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Dani Parthum Paarfinanzen: Denken Sie die Ehe vom Ende her

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Verliebt sein ist leicht, das Leben gemeinsam zu gestalten dagegen herausfordernd. Beziehungen und Ehen zerbrechen. Wer für diesen Fall das Finanzielle am Anfang geklärt hat, vermeidet Rosenkriege, finanzielle Abhängigkeiten und Armut

Über Geld reden ist doch so was von unromantisch!“ Das ist eine weit verbreitete Aussage, die in Diskussionen um Geld immer noch ausgesprochen wird. Ein Vorwand. Ziehen Männer in Diskussionen über Geld die Romantikkarte, wollen sie Druck aufbauen, um über ihre eigentlichen Gefühle nicht reden zu müssen. Vermeiden Frauen in Beziehungen Diskussionen um Geld, weil sie ja unromantisch seien, scheuen sie sich, für ihre Bedürfnisse und damit für sich einzutreten. Zumindest ist das meine Erfahrung.

Geld ist eine Sache, über die verhandelt wird

Dabei haben Geld und Romantik unmittelbar nichts miteinander zu tun. Sind wir romantisch, verklären wir die Wirklichkeit, schwärmen, idealisieren. Ein wunderbarer Zustand. Bis wir aufwachen und die Wirklichkeit so sehen, wie sie ist. Geld dagegen ist eine Sache. Eine Sache, über die verhandelt wird. Paarberater Michael Mary hat das sehr anschaulich in seinem Buch „Liebes Geld. Vom letzten Tabu in Paarbeziehungen“ beschrieben und wie wir als Paar offen über Geld reden können.

Allerdings verhandeln wir beim Geld immer auch unsere eigenen Wünsche ans Leben mit, an den Partner, die Partnerin; Reden über Geld spiegelt persönliche Werte wider, unsere Ansichten über Rollenerwartungen, die Haltung zu Geld und die Art, wie wir großgeworden sind. Wir lernen uns bei Gesprächen über Geld gegenseitig besser kennen.

Das ist das emotionale Argument für offene Gespräche über alles Finanzielle.

90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen

Das partnerschaftliche Argument ist die Sachlage und Realität – vor allem für Frauen, wenn sie Mütter sind. 90 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen. 2021 zogen also 1,35 Millionen Mütter ihre minderjährigen Kinder allein groß und sind dadurch armutsgefährdet. Auch deshalb, weil ein Großteil der Väter keinen Kindesunterhalt zahlt oder nur sporadisch. 2020 zahlte der Staat an etwa 850.000 Kinder einen Unterhaltsvorschuss, weil die Väter ihrer Pflicht nicht nachkamen. Tendenz steigend.

Frauen erhalten zudem im Durchschnitt weniger als 700 € gesetzliche Rente. Weil sie wegen Kindererziehungszeiten oft lange kein eigenes Geld verdienen und deshalb auch keine Rentenpunkte sammeln. Die Kompensation durch einen privaten Vermögensaufbau ist selten. Viele Mütter arbeiten auch lange in Teilzeit mit niedrigen Einkommen und geringen Rentenansprüchen.

Für Frauen kann es also zur existentiellen Bedrohung werden, wenn sie mit ihren Partner:innen vor der Ehe und vor dem Zusammenziehen und Kinderkriegen nicht die Finanzen und finanzielle Kompensationen für die Mutterschaft geklärt haben.

Denken Sie Ihre Beziehung immer vom Ende her

Deshalb: Liebe Frauen, denken Sie Ihre Beziehungen immer vom Ende her. Und bitte auch Sie als Mann. Natürlich gibt es Paare, die im größten Trennungsschmerz fair miteinander umgehen und sich gegenseitig stützen, Kindesunterhalt natürlich gezahlt wird und die Kinder gemeinsam großgezogen werden. Die Statistik aber zeigt für viele Paare andere Realitäten.

