AktienElektromobilität verleiht dem Aktiendepot Schubkraft

Der Trend zur Elektromobilität heizt die Nachfrage nach Batterien an. Hersteller und Aktionäre können profitierendpa

Angetrieben werden die Börsen immer von irgendetwas. Doch selten stehen sie so unter Strom wie zurzeit, und das ist tatsächlich wörtlich zu nehmen: Denn inzwischen hat sich der zweite größere Stromspeicherhersteller und Batterieproduzent an die Börse gewagt. Innerhalb kürzester Zeit hat damit nicht nur Varta seinen Börsengang vollzogen, der lang erwartet wurde und in der vergangenen Woche erfolgt ist, sondern nur Tage zuvor wagte sich bereits Voltabox aufs Parkett. Für beide war es kein leichter Schritt. Für Voltabox nicht, weil bisher kaum jemand das junge Unternehmen aus dem ostwestfälischen Delbrück kennt. Wer weiß schon, dass sich dahinter ein Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien verbirgt, der mit seinen Voltboxen einer der Hauptantreiber von industriellen Elektrofahrzeugen ist? Und für Varta auch nicht, diesen Namen kennt zwar fast jeder Bundesbürger und jeder verbindet ihn auch mit Batterien, dennoch war der Respekt vor dem Börsengang selbst bei diesem Traditionskonzern groß.

Denn er wollte ihn eigentlich schon im Herbst vergangenen Jahres wagen, blies seine Rückkehr an die Börse jedoch im letzten Moment wieder ab. Wegen des ungünstigen Börsenumfelds, wie es damals hieß. Davon kann heute nicht mehr die Rede sein: Inzwischen eilen die Börsenindizes von Rekord zu Rekord. Zudem diskutiert die deutsche Wirtschaft über kaum eine Frage so intensiv wie über Antriebstechnologien – vor allem von Autos. Und dabei geraten statt der herkömmlichen Verbrennungsmotoren nun immer stärker die Batterien in den Vordergrund. Der Dieselskandal und seine Folgen haften nämlich als großer Makel an der gesamten Automobilindustrie, was aber dafür nun einen anderen Teil der Branche beflügelt. Jenen Teil nämlich, den viele für den großen Hoffnungsträger halten: die Elektroautobauer. Viele Marktbeobachter und Ökonomen sagen sogar, das Jahr 2017 sei das Jahr, in dem die Elektromobilität endgültig ihren Durchbruch schafft. Ob das tatsächlich auch so in den Geschichtsbüchern stehen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Günstiger als momentan könnte das Umfeld nicht sein für Unternehmen, die auf diesem Gebiet tätig sind.

Und das sind einige. Es gibt nämlich längst nicht nur Varta und Voltabox, auch wenn die beiden Batteriebauer die ersten waren, die nun gewaltige Geldsummen an der Börse abgeschöpft haben. Varta sammelte 150 Mio. Euro an frischem Kapital ein, mit dem es sein weiteres Wachstum finanzieren kann, hauptsächlich im Geschäftsfeld der Microbatterien aber auch im Bereich größerer Energiespeicher. Insgesamt kommt es derzeit auf einen Börsenwert von rund 670 Mio. Euro, im vergangenen Jahr war es Investoren nur 520 Mio. Euro wert. Und Voltabox notiert derzeit bei rund 500 Mio. Euro Firmenwert, obwohl der Umsatz des Unternehmens gerade einmal bei rund 25 Mio. Euro liegt. Der soll sich aber jährlich etwa verdoppeln, so lauten die Prognosen. Das Geld aus dem Börsengang will Voltabox in Wachstumsmärkte stecken. Künftig will es sich stärker dem Bau von Batterien für elektrische Landwirtschaftsfahrzeuge widmen ebenso für Flughafenvorfeldwagen. Die Aktien beider Unternehmen waren mehrfach überzeichnet, rangierten deshalb am absolut oberen Ende des Ausgabepreises und legten schon bei der Erstnotiz satt zu. 33 Prozent Kursplus standen am Ende des ersten Handelstages auf dem Voltabox-Kurszettel. Das sind Zahlen, von denen Börsianer sonst nur träumen.

Tesla-Aktie kommt nicht mehr voran

Die Debüts von Varta und Voltabox zeigen, dass das Thema E-Mobilität tatsächlich gerade eines der ganz großen Trendthemen an der Börse ist und die Hoffnungen der Anleger ordentlich beflügelt. Es könnte daher auch so manchem Depot einen größeren Schub verleihen, jetzt auf die alternative Antriebstechnologie zu setzen. Bisher dachten ja viele, dafür müsse man Tesla-Aktien kaufen, die in den vergangenen Jahren auch gewaltig durchgestartet ist: 1275 Prozent legten die Papiere des E-Auto-Pioniers innerhalb von nur fünf Jahren zu. Inzwischen aber geriet der Kurs ganz schön ins Schlingern und bewegt sich eher in großen Wellenlinien auf und ab. Dabei kam zwar immer noch ein Kursplus von 70 Prozent auf Jahressicht heraus, innerhalb der vergangenen drei Jahre waren es aber ebenfalls 70 Prozent. Seit drei Jahren geht es also nicht mehr wirklich voran. Zudem sind die Anteilsscheine mit 300 Dollar inzwischen teuer.

