GeldanlageGeld vom Schwarm

Wohin geht man, wenn man sich Geld leihen möchte? Früher gab es auf diese Frage nur eine Antwort: zur Bank. Mittlerweile können Privatpersonen und Unternehmen auch im Internet Kredite bekommen. Seit einigen Jahren gehen immer mehr Internetplattformen an den Start, auf denen man sich Geld leihen kann, ohne eine Prüfung durch die Hausbank über sich ergehen zu lassen. Das Konzept heißt Crowdlending. Dabei tun sich viele Geldgeber zusammen, um gemeinsam Darlehen auszugeben. Findet die Kreditvergabe von privat an privat statt, spricht man auch von Social Lending oder Peer-to-Peer-Krediten (P2P). Plattformen, die Geldgeber und Kreditnehmer zusammenbringen, verdienen in der Regel an Vermittlungsgebühren.

Crowdlending-Geschäfte verlangen einen Vertrauensvorschuss von allen Beteiligten. Skandale sind bisher allerdings ausgeblieben, das Geschäft mit den Online-Krediten läuft gut. Marktbeobachter spekulieren bereits darüber, ob Geldverleiher im Internet den etablierten Banken Konkurrenz machen. Noch ist es nicht so weit. Wächst der Crowdlending-Markt so rasant weiter wie bisher, müssen sich traditionelle Kreditinstitute aber bald warm anziehen.

Auxmoney ist Marktführer

Marktführer unter den deutschen Crowdlending-Plattformen ist nach eigenen Angaben das Unternehmen Auxmoney, gegründet im Jahr 2007. Im ersten Halbjahr 2014 haben Anleger über Auxmoney Kredite in Höhe von 24,2 Mio. Euro vermittelt. Privatpersonen können über das Portal Darlehen bis zu 25.000 Euro aufnehmen, zum Beispiel, um neue Möbel oder einen Computer zu kaufen, zur Ausbildungsfinanzierung oder Existenzgründung. Kreditnehmer sollten über ein festes Einkommen verfügen und müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, es darf etwa kein Haftbefehl gegen sie vorlegen. Je nach Bonität zahlen sie 2,9 bis 15,25 Prozent Zinsen. Geldgeber sind ab 25 Euro dabei, ihnen stellt Auxmoney durchschnittliche Renditen bis zu 15 Prozent in Aussicht. Dafür zahlen sie einmalig ein Prozent ihrer Anlagesumme als Bearbeitungsgebühr.

Nach Kritik an hohen Gebühren und mangelnder Transparenz für Kreditnehmer modifizierten die Betreiber des Online-Marktplatzes im vergangenen Jahr ihr Geschäftsmodell. Und sie forcierten ihren Wachstumskurs: Ende 2013 stiegen die US-Investoren Index Ventures und Union Square Ventures bei Auxmoney ein und pumpten insgesamt 12 Mio. US-Dollar in das Unternehmen.

Hinter Lendico stehen die Samwer-Brüder

Die größte Konkurrenz für Auxmoney kommt derzeit von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer, die kurz nach der Jahrtausendwende mit dem Klingeltonanbieter Jamba bekannt geworden sind. Ihr P2P-Portal Lendico ging im vergangenen Jahr an den Start. Kreditsuchende müssen dort Gehaltsabrechnungen und Kontoauszüge einreichen, erklären, wofür sie Geld benötigen, und können sich dann bis zu 25.000 Euro leihen. Je nach Risikoklasse werden dafür 2,43 bis 14,72 Prozent Zinsen fällig. Den Anlegern verheißt Lendico je nach Zinssatz zwischen 2,0 und 9,23 Prozent Rendite. Sie müssen allerdings ein Prozent Gebühr auf jede erhaltene Zahlung einrechnen.

Noch steht die Plattform ganz am Anfang. Die Samwer-Brüder haben allerdings ihren gewohnt aggressiven Wachstumskurs eingeschlagen: Das Start-up bietet mittlerweile nicht mehr nur in Deutschland Kreditvermittlung an, sondern auch in Polen, Spanien, Südafrika, Österreich und den Niederlanden. Mit Zencap starteten die Brüder darüber hinaus im März 2014 eine zweite Kreditplattform. Im Gegensatz zu Lendico vergibt Zencap Darlehen an kleine und mittelgroße Unternehmen. Diese können sich über die Plattform zwischen 10.000 und 150.000 Euro leihen.

Die Nachfrage nach P2P-Krediten wird in den kommenden Jahren deutlich steigen, sind Marktbeobachter überzeugt. Denn das Antragsverfahren ist längst nicht so aufwändig wie bei traditionellen Geldhäusern. Dafür nehmen Kreditsucher sogar in Kauf, höhere Zinsen und Gebühren zu zahlen als bei ihrer Hausbank. Ein Selbstläufer sind Online-Kredite allerdings nicht, schließlich müssen potenzielle Kreditnehmer die Investorengemeinde von ihrem Anliegen überzeugen. Bei den meisten Crowdlending-Plattformen fallen bisher rund acht von zehn Kreditanträge durch.

Die größten deutschen Crowdlending-Plattformen

Auxmoney: Kredite bis 25.000 Euro für Privatpersonen.
Lendico: Kredite bis 25.000 Euro für Privatpersonen.
Zencap: Kredite bis 150.000 Euro für kleine und mittelgroße Firmen.
Finmar: Kredite bis 25.000 Euro an Privatpersonen, aber nur für Geschäftszwecke.