GeldanlageGrüne Staatsanleihen - ein Ausweg aus der Zinsfalle

Seite: 2 von 2

Das Interesse bei den Investoren ist groß

Die grünen Staatspapiere sprießen inzwischen an vielen Ecken aus der Erde. Insgesamt hat der Markt weltweit schon ein Volumen von rund 200 Mrd. Dollar erreicht, so schätzen große Vermögensverwalter und Ratingagenturen. Und er wächst weiter. Damit machen die Grünanleihen zwar erst 1,4 Prozent des globalen Anleihenmarkts aus, aber es gibt noch reichlich Potenzial für Wachstum. Denn das Interesse von Investoren am grünen Bereich ist immens: Mehrfach überzeichnet waren bisher die meisten Tranchen, die auf den Markt gebracht wurden – sei es nun von staatlichen Herausgebern oder auch von Unternehmen. Selbst ein Land wie Polen hätte sich dreimal so viel Kapital für grüne Projekte beschaffen können, als es letztlich unter die Anleger brachte. Was die Anleger daran reizt? Sie bekommen für solche Papiere ähnliche Renditen wie für konventionelle Anleihen, in Polen verspricht der Kupon bei zehn Jahren Laufzeit ein Prozent Zinsen, für 30 Jahre 2 Prozent – und dazu bekommen die Investoren noch ein gutes Gefühl.

Denn mit dem Geld finanzieren die Staaten – und mittlerweile auch einige findige Kommunen – zum Beispiel energieeffiziente Gebäude, umweltfreundliche Energiegewinnung, Glasfasernetze für bessere Kommunikationsinfrastruktur, Aufforstungsprojekte oder Photovoltaik. Die Stadt Göteborg platzierte ebenfalls eine solche Anleihe und das Geld fließt nun in Biogasanlagen für die Stadt, in Wasserfilter und in den Aufbau einer Elektroautoflotte für die Stadtverwaltung. Paris investierte auf dem Weg in Elektroauto-Ladestationen und in energiesparende Straßenbeleuchtung. Es sind also zumeist ökologische Projekte, die auf diesem Wege angeschoben werden.

Green Bonds sollen den ökologischen Wandel unterstützen

Das unterscheidet die Green Bonds von herkömmlichen Nachhaltigkeitsanleihen, bei denen sich Wirtschaftsunternehmen lediglich Geld leihen, um „ethischer“ als andere zu wirtschaften, wobei das Geld aber auch in ganz normale Projekte fließen kann. Das ist das klassische Problem des Best-in-Class-Ansatzes, den viele Anleger bereits von nachhaltigen Anlagefonds kennen: Wenn ein Ölförderunternehmen auf die Bohrung in der Antarktis verzichtet – anders als die Konkurrenz – dann gilt er damit schon als ethischer Wettbewerber, selbst wenn er mit dem Geld anschließend weiter herkömmliche Bohrlöcher anzapft oder Schiefergas aus dem Boden befördert. Bei den Green Bonds aber soll das Geld tatsächlich den ökologischen Wandel unterstützen. Das ist ähnlich wie der Ansatz der Öko- und Gemeinschaftsbanken, die Kredite einsammeln, um damit bessere Landwirtschaft, soziale Unternehmen oder Schul- und Seniorenprojekte zu finanzieren.

Natürlich hängt der Erfolg des Markts davon ab, wie konsequent und verantwortungsbewusst die Beteiligten tatsächlich gute Projekte anschieben. Bisher haben die Green Bonds noch ein Zertifizierungsproblem, der Begriff ist nicht geschützt. Man muss den Aussagen der Emittenten daher weitgehend vertrauen – denn mehr als freiwillige Selbstverpflichtungen existieren bislang nicht. Werden die Papiere von Staaten lanciert, bietet das immerhin eine gewisse Form von öffentlicher Kontrolle. Die Anleger halten zudem relativ ausfallsichere Papiere, zumindest wenn der Schuldner ein Triple-A-Staat ist wie die Niederlande, die Bundesrepublik oder die KfW. Das schlagende Argument, warum es diese Anleihen aber häufiger geben sollte, ist ohne Zweifel dieses: Mit den Grünanleihen schieben Regierungen gezielt neue Branchen an, die noch großes Wachstumspotenzial entfalten dürften – und vor allem auch einen Technologiewandel in Richtung Nachhaltigkeit beschleunigen könnten. Und sie könnten nebenbei wenigstens das Klima retten – wenn sie sich schon bei der Wirtschaft schwer tun.