AktienmarktGeldanlage trotz Krise: So legen Sie jetzt 5000 Euro an

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlageGetty Images

Selten konnten Anleger die Börsenweisheit „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ besser beherzigen als jetzt. Das Donnergrollen der Kanonen, die Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft, ist in diesen Tagen ein vertrautes Hintergrundgeräusch. Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft in eine Rezession noch unbekannten Ausmaßes gestürzt. Die Finanzmärkte sind eingebrochen, Erholungstendenzen wie in den vergangenen Tagen sind nach Einschätzung vieler Marktexperten nicht von Dauer.

Die gute Nachricht: Wer neu in die Geldeinlage einsteigen will, hat jetzt die Gelegenheit, vergleichsweise günstig zu kaufen. Wer schon investiert ist, kann wiederum sein Portfolio überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Denn in der Covid-19-Pandemie werden Weichen neu gestellt.

Wer im aktuellen Marktumfeld kauft, muss gute Nerven haben. Denn weitere Rückschläge bleiben wohl nicht aus. Weil Markttiming schwierig ist und oft schiefgeht, raten Anlagespezialisten dazu, sukzessive in den Markt zu gehen statt das gesamte Anlagekapital auf einen Schlag zu investieren.

Das gilt auch jetzt: Wer die Corona-Krise nutzen, aber weitere Kursstürze nicht voll mitmachen will, sollte sein Kapital in mehrere Tranchen teilen und Stück für Stück anlegen. Wann die Krise vorbei ist, weiß niemand. Dementsprechend lässt sich schwer sagen, bis wann die gesamte Summe investiert sein sollte. Viele Anlageprofis gehen aber davon aus, dass es im dritten Quartal dieses Jahres wieder aufwärts geht. Bis Ende Juni sollte also der Auf- oder Umbau des Depots abgeschlossen sein.

Anleger sollten langfristig planen, auf zehn Jahre hinaus oder mehr. So lange könnte es dauern, bis die jüngsten Kurseinbrüche wieder wettgemacht sind, auch wenn einige Ökonomen mit einer deutlich rasanteren Erholung rechnen, sobald ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist. Wie viel Mut sich Anleger bei ihren Planungen leisten können, hängt nicht nur von ihrer persönlichen Risikoneigung ab, sondern auch davon, wie viel Kapital sie zur Verfügung haben. Je höher die Anlagesumme, desto eher kann man einen Teil davon für vielversprechende, aber riskantere Investments abzweigen.

Beispiel 5000 Euro

Mit einem Kapitalstock von 5000 Euro sollten Anleger nicht zu viele Experimente wagen, auch wenn in abseitigeren Bereichen des Finanzmarktes günstige Preise locken. Ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Anleihen und etwas Gold ist in diesem Fall erste Wahl, umgesetzt zum Beispiel über günstige börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Von den überraschenden Rückgängen der Anleihekurse und des Goldpreises zu Beginn der Corona-Krise sollten sich Anleger nicht irritieren lassen. Kurzfristige Schwankungen sind für die langfristige Geldanlage irrelevant.

Die gefallenen Aktienpreise wiederum eröffnen einige der besten Anlagechancen seit Jahren. Wer via ETF global in Aktien investieren will, sollte eher zu einem Indextracker auf den MSCI All Countries World Index (ACWI) greifen als zu einem Fonds, der den MSCI World nachbaut. Ersterer enthält auch Schwellenländeraktien. Letzterer berücksichtigt keine Emerging Markets und hat zudem einen deutlich höheren Anteil an US-Titeln. Gerade die waren vor dem Corona-Schock aber so teuer, dass sie selbst nach den Kursrückgängen noch nicht sonderlich günstig sind.

Wer bereits investiert ist, kann darüber nachdenken, seinen Bestand an Schwellenländertiteln aufzustocken. Sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte in den Schwellenländern wurden im Zuge des Corona-Schocks übermäßig abgestraft. Noch ist zwar nicht klar, wie heftig das Coronavirus dort wüten wird. Aber viele aufstrebende Volkswirtschaften haben größere Erfahrung mit Seuchen als Europa und die USA – die afrikanischen Schwellenländer mit Ebola, die asiatischen mit den Vorgängern von Covid-19, Mers und Sars.

Beispiel 50.000 Euro

Auch mit größeren Anlagesummen sollten Investoren zunächst ein solides Kernportfolio aufbauen. Darüber hinaus haben sie jetzt aber die Chance, gezielt Titel aus Branchen beizumischen, die in der Zeit nach Corona besonders gut laufen könnten. Offensichtlichster Kandidat ist der Gesundheitssektor: Vielen Staaten wird der Wert gut ausgestatteter Krankenhäuser und Arztpraxen dieser Tage schmerzlich bewusst. Die Milliarden, die nun ins Gesundheitssystem fließen, dürften nach dem Ende der Krise nicht schlagartig wieder versiegen. Im Gegenteil: Zahlreiche Regierungen, darunter auch die deutsche, wollen auf künftige Pandemien besser vorbereitet sein. Das eröffnet Chancen für Investoren, die sie etwa über einen Health-Care-Fonds oder -ETF nutzen können.

Der zweite Sektor, der langfristig von der Krise profitieren dürfte, ist der Technologiesektor. Die halbe Welt sitzt im Homeoffice und kommuniziert per Videochat. Diese Entwicklung wird nach Einschätzung von Experten dauerhafte Spuren in der Arbeitswelt hinterlassen, auch wenn Arbeitnehmer nach dem Ende der Pandemie ins Büro zurückkehren dürfen. Technologieaktien sind zwar nach wie vor nicht günstig – dazu waren ihre Kurse in den vergangenen Jahren zu stark gestiegen. Langfristig gibt es aber weiteres Aufwärtspotenzial. Anleger sollten deshalb den jüngsten Rücksetzer ausnutzen.

Einige Chancen sollten langfristig orientierte Anleger besser verstreichen lassen. So meldet etwa der Einzelhandel momentan boomende Umsätze. Die könnten allerdings nach dem Ende der Krise deutlich zurückgehen, wenn Kunden ihre Nudeln- und Klopapiervorräte aufzehren.