GeldanlageSolaraktien strahlen wieder

Arbeiter beim Bau einer Solaranlage
Arbeiter beim Bau einer Solaranlage

Endlich scheint wieder mal kräftig die Sonne. Nicht nur im ganzen Land und auf den Wetterkarten, sondern vor allem auch über jener Branche, die genau damit ihr Geld verdient: über der Solarbranche nämlich. Zuletzt hatte man sich angesichts neuer Pleite-Meldungen insbesondere des letzten großen deutschen Solarmodulherstellers Solarworld gefragt, ob am Solarstandort Deutschland wohl bald endgültig die Lichter ausgehen. Die Solarworld-Insolvenz traf viele Anleger hart. Und die Verhandlungen darüber, ob wenigstens ein Teil der deutschen Standorte vom neuen Investor gerettet wird, gehen dieser Tage in die heiße Phase. Es sind noch immer die chinesischen Hersteller mit ihrer produktionstechnischen Übermacht, die hierzulande die Branche in Bedrängnis bringen. Weil sie ihre Module so viel billiger herstellen können als heimische Firmen. Dadurch gerieten die europäischen Hersteller gehörig ins Schwitzen.

Parallel dazu stagniert der Markt der Solaranlagen schon seit Jahren. Und jetzt das: Der deutsche Solarstrommarkt wächst gewaltig. Beim Anlagenbau schoss die Zubaumenge im ersten Halbjahr 2017 so abrupt nach oben, dass der hiesige Solarwirtschaftsverband geradezu strahlend Zahlen verkündete: Beim Solarstrom sei die Nachfrage um 75 Prozent gestiegen.

Ein Wachstum in dieser Größenordnung ist tatsächlich mal eine Nachricht. Zumal die Solarindustrie hierzulande seit einigen Jahren schwächelt, weil immer weiter die Zulagen gekappt werden. Dabei war es die Bundesrepublik, die in den 90er-Jahren massiv den internationalen Solarstrommarkt anschob. Weltweit eilt die Branche auch immer noch von Rekord zu Rekord: 2016 ging als Superjahr in die Geschichte der Sonnenindustrie ein, weil der Zubau gigantisch war. Insgesamt erhöhte sich die Kapazität der Anlagen weltweit von rund 230 auf zuletzt 308 Gigawatt. Die größten Produzenten sind inzwischen China, Amerika und Deutschland. Sie produzieren zusammen gut die Hälfte des globalen Solarstroms. Nun fragen viele: Bedeuten die hierzulande wieder ansteigenden Zubauzahlen auch für deutsche Hersteller einen echten Lichtblick? Geben sie vielleicht sogar ernsthaften Grund zu neuer Hoffnung? Es sieht nun tatsächlich so aus.

Weiterhin große Nachfrage aus China

International verbuchen viele Solarhersteller glänzende Geschäfte, auch konkurrenzfähige deutsche. Davon zeugen die jüngsten Zahlen von SMA Solar. Der Anlagenhersteller schraubte wegen der starken Nachfrage vor allem aus der Region Asien-Pazifik seine Erwartungen fürs laufende Geschäftsjahr nach oben – das brachte glatt den Aktienkurs zum Glühen, der Kurs schoss geradezu in de Höhe.

SMA Solar Technology Aktie

SMA Solar Technology Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Insbesondere in Asien ist der Bedarf an Solarstromanlagen tatsächlich noch lange nicht gedeckt. Zwar hatten Unternehmen in China zuerst viele Anlagen zugebaut, bis dann die Regierung unverhofft ihre Förderung kürzte – woraufhin der Markt dort erst einmal wegzusacken schien. Massenhaft füllten unverkaufte Solarmodule dort die Lager, warnten Analysten. Doch die neusten Zahlen belegen: Der Zubau hält in China nach wie vor an. Weit stärker als Analysten es prognostiziert hatten, legte die Kapazität der Anlagen dort 2016 zu. Nicht nur dort wächst die Gesamtkapazität der Solarstromanlagen, sondern auch andernorts. Neuerdings verpflichtet zum Beispiel Argentinien seine Unternehmen per Gesetz, einen Teil ihrer Energie über Sonnenstrom abzudecken. Die Schweiz steht überdies kurz vor dem Atomausstieg, den ein Volksentscheid bald zementieren soll. Der Nahe Osten erlebte 2016 ebenfalls ein Rekordjahr beim Zubau und will auch 2017 weitere Gigawatt-Anlagen errichten.