Reden Sie also über Geld gleich beim ersten Zusammenziehen: Wie organisieren wir das mit den Ausgaben? Wer bezahlt was und in welcher Höhe von seinem Einkommen? Gibt es ein gemeinsames Girokonto für Familienausgaben und jeder behält sein eigenes Konto? Oder schmeißen wir alle Finanzen zusammen?

Kinder und Finanzen vorher besprechen

Ist ein Kind geplant, reden Sie vorab darüber, wie das finanziell gewuppt werden kann. Bleiben beide zuhause und beziehen Elterngeld? Arbeiten danach beide in Teilzeit oder nur einer? Und wie werden für denjenigen, der für die Familie kürzertritt, die finanziellen Nachteile ausgeglichen? Wieviel Geld wird vom gemeinsamen Einkommen in den privaten Vermögensaufbau investiert?

Und was passiert bei Trennung oder Scheidung? Besonders bei Paaren, die unverheiratet sind, ist gut beraten, vor dem Kinderkriegen zu klären, wer was finanziell trägt, gerade bei einer Trennung. Denn unverheiratete Paare haben keine gesetzlichen Ausgleichsansprüche gegeneinander wie verheiratete Paare als Zugewinngemeinschaft.

Mit Ehe- oder Partnerschaftsvertrag sich gegenseitig absichern

Ehepaare können in einem Ehevertrag zusätzlich zu gesetzlichen Ansprüchen Kindesunterhalt und Unterhalt für die Partner:in vereinbaren, um Nachteile durch Teilzeit auszugleichen. Auch ein gleichwertiger Vermögensaufbau lässt sich regeln. Unverheiratete können in Partnerschaftsverträgen Absicherungen vereinbaren – für Unterhalt, Vermögensaufbau, Trennungszeit.

Sie möchten das Thema Finanzen endlich selbst in die Hand nehmen? Die wichtigsten Grundlagen  vermitteln Dani Parthum und drei weitere Expertinnen beim Online Coaching Programm „BRIGITTE Academy Masterclass Finanzen“. Einfach, ganzheitlich und direkt umsetzbar – auch ohne Vorwissen! Hier erfahren Sie mehr.
Sie möchten das Thema Finanzen endlich selbst in die Hand nehmen? Die wichtigsten Grundlagen  vermitteln Dani Parthum und drei weitere Expertinnen beim Online Coaching Programm „BRIGITTE Academy Masterclass Finanzen“. Einfach, ganzheitlich und direkt umsetzbar – auch ohne Vorwissen! Hier erfahren Sie mehr.

Entwerfen Sie als Paar einen gemeinsamen Plan. Verhandeln Sie Ihre Positionen und was Sie gern hätten, was Sie erwarten und Sie bereit sind zu geben, wie Sie es sich vorstellen, wenn sie Tisch und Bett wieder trennen und die gemeinsamen Kinder großziehen.

Denken Sie nicht, das ergibt sich schon. Tut es nicht. Am Ende einer Ehe werden die Finanzen immer verhandelt, unter großem, emotionalen Stress, spätestens von Scheidungsrichter und Scheidungsrichterinnen. Regeln Sie in der größten Liebe das Finanzielle lieber selbst, bevor Sie zusammenziehen, Kinder in die Welt setzen, heiraten. Sich gegenseitig verantwortungsbewusst abzusichern ist Liebe. Wer das Reden darüber ablehnt, wird sich am Ende einer Beziehung auch nicht fair auseinandersetzen wollen.

Dani Parthum ist Diplom-Ökonomin, Geldcoach, Finanzbloggerin und Buchautorin. Unter der Marke Geldfrau unterstützt sie Frauen dabei, ihre Angst vor Finanzen abzulegen und für sich selbst Strategien zu entwickeln, selbstbestimmt mit Geld umzugehen und Vermögen aufzubauen. Ihre gesammelten Kolumnen für Capital finden sich hier.


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