VermögensaufbauSo bauen Sie mit ETFs ein Vermögen für das Alter auf

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#1 Bin ich bereit?

Menschen nähern sich dem Thema Geldanlage meist von der Seite des Risikos: Was kann schiefgehen? Welche Fehler begehe ich womöglich, wenn ich mich für Anlage X oder Sparform Y entscheide? Das ist ganz natürlich: Verluste schmerzen Menschen, Zuwächse hingegen nehmen sie so mit. Das bestätigen viele Verhaltensexperimente. Unser biologischer Überlebenstrieb sorgt dafür, dass wir auf Gefahren achten, vor Feinden fliehen und Risiken eine große Rolle in unserer Entscheidungsfindung zubilligen.

Von der persönlichen Risikoneigung hängen zwei weitere Fragen ab, die sich im Umgang mit ETFs immer wieder stellen und die Anleger früh beantworten sollten. Erstens: Will ich überhaupt meine Geldanlage selbst in die Hand nehmen, und bringe ich die Nerven mit, sie auch in Kurstälern diszipliniert durchzuhalten? Und zweitens: Bin ich bereit, mich ein wenig in die komplex klingende Welt der Indexfonds einzuarbeiten, oder schrecken mich Fachtermini wie ETF, TER, Thesaurierung oder Swap-Basierung ab?

Letzteres sollte eigentlich kein großes Hindernis darstellen, man braucht nur ein bisschen Zeit. Wichtiger ist die Einschätzung der eigenen Nerven. „Wer Verluste schlecht ertragen kann, steigt früher aus und wird seiner Strategie untreu“, warnt Thorsten Hens, Professor für Finanzmarktökonomie an der Universität Zürich. Und das kostet Rendite.

Zwar bringen ETFs auf einfache Indizes wie etwa den Dax beste Voraussetzungen mit, um mit ihnen Geld zu verdienen: Über fünf Jahre hätten Anleger mit einer Einmalanlage in einen Dax-ETF rund 14 Prozent pro Jahr verdient, über zehn Jahre trotz Finanzkrise sechs Prozent und über 25 Jahre rund neun Prozent pro Jahr.

Gleichwohl erzielen die meisten Anleger deutlich geringere Renditen mit ETFs, und das liegt an ihrer Neigung, schnell einzugreifen, wenn es mal rumpelt: In den USA etwa blieben Investoren in aktiv verwalteten Fonds zwischen 2005 und 2017 nach einer Studie mit im Schnitt 7,2 Prozent Rendite pro Jahr hinter dem Gesamtmarkt zurück (der 8,4 Prozent pro Jahr einbrachte). ETF-Anleger erzielten trotz geringerer Kosten dagegen im Schnitt nur 5,5 Prozent pro Jahr – weil sie häufig handelten, und dazu noch prozyklisch.

#2 Das Produkt verstehen

Viele Anleger sitzen einem Irrtum auf, wenn sie glauben, ihre Rendite und die damit verbundenen Risiken hingen von der Wahl des konkreten Produkts ab. Das stimmt nämlich nicht. Möchte ein Sparer etwa 100 Euro pro Monat in deutsche Aktien über Fonds zur Seite legen, stehen ihm dafür rund 150 aktiv verwaltete Fonds und allein neun verschiedene ETFs auf ein und denselben Index, den Dax, zur Verfügung.

Entscheidend für die künftige Rendite ist, dass sich ein privater Investor überhaupt für deutsche Aktien als Ort der Geldanlage entscheidet. Diese Vermögensverteilung ist, wenn sie durchgehalten wird, letztlich entscheidend für 80 bis 90 Prozent der langfristigen Rendite. Die Wahl des Vehikels spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

In dieser Hinsicht sind ETFs weniger kompliziert, als es den Anschein hat. Alle ETFs werden fortlaufend gehandelt, Käufe wie Verkäufe sind zu Börsenzeiten und meist im sogenannten Direkthandel mit Banken jederzeit möglich. Anleger kommen auch stets in den Genuss aller aufgelaufenen Zinsen und Dividenden, diese werden entweder automatisch wieder angelegt oder an Anleger ausgeschüttet. Konstruktionen wie im Zertifikatemarkt, wo Ausschüttungen ganz oder teilweise beim Anbieter verbleiben, gibt es nicht. Das Geld der Anleger ist als Sondervermögen auch bei einer Pleite des ETF-Anbieters geschützt. Und die Kostenquoten der ETFs sind sehr klar, denn erfolgsabhängige Gebühren gibt es keine.

So wissen Käufer eines Dax-ETFs zum Beispiel recht sicher, dass sie mit ihrem Fonds ziemlich genau den Wertzuwachs erzielen werden, den auch der Dax machen wird – abzüglich der geringen Gebühren, Steuern auf Fondsebene und minimaler Abweichungen in der Indexabbildung. So erzielte der beste aus neun Dax-ETFs über zwölf Monate eine Gesamtrendite von 3,95 Prozent, der schlechteste 3,82 Prozent. Diese geringe Varianz illustriert: Mit der Produktauswahl können Anleger wenig falsch machen – wenn die Grundsatzentscheidung einmal steht. Anders als bei aktiven Fonds: Bei denen liegen die Fünfjahresrenditen für Deutschland-Fonds zwischen sieben und 22 Prozent pro Jahr.