Capital-Podcast„Der deutsche Anleger war in dieser Krise sehr besonnen”

„Das Niedrigzinsumfeld hat sich zementiert und ausgebreitet“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandvorsitzender von Union InvestmentPR

Die deutschen Anleger haben während des historischen Einbruchs der Märkte im Frühjahr offenbar gelassener reagiert als in früheren Krisen. „Wir haben im Vergleich zur Finanzkrise eine völlig andere Situation – die deutschen Anleger waren sehr besonnen und haben langfristig gehandelt“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, im Capital-Podcast „Die Stunde Null“. „Es gab keine Abflüsse, eher Zuflüsse.“

Union Investment, die Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, spürte das auch an den Zahlen: Knapp 300.000 neue Sparverträge verzeichnet die Gesellschaft laut Reinke seit Jahresbeginn. „Das Interessante ist, dass viele junge Sparer dabei waren – rund 45 Prozent sind unter 35 Jahre“, berichtet Reinke. Und auch viele neue Sparer: Gut jeder zweite Sparvertrag wurde von Menschen abgeschlossen, die zuvor nicht in Fonds gespart hatten.

In vergangenen Krisen reagierten die deutschen Anleger oft falsch: Wenn sie Aktien oder Fonds besaßen, trennten sie sich panisch von den Papieren – und stiegen oft erst wieder ein, nachdem sich die Märkte schon wieder erholt hatten. Das Thema Aktienbesitz und Aktienkultur war seit geraumer Zeit mühsam, trotz jahrelanger Niedrig- und Nullzinsen. Laut den Daten von Union Investment war es diesmal offenbar anders. „Die Leute sparen, und sie haben einen langfristigen Blick“, sagt Reinke. Die Sparquote sei zudem von 9,7 auf 16,7 Prozent gestiegen und sei damit fast schon in einem „erratischen Zustand“.

Die Heftigkeit des Einbruchs im März hat auch Reinke, der seit Ende der 1980 an den Finanzmärkten unterwegs ist, überrascht. Der Chef von Union Investment rechnet damit, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt. Das Wachstum sei aber für die kommenden beiden Jahre begrenzt, solange es noch keinen Impfstoff gebe. „So ganz optimistisch bin ich auf kurze Sicht nicht“, sagt Reinke. „Denn die Kapitalmärkte werden weiter anfällig bleiben, und wir werden es mit hohen Schwankungen zu tun haben.“ Sein Rat an Anleger: „Durchhalten und vielleicht sogar zukaufen.“ Das Niedrigzinsumfeld habe sich „zementiert und ausgebreitet“ – daher sei es wichtig, in Aktien anzulegen.

Das komplette Interview hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise“.


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