KommentarInvestieren Sie nicht in Helden!

Henning Gebhardt gilt als Star unter den Fondsmanagern
Henning Gebhardt gilt als Star unter den Fondsmanagern Ramon Haindl

Die Pressestelle der Berenberg-Bank kleidete das Drama in nüchterne Worte: „Henning Gebhardt hat sich entschlossen, Deutschlands älteste Privatbank zu verlassen, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zuzuwenden“. Um die übliche Sprachmelodie zum Abschied einmal einzuordnen: Gebhardt ist in der deutschen Finanzszene ein Star – und sein Abgang hält für Anleger eine entscheidende Lektion bereit: Bitte nicht einfach Promis zu kaufen!

Um das zu verstehen, müssen sich Anleger vergegenwärtigen, warum Gebhardts Abgang ein Drama innewohnt: Ehe er zu Berenberg wechselte, hatte der 52-Jährige für die DWS gearbeitet, die Fondstochter der Deutschen Bank. Dort war Gebhardt berühmt geworden, weil er Fonds für deutsche Aktien so gut managte wie kaum ein anderer. 2017 warb ihn Berenberg ab und machte ihn zum Chef der Fondssparte, weil die Hamburger zu einer Größe unter den deutschen Geldverwaltern werden wollten – und hofften, mit Gebhardt viel Kapital von Investoren einzusammeln.

Zwar liegt für Finanzmarktmaßstäbe bislang nicht so richtig viel Geld in den Fonds: Das Produkt für Aktien kleinerer europäischer Unternehmen kommt auf knapp 200 Mio. Euro Volumen, der Flaggschiff-Fonds „Aktienstrategie Deutschland“ dümpelt gar nur bei 100 Mio. Euro herum. Aber wer investierte und darauf hoffte, dass Gebhardt wie einst bei der DWS prächtige Renditen erzielt, merkt erst jetzt, wie riskant es ist, auf Promi-Portfolien zu setzen.

Promis können zum Renditekiller werden

Indem Gebhardt die Biege macht, entfällt für manche Anleger der Grund, warum sie in den Fonds investiert haben. Wer auf Stars wie Gebhardt setzt, das ist die erste Lektion aus dessen Abgang nach nur zweieinhalb Jahren, muss sich schneller nach einem neuen Fonds umgucken, als vielen Anlegern lieb sein dürfte.

Es gibt keine Garantie dafür, dass die Promis lange bei einem Haus verweilen. Und es kostet nicht nur Zeit, einen neuen Fonds zu suchen, sondern im Zweifel auch Geld, weil Sparer erneut einen Ausgabeaufschlag zahlen müssen, eine Art Eintrittsgebühr für Fonds.

Obendrein gibt es noch weitere Gründe, warum ein bekannter Fondsmanager plötzlich verschwindet, wenngleich Anleger sie gerne mal außer Acht lassen. Die Damen und vor allem Herren der Zunft (es sind ja fast nur Männer) können verunglücken oder krank werden – oder gehen irgendwann einfach mal in Rente. So dürfte es beispielsweise irgendwann beim Concept Kaldemorgen der DWS kommen: Der Fonds ist nach seinem Manager Klaus Kaldemorgen benannt, der Ende dieser Woche stolze 66 Jahre alt wird.

Daneben lässt sich zum ersten Problem mit den Finanz-Promis noch ein zweites hinzuaddieren: Dass der Ruhm länger währt als der Erfolg, selbst wenn die Manager bleiben – und die Promis so zum Renditekiller werden.

Aus einem Star kann schnell ein Sternchen werden

Gebhardt kann zwar auf eine ordentliche Performance verweisen, so liegt der „Aktienstrategie Deutschland“ über zwölf Monate zwei Prozentpunkte hinter seiner Vergleichsgruppe, aber seit Jahresbeginn immerhin sechs vor der Konkurrenz (es macht keinen Sinn, die Drei- oder Fünf-Jahres-Performance zu flöhen, weil Gebhardt erst vor zweieinhalb Jahren übernommen hat). Gleichwohl gibt es genug Beispielfonds von Promis, die unter einem Renditenotstand leiden, etwa dem Carmignac Patrimoine, ein Mischfonds des gleichnamigen französischen Geldverwalters.

Nach der Finanzkrise flossen dem Produkt Milliarden zu, weil es Manager Édouard Carmignac geschafft hatte, das üble Börsenjahr 2008 mit einer schwarzen Null zu beenden – und er so zum Guru wurde. Alle wollten in den SUV unter den Fonds investieren.

