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Dani Parthum Finanztipps treffen Ihre Lebensrealität nicht? Dann „Out of the box“ denken!

Dani Parthum
Dani Parthum
© Tom Salt
Die Lebensrealität vieler Frauen, besonders Mütter, ist immer noch von finanziellen Einschränkungen, Abhängigkeiten und Benachteiligungen im Job geprägt. Das sollte Frauen aber nicht die Energie rauben, für sich selbst einzustehen und ihre Lebensrealität selbst zu bestimmen

Die Aussage klang anklagend: Während eines Vortrages, den ich online über Liquiditätsplanung hielt, schrieb eine Teilnehmerin in den Chat: „Ihre Finanztipps gehen an der Lebensrealität von Frauen vorbei.“ Mehr nicht. Nur dieser Satz. Die Aussage hallte bei mir nach. Die Teilnehmerin nahm offenbar ihre Situation hin, anstatt nach einem Ausweg zu fragen, um ihre Lebensrealität zu verändern.

Was hatte ich überhaupt gesagt? Dass wir eine Balance in unsere Finanzen bringen, wenn unsere grundlegenden, monatlich festen Ausgaben weniger als die Hälfte unseres Netto-Einkommens verbrauchen, also Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Kita-Gebühren, Grundnahrungsmittel. Denn dann können wir 20 Prozent sparen und investieren und haben 30 Prozent unseres Einkommens für ein buntes Leben. Diese Budgetbalance aus 50/20/30 ist eine handfeste Faustregel, die sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt. Sie gibt uns einen Leitfaden an die Hand, wo wir ansetzen können, wenn uns unsere Ausgaben den Hals abschnüren und die Luft zum Atmen und Vorsorgen nehmen.

Statt also hier anzusetzen und mich zu fragen, wie Frau mit wenig Geld und hohen Ausgaben beispielsweise für Miete und Kinder diese Budgetregel im Rauschen des Lebens erfolgreich umsetzen könne, und sie als Frau immer genug Geld hat, auch zum Vorsorgen, kam die Anklage: Die Lebensrealität von Frauen gebe das nicht her.

Wir sind die Gestalterin unseres Lebens

Dass viele Frauen weniger Geld verdienen als Männer ist statistisch zwar immer noch so. Es ist aber kein Automatismus, dass Frauen zu wenig Geld haben für ein finanziell abgesichertes Leben. Und schon gar nicht sollten wir Frauen uns die fatale Passivität leisten zu denken: Die Ausgaben kann ich nicht weiter senken, also nehmen ich es hin. Ist halt so. Meine Antwort: Nein, das ist es nicht.

Wenn ich Sie jetzt wütend mache, gut so. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, holen sich einen Zettel und Stift und schreiben Sie auf, was genau Sie wütend macht. Dann gehen Sie einen Schritt weiter und versehen jede Aussage mit Fragen. Beispiel: Die hat ja keine Ahnung! Von was genau hat „sie“ keine Ahnung? Was ist an meiner Situation besonders? Was wünsche ich mir? Oder: Die Mieten sind halt so hoch! Woran liegt das? Wie kann ich meine Mietkosten senken? Wann hatte ich zuletzt eine Miete, die ich gut bezahlen konnte? Was war damals anders als heute? Solche Reflexionen brauchen wir, um Veränderungen in unserem Denken anzustoßen.

Die Veränderung sind wir selbst: Care-Arbeit abgeben, verhandeln, bilden

Lebensrealitäten lassen sich verändern. Solche Veränderungen fangen immer zuerst bei uns selbst an. Sie lassen uns aktiv werden – persönlich, gesellschaftlich und politisch. Zwar lässt sich im privaten Umfeld nicht alles durch eigenes Zutun lösen, aber einiges, das gerade Müttern finanziell zu schaffen macht.

Sie haben beispielsweise in der Ehe getrennte Konten und die Steuerklasse 5, verdienen deutlich weniger, übernehmen dennoch die Hälfte der Familienausgaben? Oder den gesamten Lebensmitteleinkauf, die Ausgaben für die Kinder? Eine leider sehr weibliche Lebensrealität, die allerdings nichts Partnerschaftliches hat. In einer Partnerschaft werden Ausgaben fair verteilt und Einkommens- und Vorsorgenachteile — etwa durch Teilzeit — untereinander ausgeglichen.

Care-Arbeit bewusst abgeben und Hilfe einfordern, auch das würde den Automatismus durchbrechen, in dem sich viele Frauen wähnen, dass sie für die Arbeiten zuständig sind. Sind sie nicht, nicht allein.

Neu denken: Einnahmen erhöhen, statt resignieren

Sehen Sie auch unbedingt auf die andere Seite der Finanzgleichung, Ihre Einnahmen! Streben Sie danach, mehr Geld zu haben und zu verdienen — durch Bildung, Fortbildung und regelmäßige Gehaltsverhandlungen. Auch das Entwickeln von beruflichen und privaten Zielen hilft dabei, die eigene Lebensrealität zu verändern. Wer dagegen schon zwei oder drei Jobs hat, und es ist immer noch zu wenig Geld da, ist das nicht die Lösung. Dann Innehalten, radikal neu denken, wäre mein Ansatz. Auch, wenn das Angst macht. Womöglich bringt ein Jobwechsel mehr Geld in die Kasse oder eine Umschulung in einen Beruf, der besser bezahlt wird. Sein Leben lang im Mangel zu Hause zu sein, nimmt Lebensfreude. Suchen Sie nach Hilfe, fordern Sie sie ein.

Um dagegen die finanzielle Situation von Alleinerziehenden zu verbessern, meist Mütter, stoßen persönliche Aktionen leider an Grenzen. Hier brauchen wir Verbündete für neue Gesetze, die Väter zur Verantwortung ziehen, wenn die sich weigern, Unterhalt zu zahlen oder den Unterhalt als Macht- und Druckmittel einsetzen. Stecken Sie in der Lage, machen Sie andere darauf aufmerksam, unterstützten Sie Organisationen und Vereine, die die Situation verändern wollen.

Veränderungen brauchen freilich Zeit. Nur wir selbst können sie in unserem Leben anstoßen. Suchen wir uns Hilfe, im Freundes- und Familienkreis, von staatlicher Seite, bei Organisationen, in Büchern und Gesprächen. Finanziell belastende Lebensrealitäten als gegeben und unveränderlich hinzunehmen schwächt uns. Machen wir uns stark durch Veränderungen!

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