GeldanlageGoldpreis im Wartestand

Goldbarren von Degussa Goldhandel
Goldbarren von Degussa GoldhandelDegussa Goldhandel

Für Goldanleger war 2017 ein maues Jahr. Seit Anfang Januar hat der Goldpreis zwar um rund zehn Prozent zugelegt. Von seinem Rekord im Jahr 2011 ist er allerdings weit entfernt. Damals sah es zeitweise so aus, als könnte das Edelmetall die Marke von 2000 US-Dollar je Feinunze überspringen. Momentan steht der Preis bei rund 1280 Dollar je Feinunze. Das Erstaunliche daran: Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten – und dieses Jahr mangelte es mit dem Konflikt zwischen Nordkorea und den USA, der anhaltend schwierigen Lage im Nahen Osten und den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens nicht gerade an politischem Sprengstoff. Anleger blieben trotzdem gelassen, trieben die Aktienkurse auf neue Höchststände und zeigten Gold die kalte Schulter.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart

Marktbeobachter sind uneins, in welche Richtung sich der Goldpreis im kommenden Jahr entwickeln wird. Sowohl für einen Anstieg als auch für eine Seitwärtsbewegung gibt es gute Argumente. Sogar ein Rückgang scheint möglich – nichts Genaues weiß man nicht. Martin Siegel, Edelmetallexperte der Investmentboutique Stabilitas, rechnet mittelfristig mit einem steigenden Goldpreis. Er verweist auf die etwas straffere Geldpolitik der großen Notenbanken sowie auf die Inflation. „Es gibt immer deutlichere Inflationssignale wie etwa den steigenden Ölpreis“, sagt er. Kletternde Zinsen und eine anziehende Inflation bildeten den perfekten Nährboden für eine Gold-Hausse.

„Ein steigender Goldpreis ist ein Krisenindikator“

Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, zeigt sich skeptischer. „Wenn sich die Konjunktur weiterhin so gut entwickelt, dürfte der Goldpreis in den kommenden Jahren eher sinken“, sagt er. Das gelte jedenfalls, wenn steigende Zinsen nicht zugleich die Inflation in die Höhe trieben. Ein Anstieg der Verbraucherpreise ist tatsächlich keine ausgemachte Sache: Der Ölpreis hat zwar zuletzt zugelegt. Bei der Kerninflation, die Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, hat sich aber kaum etwas getan. Anleger, die auch Aktien oder Anleihen im Depot haben, sollten sich auch gar nicht wünschen, dass der Goldpreis steigt, sagt Weinberg. Das würde nämlich darauf hindeuten, dass den Finanzmärkten eine neue Krise drohe. „Ein steigender Goldpreis ist ein Krisenindikator“, betont der Analyst.

Investoren nutzten Gold nach wie vor als Sicherheitsanker, bestätigt Thomas Buckard, Vorstand der Wuppertaler Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG. Die politischen Risiken der vergangenen Monate waren offenbar aus Sicht der Anleger schlicht nicht bedrohlich genug, um ein Umschichten in Gold auszulösen. Das könne sich allerdings ändern, sagt der Vermögenexperte. Er hält die leichte Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate für gesünder als den rasanten, spekulativ getriebenen Anstieg vor einigen Jahren. „Das Korrekturpotenzial dürfte begrenzt sein, ein weiterer Wertzuwachs ist möglich“, sagt er. „Ein Depotanteil von um die fünf Prozent bleibt für sicherheitsbewusste, langfristig orientierte Anleger eine glänzende Beimischung.“