LuftfahrtHöhenflug der Airline-Aktien

Boeing 747 der Lufthansa
Boeing 747 der Lufthansa

Zuletzt ging es ganz schön turbulent zu in der Luftfahrtbranche. Gleich mehrere Airlines mussten das Grounding einleiten. Woraufhin die verbliebenen Gesellschaften noch einmal richtig Schub gaben, um die Pleite der Wettbewerber in einen Höhenflug für sich selber umzumünzen. Monatelang rangen die Marktteilnehmer darum, wer nun die Maschinen und Slots der insolventen Firmen, hauptsächlich von Air Berlin, übernehmen dürfe. Und die Aktionäre der mitbietenden Unternehmen schnallten sich schon einmal vorsorglich an und holten die Kotztüten raus. Für den Fall, dass einer der Käufer durch die Übernahme selber ins Trudeln geraten würde. Inzwischen aber hat sich die Lage wieder beruhigt.

Mehr noch: Wenn man den Gesamtmarkt der Luftfahrt betrachtet, dann geht es ihm derzeit so gut wie selten. Zumindest schreibt der internationale Luftverkehr kräftig Rekorde: Die Zahl der Passagiere und verkauften Tickets ist auf einem Höchststand angelangt. Inzwischen sind mehr als vier Milliarden Menschen jährlich am Himmel auf Reisen, sagen die neuesten Zahlen der internationalen Luftfahrtvereinigung (IATA). Im Jahr zuvor waren es erst 3,6 Milliarden, das ist ein Plus von 4,7 Prozent. Die Auslastung steigt ebenfalls und liegt jetzt bei stolzen 81 Prozent pro Maschine, das ist ein Prozentpunkt mehr als bisher. Und jeder Prozentpunkt mehr macht in der Luftfahrt – mit ihren engen Margen – extrem viel aus. Bis zum Jahr 2036 soll sich die Zahl der zurückgelegten Passagierkilometer sogar noch einmal glatt verdoppelt, sagen die Prognosen.

Woran es liegt, dass es der Branche gerade so blendend geht? Vor allem an der guten Konjunktur weltweit. Denn die beflügelt nicht nur die produzierende Wirtschaft, sondern natürlich auch die Transportbranche. Letztere ist ein sehr zyklisches Geschäft. Zudem profitieren die Gesellschaften davon, dass immer mehr Menschen weltweit sich Reisen im Flugzeug leisten können, vor allem in Asien erleben Flugreisen zurzeit einen enormen Aufschwung. Inzwischen ist die Region Asien-Pazifik für ein Drittel des Passagieraufkommens verantwortlich, Europa rangiert mit 26,5 Prozent direkt dahinter und Nordamerika liegt mit 23 Prozent auf Platz drei. Zuletzt lag das Wachstum in diesen drei Regionen bei fünf bis acht Prozent. Wenn es also nicht gerade einen weltweiten Einbruch in der Wirtschaft gibt, dann setzt sich dieser Höhenflug auch noch eine Weile fort, besagen internationale Marktstudien.

Branche steckt Air-Berlin-Pleite weg

Nun heißt aber die steigende Zahl der Passagiere nicht automatisch, dass die Fluggesellschaften mit den vielen Fluggästen auch einen Riesenreibach machen. Denn der Markt ist heiß umkämpft und manche Airline kalkuliert so knapp, dass sie dennoch Mühe hat, sich in der Luft zu halten. Air Berlin musste zuletzt aufgeben und Insolvenz anmelden, obwohl sie durchaus Kundenzulauf hatte. Nur erwirtschaftete sie nicht mehr genug Gewinn damit. Auch der Ferienflieger Niki, eine Air-Berlin-Tochter, gab auf. Bei der Alitalia ist die Luft finanziell schon seit geraumer Zeit dünn, sie gilt als dauerkrisengeschüttelt und sucht einen Käufer. Der Kampf um den immer größer werdenden Kuchen ist intensiver geworden. Zudem spüren die Airlines unmittelbar, dass mit den steigenden Ölpreisen auch das Flugbenzin wieder teurer wird. Das Öl hat sich innerhalb der vergangenen drei Monate immerhin um 18 Prozent verteuert, das treibt die Kosten in diesem Geschäft enorm.

Wie sortiert sich also der Markt neu, vor allem hierzulande? Offensichtlich ist bereits jetzt, dass die Bruchlandung von Air Berlin der Branche nicht geschadet hat, obwohl das zuerst so aussah. Das Angebot brach zunächst um rund 20 Prozent ein, doch bis März werden die übrigen Fluglinien die Lücke mehr als ausgefüllt haben. Denn die hier operierenden Gesellschaften, insbesondere die europäischen Billigfluggesellschaften, weiten zurzeit massiv ihr Angebot auch in Deutschland aus. Ryanair, Easyjet und Eurowings stocken ihre Kapazitäten auf. Sie haben allein zwischen 2011 und 2017 das Sitzplatzangebot in Maschinen hierzulande um 187 Prozent gesteigert, also fast verdreifacht. Und die Expansion ist noch nicht am Ende.