SteuernHefte raus, Steuererklärung!

Symbolbild Finanzamt
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Viele Eltern kennen dieses Gefühl, spätestens wenn Tochter oder Sohn auf das Abitur zugehen – in die Freude mischt sich eine bange Frage: Was kommt da auf uns zu? Leben und studieren in Großstädten wie München, Stuttgart oder Frankfurt ist oft kostspielig. Wenn die Kinder dann auch noch fern der Heimat einen Studienplatz bekommen und durch die ganze Republik reisen, geht das schnell richtig ins Geld.

Zwischen 600 und 1250 Euro pro Monat sollten Eltern nach Angaben des Deutschen Studentenwerks für Leben und Studium einkalkulieren. Daher wurde das Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit Spannung erwartet: Die Richter hatten zu entscheiden, ob Studenten und Auszubildende das Finanzamt an den Ausgaben für eine Lehre oder ein Erststudium beteiligen können. Bei einem Zweitstudium oder einem Studium nach Abschluss einer Lehre ist das nämlich möglich. Für Millionen Studenten hätte dies eine massive Entlastung bedeutet – doch die obersten deutschen Richter entschieden anders: Das Erststudium diene gerade nicht der konkreten Berufsvorbereitung, sondern sei vielmehr Teil der Allgemeinbildung, argumentierten die Richter (Az. 2 BvL 22–27/14, Beschluss vom 19.11.2019).

„Damit haben wir verfassungsrechtlich ein klares Signal bekommen. Das heißt aber nicht, dass es politisch in Ordnung ist“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, der die Klagen unterstützte. „Da hat uns das Verfassungsgericht ein Ei ins Nest gelegt“, sagt auch Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

Damit bleibt es bei der Praxis der Finanzämter, die strikt zwischen Erst- und Zweitausbildung unterscheiden: Wer nach der Schule eine Ausbildung (sei es Studium oder schulische Berufsqualifikation) ohne Beschäftigung absolviert, darf die Kosten dafür auch weiterhin nur als Sonderausgaben, nicht aber als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Kosten einer Zweitausbildung – etwa Masterstudiengang nach dem Bachelor oder ein Studium nach abgeschlossener Lehre – lassen sich dagegen beim Fiskus umfänglich als Werbungskosten absetzen.

Der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderaus­gaben ist zentral – und kann eine Menge Geld ausmachen (siehe Kasten Seite 122). Selbst getragene Studien- und Ausbildungskosten sind nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich bis zu einem Höchstbetrag von 6000 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig. Allerdings senken Sonderausgaben nur in dem Jahr die Steuerzahlung, in dem sie entstehen. Als Student oder Auszubildender hat man aber oft ein geringes Einkommen, sodass man häufig sowieso keine Steuern zahlt.

Hätte das Verfassungsgericht dagegen den Werbungskostenabzug erlaubt, hätte man Studienkosten in unbegrenzter Höhe in Folgejahre vortragen können – und hätte so die Steuerlast nach dem Abschluss ordentlich mindern können. „Studenten, die gleich nach dem Abitur ein Erststudium beginnen, gehen nach der aktuellen Rechtslage steuerlich auch weiterhin leer aus“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine e.V. (BVL). Das gilt auch für viele Azubis, die, ohne eigenes Geld zu verdienen, eine Ausbildung absolvieren und selbst bezahlen müssen, etwa in der Physiotherapie oder Altenpflege.

Es gibt Spielräume

Allerdings gibt es für Familien legale Gestaltungsmodelle, damit der Sonderausgabenabzug bei Sohn oder Tochter doch noch zum Tragen kommt, vorausgesetzt die Eltern haben die Möglichkeiten dazu. So erlaubte das Finanzgericht Baden-Württemberg einen interessanten Spartrick (Az. 11 K 2951/15): Der Mutter gehörte ein Firmengrundstück, das sie an Ehemann und ­Vater für deren Handwerksbetrieb vermietet hatte. Zur Finanzierung des Studiums räumte die Mutter ihrer Tochter ein auf fünf Jahre befristetes unentgeltliches Nießbrauchsrecht an dem Grundstück ein. In der Folge flossen die Mietzahlungen des Vaters direkt seiner Tochter zu. Diese finanzierte damit ihr Studium, blieb aber steuerlich unbehelligt, da sie ihren Grundfreibetrag ausnutzen und ihre Studienkosten zumindest als Sonderausgaben in Höhe von 6000 Euro ansetzen durfte. Der Vater konnte die Mietzahlungen im Gegenzug weiterhin als Betriebsausgaben der Firma steuerlich absetzen.

Dieses Modell funktioniert auch mit Mietwohnungen, Miets­häusern und der befristeten Übertragung eines Wertpapierdepots. Wegen der schwierigen Details sollten Eltern allerdings vor ­Abschluss der vertraglichen Regelungen einen versierten Steuerberater konsultieren.