Seit der Krise leidet der Fonds allerdings am Karstadt-Syndrom – und findet einfach nicht zurück in die Spur. Über zehn Jahre hat der Fonds nur einen Zuwachs von 2,7 Prozent pro Jahr geschafft, während ähnliche Produkte im Schnitt auf 4,3 Prozent kommen. Über zehn Jahre hat der Carmignac Patrimoine so gerade einmal 30 Prozent Gesamtrendite erzielt, die Konkurrenz jubiliert im Schnitt über immerhin 53 Prozent. So schnell kann also aus einem Star ein Sternchen werden.

Investoren sollten sich am Anlagekonzept orientieren

Bleibt die Frage, wonach Anleger Fonds stattdessen aussuchen sollten, wenn sich der Promifaktor als Sackgasse entpuppt. Der Weg zu einer anderen Fondsauswahl ist leider mühsamer. Natürlich ist es einfacher, seine Anlageentscheidung zu personalisieren – und sich an echte oder vermeintliche Stars zu halten. Sinnvoller ist aber zu überlegen, wie der Anlageerfolg zustande kommt.

Wer danach fragt, landet beim Anlagekonzept beziehungsweise dem Investmentprozess. Mit den Begriffen ist nicht gemeint, ob ein Fonds nun afrikanische Aktien, brasilianische Unternehmensanleihen oder deutsche Staatsanleihen kauft. Wer nach dem Anlagekonzept oder dem Investmentprozess fragt, sollte idealerweise bei Regeln landen, die sich Fondsmanager selbst setzen – und diszipliniert verfolgen, wenn sie investieren.

Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Manche investieren nie in Unternehmen, die Verlust machen (was einfacher klingt, als es tatsächlich ist, zahlreiche börsennotierte US-Tech-Unternehmen lassen grüßen). Die französische Fondsgesellschaft Comgest wiederum kauft Papiere nur, wenn ihre Analysten mit großer Sicherheit prognostizieren können, dass die Gewinne der Konzerne in den nächsten fünf Jahren pro Jahr zweistellig wachsen können. Und der DWS-Fondsmanager Tim Albrecht sagte im Frühjahr zu Capital: „Wir investieren sehr begrenzt in zyklische Unternehmen, die nur in einigen Konjunkturphasen gut laufen. Das würde bedeuten, dass wir den richtigen Moment finden müssen, was schwierig ist“.

Keine Garantie für hohe Renditen

Für Anleger bedeutet das: Sie müssen mehr Zeit investieren, einen richtigen Fonds zu finden, weil es aufwendiger ist, solche Regeln zu erfragen und herauszufiltern – als schlicht einem Manager zu vertrauen, den die Finanzpresse gerade hochjubelt (das sei hier selbstkritisch angemerkt).

Und natürlich ist ein einmal erfolgreiches Anlagekonzept keine Garantie, auch in Zukunft tolle Renditen einzufahren. Wenn der Markt – aus welchen Gründen auch immer – besonders Tech-Werte mit hohen Verlusten wie Tesla hofiert und solche Aktien die Börsen treiben, können auch gute Manager mal schlechter als der Gesamtmarkt dastehen, weil sie eben keine verlustmachenden Unternehmen kaufen.

Damit zeigt sich auch der psychologische Wert solcher Regeln: Sie können Anlegern helfen, zu erklären, warum ein Produkt eine Zeit lang nicht so gut läuft – und so eine Stütze für schlechte Phasen sein, weil Anleger ahnen können, dass der Fonds in anderen Marktphasen wieder besser laufen könnte. Bei einem Geld-Promi dürfte die Enttäuschung über ein schlechtes Abschneiden dagegen größer sein, weil dessen fehlende Fortune so schwer zu erklären ist.

Fondsmanager – Handwerker statt Magier

Hinzu kommt noch ein weiterer, ganz wesentlicher Punkt: Regeln erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Manager seine Erfolge wiederholen kann – anders als einer, der nach Bauchgefühl investiert und damit einfach eine Zeit lang Glück hat. Letzteres geschieht leider immer noch viel zu oft.

Regeln dagegen machen einen Fonds – gerade, wenn ihn nicht nur ein Manager, sondern ein Team führt – unabhängiger von einzelnen Personen. Sie nehmen Fondsmanagern den Heldenstatus und machen den Job zum Handwerk. Fondsmanager gelten gerne als Magier der Märkte, im Idealfall ähneln sie aber eher Dachdeckern, die ihren Fonds auf die immer gleiche Art und Weise zusammenzimmern.

Nach dem Investmentprozess zu fragen spricht dabei nicht grundsätzlich gegen Promifonds. Beides schließt sich nicht aus. Es zeigt nur, dass Bekanntheit – ganz gleich ob bei Fonds, Aktien oder Anleihen – allein kein gutes Anlagekriterium ist.