Finanzmärkte Die richtige Strategie für die Geldanlage 2019

Handelssaal an der Frankfurter Börse
Handelssaal an der Frankfurter Börse
© Getty Images
Was der Weltwirtschaft im kommenden Jahr droht – und wie sich Anleger am besten dafür positionieren. Das raten Profi-Investoren für die Geldanlage 2019

Manche hatten auf die Vorweihnachtsrallye gehofft und darauf, dass die Kurse zum Jahresende noch einmal steigen würden. Aber inzwischen ist klar, dass das Gegenteil der Fall ist. Zuletzt hat sich der Abwärtstrend an den Börsen verstärkt, der Ende Juli noch recht zaghaft einsetzte und Anfang Oktober dann richtig Fahrt aufnahm. Inzwischen hat der Deutsche Leitindex Dax so viele Punkte verloren, dass er wieder ziemlich genau auf dem Stand von Ende 2016 angekommen ist. Zwei Jahre zwischenzeitlichen Anstiegs sind also dahin. Kein Wunder also, dass die Stimmung der Börsianer dieser Tage so schlecht ist wie lange nicht mehr. Eine knappe Mehrheit der Profianleger glaubt laut Umfragen daran, dass das Jahr 2019 schlecht laufen wird. Sie sehen eine Abkühlung der Märkte und der Konjunktur kommen. Es sind zwar nur 53 Prozent und damit wenig mehr als jeder Zweite, dennoch ist das Lager der Pessimisten damit so groß wie seit 2008 nicht mehr. Steht Anlegern also 2019 das große Abschwungjahr ins Haus – und wird es noch schlimmer als 2018, das zumindest der Dax mit einem Rückgang von knapp 20 Prozent beendet? Manche halten die schlechte Stimmung derzeit auch für übertrieben.

Zur Erinnerung: 20 Prozent sind jene Marke, bei der Analysten von einer Baisse sprechen. Sinkt der Index um eben diese 20 Prozent, dann ist der Weg nach unten frei. Dann könnte es sein, dass es kein Halten mehr gibt und die Kurse noch weiter absacken. Genau das hatten in den vergangenen Wochen – seit Herbst – ja viele gefürchtet. Und tatsächlich ist sich das Gros der Analysten einig, dass sich die Finanzmärkte derzeit im Abwärtstrend befinden, das lässt sich an den Kurscharts ja auch deutlich ablesen. Nur: Wie stark und lang der derzeitige Rückgang letztlich ausfallen wird, da scheiden sich die Geister. Einige hoffen noch, dass es bei einer Delle bleiben wird und die Kurse bald wieder nach oben drehen, weil die ökonomischen Fundamentaldaten noch nicht auf einen Abschwung hindeuten. Schließlich zeige sich die Konjunktur weiterhin robust und die Zeichen stünden eher auf weiteres Wachstum. Bisher befindet sich die Wirtschaft noch in der Spätphase des Aufschwungs und hat den Scheitelpunkt noch nicht erreicht, das zumindest sagen die Wachstumsdaten vieler Länder. Sie sind in Europa, den USA und weltweit noch positiv. Im besten Fall also könnten die Kurse bald wieder nach oben drehen. Dann nämlich, wenn die Aktionäre wieder an das Szenario glauben, dass sich das Wachstum zwar abschwächt, aber noch kein Abschwung auf breiter Front einsetzt.

Wie wahrscheinlich ist das aber für 2019? Die Statistik versucht das aufgrund historischer Daten zu beziffern und das Ergebnis stimmt zumindest Pimco zuversichtlich, einen der größten Vermögensverwalter der Welt: Grob gesehen befänden wir uns ungefähr in der Mitte der ökonomischen Expansion. Es könnte also noch eine Weile weitergehen, sogar so lange, dass der derzeitige Aufschwung einen Rekord brechen könnte: Im Juli 2019 nämlich wäre der Aufschwung zehn Jahre und einen Monat lang, so lang wie keiner je zuvor. Das würde er schaffen, wenn im ersten Quartal 2019 die Wirtschaft weiter wachsen würde. Wonach bisher alles stark aussieht. Denn der Definition nach müsste es erst zwei aufeinanderfolgende Quartale mit Wirtschaftsschrumpfung geben, bevor klar ist: Der Aufschwung ist beendet, die Rezession ist da. Bisher sieht es danach nicht aus. Und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass 2019 eine Rezession in Amerika einsetze beziffert die Statistik augenblicklich auf 30 Prozent, sagt Pimco. Das ist wenig.

