AktienVorsicht bei Managerwechseln

Die Fondsmanager der Deutschen Asset Management sind üblicherweise gut zu erreichen. Im vergangenen Dezember gab es aber einen Tag, an dem das anders war. Am Nachmittag konnte man bei dem Investmenthaus nur mit Mühe jemanden ans Telefon bekommen. Grund: die große Abschiedsparty für Henning Gebhardt. Der renommierte Spezialist für deutsche Aktien wechselte Ende des Jahres zur Berenberg Bank, wo er die Position des Investmentchefs bekleidet. Der Fonds DWS Aktien Strategie Deutschland, den Gebhardt seit dem Jahr 2000 gemanagt hatte, wird nun von seinem bisherigen Stellvertreter Tim Albrecht verwaltet.

Die Deutsche AM war nicht der einzige Fondsanbieter, der in den vergangenen Monaten einschneidende personelle Änderungen verkraften musste. Vontobel Asset Management verlor im Mai seinen Chief Investment Officer Rajiv Jain. Er hatte das Team für globale Aktien mit aufgebaut und mehrere Fonds erfolgreich gemanagt. Nun führt er in Florida ein eigenes Unternehmen. Wie Gebhardt wurde auch er bei Vontobel durch seinen langjährigen Stellvertreter ersetzt.

Der britische Fondsanbieter Schroders verlor ebenfalls einen renommierten Manager. Allan Conway, der zehn Jahre lang das Emerging-Markets-Team geleitet hatte, ging im August 2016 in Rente. Pioneer Investments trennte sich Ende vergangenen Jahres von Tanguy Le Saout, dem Leiter des Teams für europäische Anleihen: Dieser hatte gemeinsam mit einem Kollegen eine eigene Vermögensverwaltung gründen wollen. Als ihre Pläne bekannt wurden, suspendierte Pioneer die beiden Manager. Danach verließen sie das Unternehmen.

Bei Pioneer dürften im laufenden Jahr weitere Änderungen anstehen. Das Investmenthaus, das bis dato zur italienischen Großbank Unicredit gehört hatte, ging Ende vergangenen Jahres für mehr als vier Milliarden Euro an den französischen Asset Manager Amundi. Dieser wolle die Belegschaft nach Abschluss der Fusion um rund zehn Prozent reduzieren, berichtet die Fondsratingagentur Morningstar.

Bei Managerwechsel: Engagement im betroffenen Fonds überprüfen

Anleger sollten Managerwechsel zum Anlass nehmen, ihr Engagement im betroffenen Fonds zu überprüfen. Es gilt: Je spezieller ein Fonds konzipiert ist, desto stärker hängt seine Performance an der Person des Managers. Viele Fonds schwächeln nach einem Wechsel zunächst. Manager wollen Fonds, die sie neu übernehmen, oft ihren Stempel aufdrücken. Dieser Prozess läuft nicht immer ohne Verluste ab. Die Analysten von Morningstar haben deshalb bei vielen Fonds, deren Management im vergangenen Jahr gewechselt hat, das qualitative Rating gesenkt.

Ein Managerwechsel ist zwar nicht grundsätzlich schlecht. Neue Manager bringen oft neue Impulse. Wenn sich die Ausrichtung eines Fonds komplett ändert, sollten betroffene Anleger allerdings prüfen, ob das Produkt ihren Bedürfnissen noch gerecht wird. Auch wenn unerfahrene Manager das Steuer übernehmen, ist Vorsicht geboten. Die meisten Investmentgesellschaften setzen bei einem Personalwechsel indes auf verdiente Spezialisten – vor allem, wenn es sich bei dem betroffenen Fonds um ein Flaggschiffprodukt handelt.

Alarmzeichen: Sinken des Fondsvermögens

Bevor sie über die Zukunft eines Fonds in ihrem Portfolio entscheiden, sollten Privatanleger die Geldbewegungen nach einem Managerwechsel im Auge behalten. Sinkt das Fondsvermögen plötzlich signifikant, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas im Argen liegt. Es deutet nämlich darauf hin, dass der neue Manager wichtige institutionelle Mandate verloren hat. Und institutionelle Investoren entscheiden oft auf Grundlage von Informationen, die Privatanlegern verborgen bleiben.

Zu Beginn des neuen Jahres setzt sich das Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel in der Branche bereits fort. Allianz Global Investors übergab die Leitung des ältesten Deutschland-Aktienfonds Fondak, der im vergangenen Jahr seinen 65. Geburtstag feierte, zum Jahresbeginn von Ralf Walter an Thomas Orthen. Wer den Fonds im Depot hat, sollte nun darauf achten, wie sich der Wechsel auf Performance und Volumen des Fonds auswirkt.