KommentarInvestieren Sie nicht in Helden!

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Aus einem Star kann schnell ein Sternchen werden

Gebhardt kann zwar auf eine ordentliche Performance verweisen, so liegt der „Aktienstrategie Deutschland“ über zwölf Monate zwei Prozentpunkte hinter seiner Vergleichsgruppe, aber seit Jahresbeginn immerhin sechs vor der Konkurrenz (es macht keinen Sinn, die Drei- oder Fünf-Jahres-Performance zu flöhen, weil Gebhardt erst vor zweieinhalb Jahren übernommen hat). Gleichwohl gibt es genug Beispielfonds von Promis, die unter einem Renditenotstand leiden, etwa dem Carmignac Patrimoine, ein Mischfonds des gleichnamigen französischen Geldverwalters.

Nach der Finanzkrise flossen dem Produkt Milliarden zu, weil es Manager Édouard Carmignac geschafft hatte, das üble Börsenjahr 2008 mit einer schwarzen Null zu beenden – und er so zum Guru wurde. Alle wollten in den SUV unter den Fonds investieren.

Seit der Krise leidet der Fonds allerdings am Karstadt-Syndrom – und findet einfach nicht zurück in die Spur. Über zehn Jahre hat der Fonds nur einen Zuwachs von 2,7 Prozent pro Jahr geschafft, während ähnliche Produkte im Schnitt auf 4,3 Prozent kommen. Über zehn Jahre hat der Carmignac Patrimoine so gerade einmal 30 Prozent Gesamtrendite erzielt, die Konkurrenz jubiliert im Schnitt über immerhin 53 Prozent. So schnell kann also aus einem Star ein Sternchen werden.

Investoren sollten sich am Anlagekonzept orientieren

Bleibt die Frage, wonach Anleger Fonds stattdessen aussuchen sollten, wenn sich der Promifaktor als Sackgasse entpuppt. Der Weg zu einer anderen Fondsauswahl ist leider mühsamer. Natürlich ist es einfacher, seine Anlageentscheidung zu personalisieren – und sich an echte oder vermeintliche Stars zu halten. Sinnvoller ist aber zu überlegen, wie der Anlageerfolg zustande kommt.

Wer danach fragt, landet beim Anlagekonzept beziehungsweise dem Investmentprozess. Mit den Begriffen ist nicht gemeint, ob ein Fonds nun afrikanische Aktien, brasilianische Unternehmensanleihen oder deutsche Staatsanleihen kauft. Wer nach dem Anlagekonzept oder dem Investmentprozess fragt, sollte idealerweise bei Regeln landen, die sich Fondsmanager selbst setzen – und diszipliniert verfolgen, wenn sie investieren.

Um mal ein paar Beispiele zu nennen: Manche investieren nie in Unternehmen, die Verlust machen (was einfacher klingt, als es tatsächlich ist, zahlreiche börsennotierte US-Tech-Unternehmen lassen grüßen). Die französische Fondsgesellschaft Comgest wiederum kauft Papiere nur, wenn ihre Analysten mit großer Sicherheit prognostizieren können, dass die Gewinne der Konzerne in den nächsten fünf Jahren pro Jahr zweistellig wachsen können. Und der DWS-Fondsmanager Tim Albrecht sagte im Frühjahr zu Capital: „Wir investieren sehr begrenzt in zyklische Unternehmen, die nur in einigen Konjunkturphasen gut laufen. Das würde bedeuten, dass wir den richtigen Moment finden müssen, was schwierig ist“.