FondsIn 7 einfachen Schritten zur ETF-Anlage

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Schritt 4: Physisch versus synthetisch

Die nächste Frage lautet: Wie bilden die ETFs den Index ab? Grundsätzlich gibt es dazu zwei Wege: Manche ETFs folgen einem Index, indem sie alle darin enthaltenen Wertpapiere nachkaufen, im Dax etwa die 30 Mitglieder in ihrer jeweiligen Gewichtung. Dann spricht man von „physisch replizierenden Fonds“. Eine (schrumpfende) Minderheit bildet den Index aber auch mittels Derivaten ab, oft synthetische oder Swap-basierte ETFs genannt. Auch sie erfüllen stets die strengen gesetzlichen Anforderungen an ETFs in Deutschland, laut denen das Vermögen der Anleger separat von dem des Anbieters verwahrt werden muss. Zudem greifen im Pleitefall der Derivatehandelspartner Sicherungsmechanismen. Dem allgemeinen Markttrend folgend sollten sich Anleger allerdings auf physisch replizierende Fonds konzentrieren, da immer mehr Anbieter auf diese Form umstellen. Zuletzt ging etwa die Deutsche-Bank-Tochter X-Trackers diesen Weg.

Auch Capital hat in einer Übersicht kaufenswerter ETFs für verschiedene Anlageklassen so weit wie möglich ETFs mit physischer Abbildung gewählt. Wie genau die Indexabbildung funktioniert, ist gängiges Suchkriterium in den ETF-Datenbanken (siehe Schritt 6) und auch bei vielen Onlinebrokern.

Schritt 5: Wohin mit dem Gewinn?

Wenn sich Anleger einmal in die Datenbanken knien, müssen sie auch entscheiden, ob sie zu einem ETF greifen, der Erträge wie Zinsen und Dividenden regelmäßig an Investoren ausschüttet oder sie wiederanlegt, in der Fachsprache: thesauriert. Jeder ETF gehört in eine dieser beiden Gruppen, sie sind entweder „Ausschütter“ oder „Thesaurierer“. Produkte, deren auflaufende Zinsen und Dividenden beim Anbieter verbleiben wie in der Zertifikatebranche, gibt es bei ETFs nicht. Etwas völlig falsch machen können Anleger dabei also nicht.

Wegen des Zinseszinseffekts eignen sich thesaurierende ETFs besser für einen langfristigen Vermögensaufbau. Die ausschüttenden Fonds wiederum bieten sich für Anleger an, die auf ein Zusatzeinkommen setzen. Zudem können einmal kassierte Ausschüttungen nicht mehr späteren Kurseinbrüchen zum Opfer fallen.

Auch die Ertragsverwendung ist Suchkriterium der ETF-Datenbanken. Zu erkennen ist sie meist in den Namen der ETFs: Die ausschüttenden tragen oft ein „Dis.“ im Namen (vom Englischen distribution = Ausschüttung), die thesaurierenden ein „Acc.“ (vom Englischen accumulating = thesaurierend).

Schritt 6: Die konkrete Suche

Stehen bis hierher die wesentlichen Entscheidungen fest, haben Anleger schon den allergrößten Teil des Weges hinter sich. Idealerweise sollten es ETF-Interessierte nun bei der konkreten Produktwahl nicht zu kompliziert machen. „Halten Sie sich an die einfachen ETFs auf bekannte Indizes“, rät Simon Klein, Vertriebsleiter für ETFs bei der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management.

„Grundstock einer langfristigen Aktienanlage sollte ein Fonds auf einen breit streuenden Index sein“, sagt auch Niels Nauhauser, Referent der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er rät zu einem ETF auf den Index MSCI World, der die 1600 größten Aktien der Welt abbildet. Wer daran festhielt, wurde stets belohnt. „Spätestens nach 14 Jahren lag ein Sparplan auf den MSCI World im Plus, im Schnitt verdoppelte sich der Anlagebetrag in diesem Zeitraum“, so Nauhauser.

Gute Recherchemöglichkeiten bieten die Datenbanken von Anbietern wie www.extra-funds.de, www.justetf.com, aber auch von Onlinebrokern und Banken. Bei ihnen lassen sich die wichtigsten Suchkriterien wie Ertragsverwendung oder Indexabbildung vorab einstellen.

Ist die Wahl so auf mehrere ETFs eingekreist, hilft ein denkbar einfaches Prinzip, einen geeigneten ETF zu finden: Größe zählt. Denn mit dem größten ETF auf den jeweiligen Index – auch dieses Suchkriterium ist leicht einstellbar – machen Investoren vielleicht nicht alles perfekt, aber auch wenig falsch. Hintergrund: ETFs sind ein Instrument von Profis. „Rund 90 Prozent des investierten Volumens entfällt auf institutionelle Anleger“, schätzt etwa Thomas Meyer zu Drewer, Leiter ETFs der Commerzbank-Tochter Comstage. Großanleger wie Pensionskassen, Versicherer und Banken verwenden ihrerseits viel Zeit auf die Suche nach dem besten ETF auf einen Index. Anders als aktive Fonds bieten ETFs den Charme, tatsächlich anzulegen wie die Großen.

So verwalten die drei größten Dax-ETFs von Blackrock (8,2 Mrd. Euro), DB X-Trackers (3,9 Mrd. Euro) und Deka (2,1 Mrd. Euro) allesamt bereits so viel Geld, dass sich der Index effizient abbilden lässt und sie auch langfristig überleben können. „Je geringer das in einem ETF verwaltete Vermögen ist, desto größer die Gefahr, dass die Fondsgesellschaft den Fonds irgendwann schließt. Das ist zwar keine Katastrophe, kann aber zusätzliche Kosten für die Wiederanlage von Mitteln verursachen“, warnt der Verbraucherzentrale Bundesverband. Für eilige Leser hat Capital daher die jeweils größten und liquidesten ETFs in den Varianten „ausschüttend“ oder „thesaurierend“.