Allerdings auch kein Grund für allzu große Freude, denn nimmt man 2020 mit hinzu, so steigt die Wahrscheinlichkeit für den Abschwung auf insgesamt 90 Prozent. Nach Auswertung der historischen Marktdaten. Der Abschwung wird also wohl spätestens übernächstes Jahr kommen, so viel ist klar. Zudem gibt Portfoliomanager Andrew Bosomworth von Pimco eines zu bedenken: Es müsse keine Rezession geben, damit es an den Märkten zu hoher Volatilität und weiteren Kursabstürzen komme, sondern es gehe auch umgekehrt. Die Kausalität für eine Rezession könnte auch von den Finanzmärkten ausgehen. Das heißt: Käme es an den Märkten zu einem größeren Aktienabschwung oder gar Panikverkäufen (aus welchem Ereignis auch immer), dann setzte automatisch die Rezession ein. Die Verkaufswelle fräße sich also in die Ökonomie hinein. Das klingt weitaus weniger optimistisch. Zumal es bereits 2018 viele eigentümliche Vorfälle gab, vor allem politischer Art, die zwar kleine Börsenschocks auslösten, es aber nicht vermochten, den Markt auf breiter Front abstürzen zu lassen. Das nährt die Furcht, dass ein Ereignis passieren könnte, dass das Zeug hat, einen großen Schock auszulösen.

Zu großer Pessimismus

Dennoch halten einige Marktbeobachter den aktuellen Pessimismus für zu groß. Vorsicht sollte zwar der Grundtenor der Anleger für 2019 sein, aber an den ganz großen Abschwung wollen viele Ökonomen nicht glauben. Zu gut seien noch die Wachstumsaussichten. Zu geschickt verhalte sich zudem die amerikanische Zentralbank Fed. Erst kurz vor Weihnachten hob sie zwar erneut die Zinsen an, verkündete aber, im kommenden Jahr nur noch zwei Zinsschritte vorzunehmen, weil sie bereits eine schwächere Konjunktur erwarte. Das ist gut, denn manche hatten bereits eine Inversion der Zinskurve befürchtet. Dazu wäre es gekommen, wenn die Notenbank weiter aggressiv die Zinsen angehoben hätte. Und historisch gesehen folgt im Nachgang auf eine inverse Zinskurve rund ein bis eineinhalb Jahre später auch eine Rezession, es sinkt das BIP.

Vorerst heißt also die Botschaft: Das Wachstum wird schwächer auch in Amerika, doch eine Schrumpfung ist – noch – nicht in Sicht. Allerdings sind Risiken für die Märkte allgegenwärtig: Italien und Großbritannien könnten Marktschocks auslösen. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat das Zeug, die Märkte zu destabilisieren. Zuletzt machte es die Marktteilnehmer nachdenklich, dass einige Anleihen nicht mehr ohne Probleme platziert werden konnten. Es braut sich also langsam etwas zusammen. Und Rücksetzer bleiben weiterhin möglich. Wie sollen sich Anleger da am besten positionieren?

Die größte Gefahr gehe derzeit eher davon aus, nicht investiert zu sein, finden viele Analysten. Denn was, wenn die Wirtschaft und die Börse einfach weiter wächst – aber man selbst ist nicht dabei? Damit nämlich, so weiß die Verhaltensökonomie, fahren Anleger klassischerweise die größten Verluste ein. Es gibt daher nur zwei sinnvolle Strategien: Entweder man bleibt optimistisch und mit aggressiver Ausrichtung und hoher Aktienquote am Markt vertreten – dann aber braucht man gute Nerven und viel Zeit, um einen möglichen Abschwung abzuwarten. Oder man schichtet das Depot jetzt so um, dass es eine deutlich defensivere Ausrichtung erhält. Das bedeutet Transaktionskosten, aber auch ruhigere Nächte, falls der Absturz wirklich 2019 kommt. Für neu angelegtes Geld gilt diese defensive Positionierung ebenfalls.

