FondsWarum sich Immobilienfonds krisenfest gezeigt haben

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2008 wiederholt sich nicht

Diese konservativen Bewertungsregeln und die gesetzlich vorgeschriebenen Haltefristen für Immobilienfondsanleger haben zuletzt offenbar dazu geführt, dass nur wenige Anleger den Wunsch hatten, ihre Anteile zurückzugeben: Nur 0,31 Prozent der Anteile seien im März gehandelt worden. Im gesamten ersten Quartal waren es 0,82 Prozent. Das ist übersichtlich und wegen der hohen Liquiditätsquoten der Branche (im Schnitt haben die Fonds rund 20 Prozent ihrer Mittel flüssig) brachte es bisher keinen Fonds in Bedrängnis.

Völlig anders war es 2008, als die Immobilienfonds einen Ansturm von Anlegern erlebten, die plötzlich ihr Geld abziehen wollten – was einige von ihnen so in Liquiditätsnöte brachte, dass sie vorübergehend schließen mussten. Sie setzten also die Rückgabe der Anteile zunächst aus und mussten zur Auszahlung der Anleger Immobilien veräußern – just zur falschen Zeit natürlich. Insgesamt 18 Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 26 Mrd. Euro wurden danach aufgelöst und komplett abgewickelt. Das brachte Anlegern Verluste ein, doch längst nicht so hohe wie anfangs befürchtet: Bei 6 der 18 Fonds verloren Anleger weniger als 10 Prozent ihres Kapitals, bei insgesamt 12 waren es höchstens rund 20 Prozent. Bei zwei Fonds gingen jedoch etwa 50 Prozent des Kapitals flöten.

Die Ironie der Geschichte ist, dass sich vermutlich selbst diese Fonds wieder gut erholt hätten, wenn die Anleger nur länger stillgehalten hätten – und die Fonds den Immobilienboom ab 2010 voll hätten mitnehmen können. Die jetzigen gesetzlichen Regeln und Kündigungsfristen könnten dazu beitragen, dass so etwas diesmal nicht noch einmal passiert.

Immobilienfonds mit Fokus Wohnen stehen besser da

Es wird aber sicherlich auch Segmente geben, die viel weniger von der Krise getroffen werden. Dazu werden die Logistik und die Wohnimmobilien gehören. Deshalb haben viele Branchenbeobachter auch zuletzt immer wieder geraten: Wenn Anleger sich Immobilienfonds ins Depot packen, dann möglichst jene, die stark auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt unterwegs sind, wie etwa der Uni-Immo Wohnen, Fokus Wohnen Deutschland, Wertgrund Wohn Select und Grundbesitz Fokus Deutschland. Sie waren diejenigen, die zwar einige Jahre lang nicht die höchsten Renditen im Segment abwarfen. Dennoch konnten sie gerade langfristig stabilere Erträge verbuchen als Fonds, die auf Gewerbeimmobilien setzen. Sie verfügen auch über gute Ratings.

Zu den Top-Renditebringer der Branche zählten zuletzt der Grundbesitz Europa und der Grundbesitz Deutschland, sowie der Hausinvest und Deka Immobilien Europa. Laut Zahlen des Fondsverbands BVI kamen sie auf 20 Jahressicht auf eine Rendite von 3,5 bis 3,9 Prozent pro Jahr. Der UniImmo Deutschland schaffte 3,3 Prozent. Ausreißer nach unten – also unter die Drei-Prozent-Marke – gab es übrigens auf 20-Jahressicht nur einen einzigen. Die übrigen Immobilienfonds, die so lange durchhielten, lagen über den 3 Prozent pro Jahr. Auf zehn Jahre waren es bei all diesen Fonds 2,5 bis 2,8 Prozent. Das entsprach kumuliert laut BVI-Methode einem Plus von 89 bis 113 Prozent. Das heißt, dass ein Anleger, der 10.000 Euro investiert hätte, auf 20-Jahressicht rund 19.000 bis 21.000 Euro daraus gemacht hätte.

In Zukunft wird es wohl weniger sein, schätzen die Analysten. Nach augenblicklicher Lage rechnen sie mit 1,5 bis 2,0 Prozent Rendite in der Zukunft, was etwa 20 Prozent kumuliert auf Zehnjahressicht entspräche. Das ergäbe bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro dann rund 12.000 Euro, statt der 13.700 bis 14.000 die von den guten Immobilienfonds innerhalb der vergangenen zehn Jahre erzielt worden sind.

Das ließe sich verkraften und wäre immerhin noch deutlich im positiven Bereich. Ob solche Performancedaten auch die Anleger von aktiven Aktienfonds bis 2030 schaffen, dass müssen die Märkte erst noch erweisen.

 


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