Vor allem Indien schickt sich aber an, einer der größten Solarstromer der Welt zu werden und seine 1,3-Milliarden Menschen mit Sonnenstrom zu versorgen. Dazu hat der größte Kohleproduzent der Welt, die Coal India Limited gerade angekündigt, im kommenden Jahr 37 Kohleminen dicht zu machen und stattdessen sein Geld in den Ausbau von Solaranlagen zu stecken. Solarstrom ist dort nämlich inzwischen günstiger als Kohlestrom.

Die Modulpreise werden weiter fallen

Insgesamt sind die Produktionskosten für Sonnenstrom von zuvor 12 Cent auf inzwischen 3 Cent gefallen. Das feierte die Branche jüngst als großen Erfolg. Hierzulande lägen die Preise zwar noch bei rund 6 Cent, (während insbesondere der Atomstrom bloß 3 bis 4 Cent kostet). Doch in Staaten, in denen mehr Sonne scheint, in Dubai etwa oder in nordafrikanischen Ländern, ist man längst bei 2,5 bis 2 Cent angelangt. Und gerade dort sollen noch viele neue Anlagen entstehen. Das heißt: Die Stromproduktion wird zwar langsam aber sehr sicher konkurrenzfähig. Kein Wunder also, dass immer mehr Staaten auf diese Form von Energie setzen. Wenn sich die Zahlen als wahr herausstellen, mit denen internationale Solarverbände rechnen, dann werden bis 2021 noch einmal Anlagen in der Größe von 425 Gigawatt neu aufgebaut werden. Eine enorme Menge.

Wenn so viel gebraucht wird, schraubt das natürlich die Produktion in die Höhe. Was wiederum heißt: Die Modulpreise werden weiter fallen, weil größere Stückzahlen kostengünstiger hergestellt werden können. Bei jeder Verdopplung der Stückzahlen sinken die Kosten um 22,5 Prozent, rechnen die Solarverbände vor. Das ist einerseits schön für die Abnehmer, aber es ist auch genau das Problem vieler Modul-Hersteller hierzulande: Denn ihnen nützt es wenig, wenn sie zwar immer mehr Solarzellen verkaufen könnten – aber stattdessen das Problem haben, dass die Preise auf dem Weltmarkt so arg sinken und sie ihre Panels so günstig losschlagen müssten, dass sie gar nicht mehr kostendeckend produzieren können. Sacken die Kosten der Module international weiter ab, schmälert das bei vielen Hochpreisherstellern die Gewinne.

Allein in den vergangenen sechs Jahren sind nun die Preise für Module um rund 75 Prozent gesunken. Das setzt auch die Anlagenbauer unter Druck. Bisher machten die Solarmodulpreise rund die Hälfte der Kosten beim Anlagenbau aus. Um konkurrenzfähig zu bleiben, so warnt die deutsche Solarwirtschaft, sind hiesige Anlagenbauer inzwischen gezwungen, zunehmend günstige Module aus dem Ausland einzukaufen. Denn heimische Hersteller könnten zu diesen Preisen nicht mehr mithalten und würden den Gesamtpreis unnötig verteuern. Die Wertschöpfungskette der deutschen Solarbranche breche an dieser Stelle auseinander, wenn sie immer stärker auf Zellimporte aus anderen Ländern – namentlich aus China – angewiesen sei. Sie werde anfällig für Schocks auf diesen Märkten.