GastbeitragFestgeldzinsen: Wohin nur mit all dem Geld?

Symbolbild Geldanlage dpa

Sparen macht keinen Spaß mehr. Wer Wert auf Sicherheit legt und dennoch keine Verluste einfahren will, braucht inzwischen einen langen Atem. Deutsche Einlagesicherheit und Zinsen in Höhe der für April erwarteten Inflationsrate (1,8 Prozent) bekommen nur Kunden, die willens sind, ihr Geld für mindestens zehn Jahre bei der Bank zu parken.

Eine solch langfristige Festlegung ist im Moment allerdings wenig sinnvoll. Immerhin deutet einiges darauf hin, dass die Europäische Zentralbank (EZB) allmählich das Ende der absoluten Niedrigzinspolitik einläutet. Eine Festgeldanlage von drei Jahren sollte daher das Höchste der Gefühle sein – auch wenn die Konditionen nicht allzu attraktiv sind.

In Deutschland erhalten Sparer für drei Jahre fest gerade einmal 1,10 Prozent Zinsen. Wer sein Geld über einen Vermittler ins europäische Ausland schickt, kann im Höchstfall zwar bis zu 1,7 Prozent erhalten. Dafür aber müssen sich Kunden mit der Einlagensicherung Tschechiens bescheiden. Das ist nicht jedermanns Sache, auch wenn nach den Buchstaben des Gesetzes in jedem EU-Land 100.000 Euro pro Sparer abgesichert sind.

Fast schon die Regel: Mit Festgeld Geld vernichten

Wer sein Geld nur für ein oder zwei Jahre festlegen will, muss sich derzeit grundsätzlich mit Renditen weit unterhalb der Inflationsrate bescheiden. Letztere soll sich nach dem Willen der EZB möglichst bald bei zwei Prozent einpendeln

Die Hoffnung, dass sich spätestens dann etwas an den mickerigen Fest- und Tagesgeldzinsen ändert, sollten Sparer allerdings begraben: Zwar spricht viel dafür, dass die EZB ihre Anleihekäufe weiter reduzieren und irgendwann sogar einstellen wird. Danach könnte sie beginnen, den Negativzins zu reduzieren und irgendwann im nächsten Jahr vielleicht auch die erste kleine Leitzinserhöhung vornehmen. Wann genau das geschieht, kann derzeit aber niemand seriös vorhersagen. Fest steht allein: Bis dahin wird es beim Fest- und Tagegeld keine nennenswerten Zinserhöhungen geben.

Macht doch, was ihr wollt!

Sparer stellt das vor die schwierige Frage, wie sie auf das unschöne Marktumfeld reagieren sollen. Mehrere Optionen sind denkbar.

Variante eins: Loslassen. Wer sich damit abfindet, dass die Kaufkraft seiner Ersparnisse nach Abzug der Inflationsrate sinkt, beweist Gelassenheit und starke Nerven. Dafür allerdings zahlt er einen hohen Preis. Bei zwei Prozent Inflationsrate und 0,5 Prozent Verzinsung sinkt die Kaufkraft von 30.000 Euro innerhalb von drei Jahren auf 28.670 Euro.

Variante zwei: Den Nachbarn vertrauen. Wer bereit ist, sein Geld über einen Vermittler im europäischen Ausland Geld anzulegen, kann seine Verluste erheblich minimieren. Die Verzinsung für dreijähriges Festgeld mit französischer Einlagensicherung liegt immerhin bei 1,3 Prozent, die Kaufkraft der besagten 30.000 Euro sinkt in dieser Zeit also nur auf 29.375 Euro.

Variante drei: Neue Wege gehen. Nur, weil man auf Sicherheit Wert legt, heißt das nicht, dass Aktien keine Option sind. Als Alternative zum Festgeld können Sparer ihre 30.000 Euro entweder in zwei, drei Investmentfonds einzahlen oder, wenn sie den Fähigkeiten der Fondsmanager misstrauen, auf einen Indexfonds (ETF) zu setzen. Wer bereit ist, beim Festgeld für längere Zeit auf sein Erspartes zu verzichten, ist schließlich auch in der Lage, zwischenzeitlich mögliche Kursverluste auszusitzen.

Erlaubt ist, was gefällt

Wichtig ist es, die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Anlageform nicht nur nach streng mathematischen Kriterien zu treffen: Eine bewusste Inkaufnahme von Verlusten kann für einen extrem sicherheitsbewussten Sparer ebenso richtig sein, wie das kalkulierte Risiko, dass der Renditejäger auf sich nimmt, wenn er in Fonds investiert. Welche Entscheidung sich am besten gerechnet hat, zeigt sich ohnehin erst am Ende der Laufzeit.

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