GeldanlageWie Sie ein besserer Anleger werden

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Lektion 05: Don’t worry, be happy

Achten Sie bei der Geldanlage nicht nur auf eine ordentliche Rendite. Mindestens ebenso wichtig ist die emotionale Seite – man muss sich mit seiner Anlageentscheidung auch wohlfühlen. Einen Betrag von 100.000 Euro auf einem Girokonto herumliegen zu lassen erscheint auf den ersten Blick – erst recht aus der Sicht eines Bankberaters – vielleicht nicht als besonders clever. Doch auch für viel Cash kann es gute Gründe geben.

Womöglich ist ein hoher Betrag auf einem Sparkonto sogar genau die richtige Anlage, etwa weil jemand größten Wert auf Flexibilität legt und seinen Bedarf auf Sicht von drei bis fünf Jahren nicht abschätzen kann. Sich das einmal klar zu sagen versöhnt einen auch mit einer schwach rentablen Anlage, vertreibt hoffentlich das schlechte Gewissen – und ist allemal besser, als sich zu etwas zu zwingen, was man nicht versteht oder gar nicht will.

Manche Menschen können gut damit umgehen, dass ihr Vermögen mit den Wogen der globalen Kapitalmärkte schwappt, sehen vielleicht auch nur einmal pro Jahr in ihr Depot, egal ob es steigt oder fällt. Andere klicken nervös täglich auf ihren Anlagen herum. Und laufen so permanent Gefahr, Strategien über den Haufen zu werfen.

Das Gegenbeispiel ist Gold: Dessen reale Rendite über die vergangenen Jahrzehnte war eine einzige Enttäuschung, lediglich ein knappes Prozent haben Anleger real mit Gold gemacht – und selbst mit dem starken Anstieg in den letzten Wochen liegt die Rendite in diesem Jahrzehnt deutlich unter der von Aktien und anderen Anlagen. Vielen geben aber Münzen im heimischen Safe oder bei der Bank ein gutes Gefühl: Sie können sie ansehen, in der Hand drehen, ein wenig polieren und verspüren dabei ein Gefühl von Sicherheit. Wenn der Goldbesitz zur Lebensqualität beiträgt, wiegt das die schwache Rendite mehr als auf.

Verunsichert sind aktuell auch viele Immobilienbesitzer und interessierte. Droht eine Preisblase, oder sind wir womöglich schon mittendrin? Und wenn Aktien so viel rentabler sind (siehe Lektion 04), setzt man mit Immobilien womöglich auf das falsche Pferd? Auch für Immobilien gilt: Die emotionale Rendite kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und ist schwer in Prozentzahlen zu messen.

Der unschätzbare Wert des Hauses

Forscher der Uni Wien haben es 2012 dennoch versucht – und sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen: Was die Menschen im Zusammenhang mit dem Immobilienerwerb langfristig interessiert, ist der nominale Kapitalerhalt. Wenn eine Immobilie über viele Jahre real an Wert verliert, aber nominal das Geld erhalten hat, empfinden sie das als akzeptabel. Das heißt: Die Ansprüche an eine Immobilie, Menschen zufrieden zu machen, sind erheblich niedriger als etwa an eine Geldanlage in Aktien oder Fonds, auch wenn dies auf den ersten Blick merkwürdig erscheint.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Immobilien anders als Aktien nicht sekündlich gehandelt werden und ihre Finanzierung im Gegenzug meist bedeutet, dass die Hauskäufer zwangsweise sparen, verwundert es nicht, dass viele Immobilienbesitzer oft zufriedener sind – und auch erfolgreicher im Vermögensaufbau. Selbst bei gleichem Einkommen gehen sie reicher in Rente als Mieter – und bauen nebenher auch noch mehr Vermögen auf. Es gibt also keinen Grund, sich schlecht zu fühlen, wenn man sich für eine im Vergleich zur Aktie renditeschwächere Anlage entscheidet.

Wichtig ist nur eines: dass man sich entscheidet. Bewusst, in Ruhe und informiert. Womit wir wieder beim simplen Raster und den vier Kästen von Professor Hens aus Zürich wären.

 


Der Beitrag ist in Capital 09/2019 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay