablierte Indexfonds-Anbieter scheuen bislang vor der Anlageklasse Kryptowährungen zurück. So erklärte kürzlich Mark Wiedman, Leiter der Blackrock-Tochter iShares, er halte es nicht für sinnvoll, einen Bitcoin-ETF aufzulegen. Neben regulatorischen Problemen spreche das hohe Risiko von Bitcoin-Investments gegen einen solchen Schritt, sagte er in einem Interview mit Bloomberg.