KrankenkassenLukrativer Statuswechsel für Krankenversicherte

Mehr als eine halbe Million Rentner werden von den Krankenkassen als „freiwillig versichert“ geführtJohannes Mink

Durch eine Gesetzesänderung haben gesetzlich Krankenversicherte ab dem Rentenalter jetzt die Chance ihren Beitrag zu drücken: Wer zum Beispiel in der zweiten Hälfte seines Berufslebens überwiegend Privatpatient war und daher als Rentner unter den Status „freiwillig versichert“ fällt, kommt nun – sofern er Kinder hat – mitunter doch noch in der günstigeren „Krankenversicherung der Rentner“ (KVdR) unter. Der Vorteil des Statuswechsels: Als KVdR-Versicherte müssen sie auf zahlreiche Einkunftsarten wie Mieten, Zinsen oder Privatrenten keine Beiträge mehr zahlen. Ein Umstieg kann oft mehr als 100 Euro Ersparnis monatlich bringen.

Mehr als eine halbe Million Rentner werden von den Krankenkassen als „freiwillig versichert“ geführt. „Ein Check, ob sie unter die Neuregelung fallen, lohnt ab zwei oder drei Kindern allemal“, sagt der Versicherungsberater Stefan Albers aus Montabaur. Die Chancen stünden vor allem für Akademiker mit kurzen Erwerbsphasen gut sowie für Selbstständige, die erst spät vorübergehend in die PKV wechselten. Auch Frauen von Beamten, die früher über ihren Ehemann privat mitversichert waren, profitieren häufig von der Neuregelung. Genaue Zahlen, wie viele Versicherte die Anforderungen erfüllen können, liegen dem GKV-Spitzenverband allerdings nicht vor.

Alles nur auf Anfrage

Voraussetzung für den Statuswechsel ist, dass man in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zu mindestens 90 Prozent gesetzlich krankenversichert war. Bei einer Arbeitsphase von 32 Jahren wäre in der zweiten Hälfte des Berufslebens also eine Verweildauer von rund 14,5 Jahren nötig. Weil für jedes Kind seit dem Sommer pauschal drei Jahre als Vorversicherungszeit gutgeschrieben werden, kommen vor allem kinderreiche Kassenpatienten nun viel leichter über die Hürde: Ein Versicherter mit zwei Kindern müsste nach dem obigen Beispiel dann nur noch 8,5 Jahre in der Krankenkasse nachweisen. Abgerechnet wird monatsgenau.

Laut Berater Albers kann es sich sogar vor Rentenbeginn rechnen, in Sachen Kasse zu optimieren: „Manchmal lohnt es, drei Monate später in Rente zu gehen, weil man damit als Rentner in den günstigeren Status rutscht.“

Fazit: Alles nur auf Anfrage – so lautet der Grundsatz für den lukrativen Statuswechsel. Wer Chancen sieht, muss bei der Kasse einen schriftlichen Antrag auf Neuberechnung stellen – am besten gleich mit der Geburtsurkunde der Kinder.