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Daniel Saurenz Runter mit der Inflation

Die US-Notenbank dürfte die Zinsen weiter anheben.
Die US-Notenbank dürfte die Zinsen weiter anheben.
© IMAGO / Xinhua
Die jüngsten Verbraucherpreisdaten zeigen in den USA eine Wende bei der Inflation an. Haben auch die Deutschen das Schlimmste bald überstanden?

Die Erleichterung war groß am 10. August als in den USA die Inflationsdaten eintrudelten. „Peak Inflation“ – der Gipfel scheint erreicht. Kein Wunder, sinken doch seit Wochen Benzinpreise in den USA und fallen einige andere Rohstoffe. Für Sparer ist die Entwarnung aber mehr Schein als Sein.

Denn trotz Trendumkehr sind die Verbraucherpreise weiter sehr hoch und negative Realzinsen bedeuten im Falle von Geld parken, dass man Kapital vernichtet. Deutsche Sparer werfen jeden Tag etliche Millionen in den inflationären Müll. Daran gibt es keinen Zweifel, auf das Jahr kumuliert ist es ein hoher dreistelliger Milliardenbetrag, der von der Inflation aufgefressen wird. Wer dies vermeiden möchte, muss sich ein Depot einrichten und hat von klassischer Aktie über intelligent gemachte Zertifikate bis ETFs oder einige wenige gut gemanagte aktive Fonds gute Auswahlmöglichkeiten. Die Fokussierung auf Inflation bleibt uns ohnehin erhalten, da Aktivitäten von FED und EZB direkt an den Daten hängen.

Wie das Kaninchen vor der Schlange

Bis vor wenigen Monaten spielten Inflationsdaten an der Börse kaum eine Rolle. Im Wirtschaftskalender waren andere Termine wie die US-Arbeitsmarktzahlen rot markiert. Seit einigen Wochen müssen sich Anleger hingegen mit Themen auseinandersetzen, die für viele neu waren. Lieferkettenprobleme, Preiskapriolen bei Rohstoffen und Anleihen und kräftig anziehende Inflationsraten. In der Spitze ging es in den USA um mehr als 9 Prozent nach oben bei der Geldentwertung. „Hauptreiber war vor allem die teure Energie, allein der Benzinpreis legte gegenüber Februar um 18 Prozent zu“, nimmt Stefan Riße, Buchautor von „Die Inflation kommt“, die Bestandteile ein wenig auseinander.

„Schaut man sich die Daten jetzt genauer an, so wird klar, dass der breite Inflationsdruck anders als noch vor einigen Monaten abgeflacht ist. Insgesamt sanken sogar die Warenpreise außerhalb der Energie und Nahrungsmittel, besonders bei den Gebrauchtwagenpreisen ging es deutlich abwärts“, sieht Riße für die USA ein Licht am Ende des inflationären Tunnels. Die US-Notenbank dürfte die Zinsen aber weiter anheben, bei der nächsten Sitzung um mindestens 50 Basispunkte. Ob final eine sanfte Landung der Volkswirtschaften in den USA und Europa gelingen wird und man eine Rezession vermeiden kann, ist längst nicht ausgemacht.

Denn die nach wie vor in absoluten Zahlen hohen Werte geben den Notenbanken weiter eine harte Aufgabe. So überraschte es kaum, dass die Währungshüter seit einiger Zeit mit besonders lautstarken Forderungen nach einer strafferen Geldpolitik auffallen. Nachdem man im Vorjahr viel zu lange den Standpunkt verteidigte, dass es sich nur um einen „voraussichtlich vorübergehenden“ Preiseffekt handelt, erfolgte nun die 180-Grad-Wende. „Die Notenbank wollte wieder sprichwörtlich vor die Kurve kommen und dies ist ihr teilweise schon gelungen“, findet Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets.

Zinsschritte erwartet

Der Markt hat die Zinskröte also bereits geschluckt und rechnet weiter mit großen Zinsschritten. Dies sollte die Preise runter drücken und womöglich die Volkswirtschaft satt abkühlen. „Als Anleger ist man aber gut beraten, sich nicht von Vergleichen mit der Hyperinflation der Jahre 1919 bis 1923 verunsichern zu lassen“, beruhigt Buchautor Riße.

Zenit erreicht?

Zusammenfassend kann man konstatieren: Viele Rohstoffe markierten Anfang März bereits wichtige Hochpunkte. Auch die Ölpreise korrigierten inzwischen um gut 20 Prozent. Zudem wirkt der Basiseffekt einem Anstieg ab sofort entgegen. Die Inflation ist also gekommen, um auf sich abschwächenden Levels zu bleiben. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Für den Aktienmarkt bedeutet der Mix aus fallender Inflation, aber steigenden Rezessionssorgen, dass 2022 ein komplexes Aktienjahr bleibt. Der Feingold Research Sentimentindikator zeigt Anfang August an, dass die Stimmung so gut ist wie seit Ende Januar nicht mehr. Mit anderen Worten – wer sein Depot teilabsichern will, sollte dies jetzt tun.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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