Aktien5 Tipps, wie sie ein guter Trader werden


Wieland Arlt ist aktiver Trader, Coach und Trainer. Mit seiner „Torero Traders School“ unterstützt er Trader dabei, ihre finanziellen Ziele selbstbestimmt zu erreichen. Sein Buch zum Risiko- und Money-Management ist 2014 im Finanzbuchverlag erschienen.


Haben Sie bei den aktuell niedrigen bis negativen Zinsen und dementsprechenden schmalen Renditen auf Anlagen auch das Bedürfnis, die Kapitalanlage in die eigene Hand zu nehmen, um an den langfristig steigenden Börsennotierungen zu partizipieren? Grundsätzlich ist dieser Wunsch verständlich und auch zu begrüßen, denn die aktive Anlage schlägt regelmäßig eine passive. Voraussetzung ist hierfür allerdings, dass einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sind.

Der Einstieg in den aktiven Börsenhandel – das sogenannte Trading – ist heutzutage einfacher denn je. Mit ein paar Mausklicks können Sie ein Handelskonto bei einem Broker oder einer Direktbank Ihrer Wahl eröffnen. Nach Erledigung der Formalien, wie persönlicher Identifikation oder Bestätigung der Termingeschäftsfähigkeit, ist nur noch das Handelskonto zu kapitalisieren. Das erledigen Sie natürlich bequem per Kreditkarte. Die Schwellen für den Einstieg in das Trading liegen wahrlich niedrig.

Bei einem so einfachen Zugang könnte bei dem einen oder anderen Anleger der Eindruck entstehen, dass, wenn es so einfach ist, an den Märkten zu handeln, es dementsprechend auch einfach ist, an den Märkten Gewinne zu erzielen. Und schon wird die erste Position eröffnet und das Spiel beginnt.

Sehr schnell wird ein ambitionierter Neuling auf dem Börsenparkett dann erfahren, dass die Bretter, die die Welt bedeuten deutlich rutschiger sind, als es der einfache Einstieg vermuten lässt. In der Konsequenz fallen dann oftmals statt der erhofften Gewinne die eher unverhofften Verluste an und das Scheitern beginnt.

Nun mögen Sie vielleicht sagen, dass ist eben so, wenn man sich mit den großen Spielern einlässt. Aber die Gründe für das Scheitern an der Börse liegen weniger darin, dass auf dem Börsenparkett eben nicht nur Einsteiger, sondern auch gestandene Profis gegen Sie antreten. Auch die Wahl des Brokers oder der Direktbank ist weniger entscheidend für den Börsenerfolg. Vielmehr liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Person des Handelnden selbst. Dabei müssen fünf Voraussetzungen erfüllt sein, damit die die Grundlage für einen erfolgreichen aktiven Börsenhandel gegeben ist.

1. Machen Sie sich bewusst, warum Sie an der Börse handeln!

Viele Anleger und Trader handeln einfach drauf los. Das bedeutet, dass die meisten einfach so mit dem Markt mitschwimmen. Das wäre eigentlich nicht weiter erwähnenswert, aber die Konsequenz daraus ist, dass ziel- und damit richtungslos in den Märkten gehandelt wird. Im Trading aber ist der Weg nicht das Ziel. Setzen Sie sich daher konkrete Ziele, die Sie in einem definierten Zeitraum erreichen wollen. Das gibt Ihnen zum einen die Möglichkeit einer regelmäßigen Zielerreichungskontrolle und zum anderen ist ein festes Ziel ein guter Motivator, um den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen.

2. Konzentrieren Sie sich auf festgelegte Strategien!

Wenn Trader und Anleger ihr Ziel nicht kennen, ist es natürlich auch nicht möglich, den richtigen Weg dahin einzuschlagen. Dann wird mal dieses und mal jenes ausprobiert; Hauptsache, man ist im Markt dabei. Besser ist es jedoch, wenn Sie sich auf eine Handvoll Erfolg versprechender Strategien und Märkte konzentrieren und sie konsequent verfolgen und anwenden. Dazu kommt, dass Trader mit einer klaren Strategie gleichfalls eine Erfolgskontrolle und konkrete Ansatzpunkte haben, um das eigene Können immer weiter zu entwickeln.

3. Beherrschen Sie Technik und Produkte!

Für jede Tätigkeit gibt es Hilfsmittel. So auch im Trading. Für Anleger und Trader ist die Handelsplattform der Zugang zu den Märkten. Oftmals kennen Trader Ihre Handelsplattform aber nur ungenügend. Ein Einstieg ist immer machbar – wie aber sieht es mit dem manuellen Ausstieg aus einer Position aus? Diese einfache Frage können leider nicht alle Trader auf Anhieb beantworten. Beherrschen Sie also Ihre Handelsplattform in allen Facetten! Dazu kommt, dass es für das aktive Trading eine Vielzahl von Finanzprodukten gibt, die unterschiedlich ausgestaltet sind und unterschiedlich eingesetzt werden können, aber auch müssen. Wie diese genau konstruiert sind, müssen Sie natürlich ebenso beherrschen.

4. Begrenzen Sie Ihr Risiko!

Viel hilft viel. Dabei vergessen viele Anleger und Trader, dass die Börse keine Einbahnstraße ist. Wo Gewinne erzielt werden, fallen auf der anderen Seite Verluste an. Um im Börsengeschäft aber dauerhaft zu bestehen, müssen Sie Ihr Risiko pro Position und in der Summe begrenzen. Ein einzelner Verlusttrade darf nicht Ihre Gesamtperformance in Frage stellen, eine Verlustserie darf Sie nicht handlungsunfähig machen. Begrenzen Sie Ihr Risiko deshalb ohne Wenn und Aber – ein fester Prozentsatz in Höhe von 1 Prozent vom Handelskonto hat sich hier in der Praxis bewährt.

5. Machen Sie sich Ihre Stärken und Schwächen bewusst!

Trading und Börsenhandel sind hochgradig individuelle Tätigkeiten. Hier ist jeder Anleger aufgefordert, sich darüber im Klaren zu sein, wo seine Stärken und Schwächen liegen und sein Handeln darauf auszurichten. Erfolgreiche Trader wissen, wo ihre persönlichen Grenzen und Präferenzen liegen. Nicht jeder ist für das ultraschnelle Intraday-Scalping gemacht. Es ist aber auch nicht jeder ein geduldiger Anleger, der einen Titel über Monate oder Jahre hinweg hält. Es ist an Ihnen, hier Ihre Nische zu finden. Wenn Sie sie gefunden haben, dann ergeben sich die Antworten auf die ersten vier Punkte fast schon von selbst.

Der aktive Börsenhandel kann Ihnen Möglichkeiten eröffnen, von denen Sie vielleicht immer schon geträumt haben. Er kann Sie aber auch weit weg davon führen. Die Beschäftigung mit den fünf Punkten sollen Sie dabei unterstützen, Ihre ersten Schritte auf dem Börsenparkett in Richtung Erfolg einzuschlagen.