In der Praxis heißt das: Den Aktienanteil im Depot am besten reduzieren, je nach Risikoneigung. Wer weiter hohes Risiko fahren will, der bleibt bei einem Aktienanteil von rund 65 Prozent. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, der sollte sich eher an der 35-Prozent-Marke orientieren oder gar bei 20 Prozent einpendeln. Falls Aktienzukäufe geplant sind, dann bieten jetzt europäische Aktien die besten Aussichten, finden Analysten. Bei amerikanischen Aktien – die vermutlich etwas besser performen - tragen europäische Anleger dagegen ein höheres Risiko durch den zusätzlichen Wechselkurseffekt und den schwankenden Dollar. Deshalb sollten sie eher in den Heimatländern bleiben. Und dort vor allem auf Großunternehmen der klassischen Branchen setzen: Versorger, Lebensmittelkonzerne, Pharma. Dagegen gilt es Technologieaktien und Autowerte jetzt eher zu meiden. Vereinzelt sehen Analysten auch Chancen für Aktien aus Schwellenländern, andere finden jedoch: Steigende Zinsen und der steigende Dollar seien keine guten Vorzeichen für Emerging-Markets-Aktien.

Gefragte US-Staatsanleihen

Den Anleihenanteil erhöhten zuletzt viele Profi-Investoren in ihren Depots. Kurzlaufende Staatsanleihen aus den USA waren gefragt. Europäische Staatsanleihen ebenfalls. Generell gilt: Wer stark auf Nummer Sicher gehen will, kauft deutsche Bundesanleihen und setzt damit zwar nicht auf hohe Zinsen, sondern auf Kursgewinne durch den Verkauf vor Fälligkeit. Bei italienischen Staatsanleihen und jenen aus europäischen Peripherieländern dagegen steigen die Spreads, also die Zinsen. Allerdings ist bei ihnen auch das Risiko höher.

Manche Marktbeobachter raten auch zu Rohstoffen, insbesondere Edelmetallen wie Gold oder Öl zur Diversifikation. Solche Ratschläge sind mit Vorsicht zu genießen. Je größer der Öl-Anteil im Depot, desto höher ist auch das Risiko im Portfolio. Denn sein Preis schwankte zuletzt wieder stark und korreliert zudem stark mit dem Aktienmarkt. Auch das Gold sackte im laufenden Jahr zusammen mit den anderen Kursen ab. Zudem bewies auch dieser Markt 2018, wie stark er von Spekulanten getrieben wird, zumal er sehr klein ist: Zwischenzeitlich schwankte der Goldkurs um über 200 Dollar auf und ab. Selbst tageweise lässt sich bei ihm ein starkes Zickzackmuster erkennen. Für Vorsichtige und Nervenschwache ist das eher nichts.

Nun könnte man sich eines fragen, wenn man die Stichworte Aktien, Anleihen und Rohstoffe liest: Wäre da nicht ein Mischfonds das Mittel der Wahl für 2019? Viele Anleger glaubten das zumindest dieses Jahr und steckten wieder viel Geld in solche Produkte, die auf Neudeutsch oft Multi Asset Income Funds heißen oder ähnlich. Mit zweifelhaftem Erfolg, wie die Ratingagentur Morningstar ermittelte, vor allem aus einem Grund: Viele Mischfonds gehen zurzeit hohe Risiken ein. Vor 2008 waren vier Prozent Rendite oder jährliche Ausschüttungen nach Kosten mit Mischfonds gut machbar. Um das heute noch zu erzielen, müssen diese Fonds entweder vermehrt in riskantere Anleihen anlegen, die eine kürzere Duration bedeuten oder eine schwächere Bonität, oder beides. Ein großer Anteil Hochzinsanleihen stecke in vielen Mischfonds. Dennoch gelang es laut Morningstar von 270 Fonds nur einem einzigen, den Marktindex tatsächlich zu schlagen. 269 schafften es also nicht.

Da sollten Anleger lieber selbst tätig werden, indem sie zwei Indexfonds kaufen: Einen ETF auf den Barclays Euro Aggregate Anleihenindex und einen ETF auf den MSCI World. Wer sich jetzt vorsichtig positionieren will, der wählt das Verhältnis 75 Prozent Anleihen zu 25 Prozent Aktien. Wer mutiger ist, packt mehr Aktienanteile ins Depot. Und dann ... kann 2019 kommen.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel