GeldanlageKann man das Sparen bald vergessen?

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Vorsorgen mit Fonds

Jahrelang haben Finanzberater schließlich zur Zehn-Prozent-Faustformel geraten. Wer ein Zehntel seines verfügbaren Einkommens privat anspare – also zusätzlich zu den Einzahlungen in die gesetzliche und betriebliche Rentenkasse – der bilde damit einen halbwegs soliden Grundstock fürs Alter, um das Absinken der gesetzlichen Rente abzumildern. Das hat sich eingeprägt. Manche Berechnungen sagen sogar, es müssten bis zu 20 Prozent Sparquote sein, um den Lebensstandard später zu halten. Von daher liegt der Durchschnittsdeutsche schon jetzt nicht gerade über Plan. Weniger sparen sollte er also in keinem Fall. Nur anders. Und gerade dazu würden die Negativzinsen enorm animieren.

Sie müssen aber nicht erst kommen, um die wichtigste Erkenntnis daraus jetzt schon umzusetzen: Angenommen ein Sparer will mit 67 Jahren rund 500.000 Euro zusammen haben, also zehnmal ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro, damit er als Rentner mindestens 20 Jahre lang eine 50-prozentige Einkommenslücke ausgleichen kann. Der Sparer ist 30 Jahre alt und hat schon 10.000 Euro Startkapital. Dann hätte er folgende Möglichkeiten: Spart er klassisch, also wie eh und je mit einem Banksparplan, der rund zwei Prozent Zinsen abwirft, müsste er rund 750 Euro monatlich sparen. Das klingt schon jetzt utopisch, auch ohne Negativzinsen.

Schafft er es, vier Prozent Rendite zu erwirtschaften, sind es nur noch 450 Euro, die monatlich zurückzulegen wären. Immer noch viel? Klar, aber es geht noch besser: Er könnte sein Ziel auch mit rund 200 Euro monatlicher Sparrate erreichen. Zumindest dann, wenn er es nicht bei Banken hortete oder in Anleihen investierte, sondern wenn er es in Sachwerte steckte, in diesem Fall in Aktienfondsanteile, die im Schnitt auf lange Sicht rund 6,6 Prozent Rendite abwerfen. In diesem Fall am besten in thesaurierende Fonds, die jeweils die Erträge, also die Dividenden in neue Papiere investieren. So profitiert der Langfristsparer voll vom Zinseszins, der sich über diese Laufzeit enorm bemerkbar macht. Wenn der Durchschnittsdeutsche also tatsächlich die üblichen 10 Prozent – 180 Euro monatlich – für etwas ausgeben will, dann am besten für solche Produkte.

Damit hätte er verdammt gute Chancen, in den nächsten Jahren eben nicht dem stetigen Wertverfall zuzusehen, sondern dennoch sein Altersvorsorgeziel zu erreichen. Selbst wenn klassische Sparprodukte künftig sogar Geld kosten, statt Zinsen zu bringen, weil die Notenbanken das Undenkbare tun. Lassen sie es dagegen bleiben, wäre das natürlich ein doppelter Gewinn – für alle.