Italien-ChaosKommt die Eurokrise zurück?

Symbolbild: EU-Falle und Italiens Flagge
Symbolbild: EU-Falle und Italiens Flaggedpa

Manchmal sind Finanzmärkte Fluch und Segen zugleich. Vor allem dann, wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig darauf setzen, dass es zum Absturz kommen könnte oder gleich zum Zerfall ganzer Staaten oder Staatengemeinschaften. Denn darauf können Wertpapierkäufer trefflich mit dem Kauf oder Verkauf von Papieren wetten. Anfang der Woche, so schien es, senkten sie nun den Daumen über Italien: Nachdem die Regierungsbildung am Wochenende vorerst gescheitert war, preschten die Renditen der italienischen Staatsanleihen in die Höhe. Auf immerhin 3,4 Prozent, das ist enorm. Denn in der Woche davor hatte die Rendite der zehnjährigen Papiere noch bei 2,4 Prozent gelegen. Und davor monatelang bei 1,8 Prozent.

Der flotte Anstieg verheißt bei dieser Anlageform nie etwas Gutes, sondern bedeutet: Es gibt viele Käufer, die in den Anleihen derzeit ein größeres Risiko sehen – und dafür einen Ausgleich in Form von höheren Zinsen haben wollen. Und ein höheres Risiko sahen auch die Aktienkäufer: Während die Anleihenzinsen empor schnellten, drückten massenhafte Verkäufe die Aktienkurse europaweit. Die Angst geht also wieder um.

Das spürte man vor allem an den großen Leitindizes: Der Eurostoxx gab auf Wochensicht um rund 3,6 Prozent nach, ebenso viel verlor der Dax. Den italienischen Index FTSE MIB straften die Märkte sogar um 6,1 Prozent ab. Er verlor von rund 23.000 Punkten auf 21.200 Punkte im Laufe des Dienstags, also am Tag zwei nach dem Scheitern der Regierungsbildiung. Danach erholte er sich zwar ein kleines Bisschen, doch der Kursknick, den ihm das Politchaos beigefügt hat, ist sehr deutlich abzulesen. Anfang Mai hatte der Stand des Leitindex noch 24.500 Punkte betragen, also knapp 3000 Punkte mehr als jetzt.


source: tradingeconomics.com

Da derzeit wieder unklar ist, wer Italien demnächst regiert, werden auch die Stimmen der Skeptiker immer lauter: Wird es doch ein Populistenbündnis derer geben, die Italien künftig nicht mehr in der Europäischen Währungsunion sehen wollen? Im Klartext: besteht nun doch die Gefahr, dass die drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraumes austritt? Was würde das für ein Beben verursachen? Und vor allem: Könnte das einen Ansteckungseffekt auf andere Länder haben? Zerbricht womöglich dann der Euro ganz, wie die ärgsten Pessimisten nun unken?

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Es ist im Grunde die Befürchtung, dass es eine „Eurokrise reloaded“ geben könnte. Sie wird in den kommenden Wochen und Monaten noch die Finanzmärkte beschäftigen. Daher wird es auch höchst turbulent bleiben, soviel ist klar. Und die maßgebliche Frage dabei wird sein: Wie groß ist die Gefahr einer Ansteckung anderer Staaten wirklich? Die immerhin lässt sich zumindest aus heutiger Perspektive und aus Sicht der Finanzmarktakteure beantworten.

Man kann sie nämlich festmachen an der Zahl derjenigen Investoren, die an bestimmten Staatsanleihen festhalten, weil sie deren Regierungen vertrauen – oder die ihre Papiere jeweils abstoßen, weil sie andere Staaten jetzt auch als Hochrisikokandidaten ansehen. Dabei fällt folgendes auf: Zum einen sind deutsche Staatsanleihen nach wie vor gefragt als sicherer Papiere. Das bedeutet für den Anleger zwar, dass deren Renditen sinken. Es heißt im Gegenzug aber: Den Regierungen dieser Länder trauen Profiinvestoren zu (der Anleihenmarkt ist allergrößtenteils ein professionell getriebenes Geschäft), die Wirren zu überstehen. Auch Finnland und die Niederlande gehören übrigens zu den gefragten, sicheren Titeln zurzeit.