FondsETFs - synthetisch oder physisch?

Blackrock-Händler in LondonDavid Vintiner

#1 Welche Formen der Indexabbildung gibt es bei ETFs?

Die ETF-Anbieter kaufen entweder die im Index enthaltenen Wertpapiere direkt. In diesem Fall spricht man auch von „physischer Replikation“ eines Index. Oder aber sie statten den ETF mit Derivaten aus (in der Fachsprache Swaps), welche die Indexentwicklung nachvollziehen. Dann spricht man auch von einer „synthetischen“ Abbildung eines Index.

#2 Welche Indexabbildung ist populärer?

Die physische Nachbildung, mit steigender Tendenz. Derzeit nutzen knapp 60 Prozent der rund 1300 ETFs in Deutschland diese Variante, die übrigen 40 Prozent Derivate. Bezogen auf die investierten Vermögen beträgt das Verhältnis sogar 75 zu 25 für physische Abbildung. Hintergrund: Immer mehr Anleger wollen, dass in ihrem ETF auch tatsächlich die Wertpapiere des Index stecken, dem er folgt. Daher stellen auch die Anbieter ihre Produktpalette nach und nach um.

#3 Was steckt in den synthetischen ETFs?

Das ist verschieden, in der Regel stecken in den ETFs aber ein oder mehrere Derivate, welche die Indexabbildung sicherstellen. Anschließend wird der ETF noch mit Wertpapieren aufgefüllt. Sie haben nicht zwingend etwas mit dem Index zu tun und sind für die Kursentwicklung des ETF nicht von Bedeutung. Stattdessen dienen sie quasi als Sicherheit und sollen die Anforderungen an das Sondervermögen des Fonds erfüllen. Einer der größten synthetischen ETFs in Deutschland ist etwa der des US-Anbieters Source auf den S&P-500-Index. Er bildet mit Swaps den US-Aktienindex nach, im Fondsvermögen stecken aber paradoxerweise ein gutes Drittel deutsche Aktien.

#4 Sind ETFs mit synthetischer Indexabbildung riskanter?

Nein, das lässt sich nicht verallgemeinern. Sie schneiden in der Indexabbildung nicht schlechter ab. Die Solvenz der Parteien im Derivategeschäft und die hinterlegten Sicherheiten werden laufend überprüft. Hinzu kommt: Auch die physisch replizierenden ETFs engagieren sich in Termingeschäften. So generieren sie beispielsweise Zusatzerträge (die sie mit ihren Anlegern teilen müssen), indem Wertpapiere gegen Zinsen verliehen werden – etwa an Leerverkäufer, die auf fallende Kurse spekulieren. Bei diesen Transaktionen gibt es das Risiko, dass die Gegenpartei des Verleihgeschäfts pleitegeht – aber auch dieses Risiko wird permanent überwacht, die Sicherheiten werden angepasst.

#5 Wie Häufig wird die Wertpapierleihe bei physisch replizierenden ETFs betrieben?

Das ist sehr unterschiedlich und geht direkt nur aus den Jahresberichten hervor. So waren etwa im 8 Mrd. Euro schweren Dax-ETF iShares Core Dax UCITS ETF (DE) laut letztem Jahresbericht keine Aktien verliehen. Im rund 5,5 Mrd. Euro schweren ETF des gleichen Anbieters Blackrock auf den Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets waren hingegen Aktien im Wert von 800 Mio. Euro gegen Zinsen verliehen. Diesen Ertrag müssen sich Anbieter und Anleger teilen.