FondsFondstreue bis die Rendite uns scheidet

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Squad Capital ganz vorne

Geht es nur nach der Jahresperformance, dann müsste der DWS Deutschland in den Ranglisten ganz weit oben stehen, er schaffte nämlich knappe 19 Prozent Rendite. Ein stolzes Ergebnis für einen beliebten und vor allem großen Fonds. Noch besser allerdings war ein recht unbekannter Fonds, er schnitt gigantisch ab. Der Squad Capital schaffte immerhin 27 Prozent Rendite. Mal sehen, wie stark er nun 2018 von den Anlegern gesucht werden wird.

Entscheidend ist aber nicht, wie stark die Fonds in diesen Einzeljahren waren, sondern auf welche Langfristentwicklung sie kommen. Was sie also ihren wirklich treuen Investoren bieten können. Und da offenbaren sich nun größere Verschiebungen. Erstaunlicherweise ist in dieser Kategorie ist ebenfalls der Squad Capital ganz vorne dabei, der in den vergangenen fünf Jahren eine Performance von über 20 Prozent pro Jahr aufweisen konnte. Das klingt nicht nur enorm, sondern das ist es auch und verdoppelte das Kapital innerhalb dieser Zeit glatt. Man muss allerdings auch dazu sagen, dass der Squad in der Liste der beliebtesten Produkte eine Sonderrolle einnimmt: Während die übrigen Fonds vorwiegend als ausgewogene oder aggressive Mischfonds unterwegs sind, die typischerweise Aktien von Großkonzernen halten, also Large Caps, hat sich der Squad auf europäische Nebenwerte spezialisiert, die günstig bewertet sind. Auf wenig kapitalisierte Werte zudem. Dadurch hat er natürlich ein erheblich größeres Aufwärtspotenzial. Bei ihm wird es erst interessant zu beobachten, wie gut er sich in einer Abwärtsphase des Marktes schlagen wird.

ETFs schlagen Mischfonds

Doch auch einige der Klassikfonds warteten mit einer stolzen Wertsteigerung auf. Immerhin 75 Prozent in fünf Jahren kann der DWS Deutschland vorweisen, der damit tatsächlich auch langfristig zu den Fonds gehört, bei denen es sich lohnte, ihnen die Treue zu halten. In der Langfristbetrachtung schnitt ebenfalls der 2017 stark schwächelnde DWS Top Dividende gut ab mit 50 Prozent Kursplus auf fünf Jahre gesehen. Der Flossbach von Storch, der zwar gefragter ist, aber 2017 wirklich nicht zu den Besten gehörte, kam auf etwas weniger, aber immerhin auf ansehnliche 40 Prozent seit 2012.

Solche Dauervergleiche zeigen, dass das Festhalten durchaus seinen Wert haben kann – und dass ein voreiliges Abziehen des Kapitals aus solchen Papieren in einem Schwächejahr auch nicht immer die beste Lösung ist. Abgehängt scheint allerdings tatsächlich der Carmignac, der nun mehrere Schwächejahre hinter sich hat. Er schaffte nur eine Rendite von rund 16 Prozent im Fünfjahreszeitraum, landet aber bei der Beliebtheit immer noch auf Platz vier. Das verwundert. An dieser Stelle scheinen wirklich Zweifel an der Beständigkeit der Anleger angebracht.

Die Lehre aus diesen Zahlen müsste lauten: Festhalten lohnt sich, aber auch Klassiker gehören ab und zu auf den Prüfstand. Vor allem, wenn hochgelobte Mischfonds sich einige Jahre nur noch im Mittelfeld der Renditeranglisten bewegen, sollten selbst treue Fondssparer einmal darüber nachdenken, ob sie sich zur Abwechslung nicht auch mal Passivfonds in ihr Depot legen wollen. Denn einen anderen Vergleich haben die Analysten auch angestellt, indem sie sozusagen einen Mischfonds der Marke Eigenbau aufsetzten und sich zwei Indexfonds ins Depot legten. Einen Aktien-ETF auf den MSCI World und einen Anleihen-ETF auf den Barclays Euro Aggregate Bond. Das Depot ließen sie von 2012 bis heute laufen. Die Renditen verglichen sie mit der Fünfjahres-Wertentwicklung des breiten Felds ausgewogener Mischfonds und flexibler Mischfonds. Das Ergebnis war eindeutig: Während das Feld der aktiven Mischfonds auf Renditen zwischen 4,3 und 5,2 Prozentpunkte pro Jahr kam, legte das ETF-Misch-Depot eine Rendite von 9,3 Prozentpunkten pro Jahr hin. Die Performancelücke war also nicht nur gewaltig, sondern sie belegten dadurch eindrucksvoll, dass sich auch völlig ohne jegliches Handeln und Managen eine Rendite von über 46 Prozent seit 2012 ergeben hätte. Das schaffte locker die Hälfte der beliebtesten Fonds der vergangenen Jahre in dieser Höhe nicht. Und das ist nun sicher kein Kompliment für die großen und gefragten Fondsgesellschaften.