EnergieaktienWas die Innogy-Zerschlagung für Anleger bedeutet

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#3 RWE wird zum Risikowert

Zwar übernimmt RWE im Zuge des Deals die Ökostromsparten von Innogy und Eon, aber der Konzern behält auch seine herkömmlichen Kohlekraftwerke, etwa im rheinischen Braunkohlerevier zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach.

Noch gibt es auf dem Strommarkt Überkapazitäten in der Erzeugung, der Preis war deshalb zwischenzeitlich kollabiert. Immer mehr Versorger legen deshalb ihre Kohle- und Gaskraftwerke still. Aber Deutschland wird die konventionellen Anlagen an dunklen, kalten und windarmen immer noch brauchen, damit Strom weiterhin verlässlich fließt. RWE könnte dann einer der wenigen Konzerne sein, die solche Anlagen betreiben und entsprechend daran verdienen.

Das gilt insbesondere, wenn sich die Politik dazu durchringt, Betreibern von Großkraftwerken Geld zu zahlen, um die Anlagen jederzeit betriebsbereit zu halten und die Versorgung zu sichern. Wenn ein solcher Kapazitätsmarkt kommt, beispielsweise nach der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022, würde RWE auch an den konventionellen Kraftwerken verdienen, obwohl sie nur an wenigen Tagen laufen, was der Aktie helfen könnte.

Darauf spekulieren Anleger, wenn sie jetzt ein RWE-Papier kaufen, gleichwohl ist offen, ob die Wette aufgeht. Womöglich bekommt RWE nur einen Teil seiner Reserve-Kraftwerke vergütet – oder nur mit einer Pauschale, die keine allzu üppigen Gewinne erlaubt.

#4 Ökoanlegern droht der Kohlekoller

Mit Innogy und Eon konnten Anleger auf zwei große, liquide und dividendenstarke Werte setzen, die ausschließlich Ökostrom erzeugten. Doch wenn es bald mit Innogy vorbei ist und Eon nur noch in Netzen und im Vertrieb macht, fehlt ein großer Ökostromerzeuger an der Börse. Anleger müssen sich mit dem Öko-Kohle-Mischmasch von RWE zufriedengeben.

Gleichzeitig dürfen Investoren durchaus mal ein Fragezeichen machen, inwiefern RWE den Ausbau der Erneuerbaren vorantreibt. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz ist bislang nie als Grünstrom-Freund aufgefallen, sondern als Kohle-Anhänger.

Dieser Kohlefokus birgt ein großes Risiko für die RWE-Aktie. An den Finanzmärkten setzt sich immer stärker der Trend zu nachhaltigen Investitionen durch. Ein Unternehmen mit etlichen Kohlekraftwerken und Tagebauen läuft Gefahr, von einer wachsenden Zahl von Großanlegern aufgrund strenger Nachhaltigkeitsregeln grundsätzlich gemieden zu werden.


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