Tesla Aktie

Tesla Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Einziger Konkurrent von Tesla an der Börse ist derzeit der chinesische Hersteller Byd. Er baut ebenfalls E-Autos und Batterien und profitiert davon, dass der chinesische Markt erstens recht abgeschottet ist, und zweitens eine Quote von der Regierung aufgezwungen bekommt: Ab 2019 müssen alle Autohersteller mindestens zehn Prozent ihrer Flotte elektrisch auf den Markt bringen. Das dürfte den E-Auto-Absatz in Fernost rasant steigen lassen. Schon im August wurden dort 55.000 Stromer verkauft. Das ist mehr als hierzulande insgesamt über die Straßen rollen. Der Konkurrent Byd ist an der Börse noch ein Pennystock mit derzeit 8,50 Euro je Papier. Ein gewagtes Investment sind solche Einzelaktien aus China zudem. Immerhin liegt der Börsenwert von Byd aber zurzeit bei rund 28 Milliarden Dollar und die Aktie konnte sich auf Fünfjahressicht ebenso wie die Tesla-Aktie um rund 1500 Prozent steigern. Als spekulative Beimischung fürs Depot könnte man also durchaus ein paar Aktien zeichnen.

Chancen für Leoni

Oder man setzt auf bewährte deutsche Mittelständler, die ebenfalls vom E-Hype profitieren könnten. Der Automobilzulieferer Leoni ist einer davon. Er liefert zum Beispiel Ladestationen und Elektroladekabel sowie die Innenverkabelung von Autos. Derzeit sehen viele Analysten noch Potenzial im Kurs von Leoni, obwohl der zuletzt schon stark zulegte. Auf Jahressicht waren es stolze 70 Prozent, auf Dreijahressicht 112 Prozent. Momentan notiert die Aktie bei 58 Euro.

Der österreichische Hersteller Polytec könnte ebenfalls zu den Gewinnern gehören, wenn Tesla wieder durchstartet. Das Unternehmen stellt Unterbodenplatten und Batterieabdeckungen her, sowie Leichtbauteile, die in Elektrofahrzeugen gut verbaut werden können. Zuletzt kursierten nach einem Besuch der Polytec-Leute im Silicon Valley Gerüchte, wonach Tesla wohl auch an einem Produktionsstandort in Europa interessiert sein soll. Und wer weiß, vielleicht kommt ja Polytec dafür in die engere Wahl. Man habe zumindest Interesse bei Tesla geweckt, hieß es. Magna, der zweite österreichische Automobilzulieferer wäre wohl ebenfalls im Rennen. Er baut bereits Elektroautos für Jaguar zusammen.

Falls also die Produktionsprobleme bei Teslas Model 3 anhalten, wonach es derzeit aussieht, könnten diese beiden Firmen bei der Wahl eines europäischen Kooperationspartners in die engere Wahl geraten, sagen Branchenbeobachter. Vor allem Magna könnte das wieder einen Aufwärtsdrall verpassen. Auf Jahressicht legte die Aktie zwar 28 Prozent zu, auf drei Jahre waren es aber nur 18 Prozent. Das ist beim derzeitigen Börsenumfeld nicht die Welt. Auf Fünfjahressicht immerhin kann sich die Wertentwicklung mit plus 136 Prozent sehen lassen. Bei Polytec läuft es dagegen schon jetzt rasant: 176 Prozent Kursplus seit einem Jahr und 258 Prozent im Dreijahreszeitraum, da können Anleger nicht meckern.

Schließlich sind da noch Firmen wie der französische Automobilzulieferer Valeo oder der US-Konzern Delphi, die stärker auf selbstfahrende Autos und E-Mobilität setzen wollen. Und natürlich würden die Halbleiterhersteller ebenfalls davon profitieren, dass in jedem Elektroauto rund sechs- bis zehnmal so viele Halbleiter verbaut sind wie in herkömmlichen Fahrzeugen. Infineon und NXP Semiconductors wären also vermutlich ebenfalls Gewinner, wenn die Stromer richtig durchstarten. Wenn diese Branche endlich Schub erhält, dann dürften selbst sie sich nicht über Antriebslosigkeit beschweren können. Die Elektromobilität wird viele in Schwung bringen. Das ist jetzt ebenfalls wörtlich gemeint und bezieht sich nicht nur auf die Fahrer und die Automobilbranche, sondern auch auf die Anleger und ihre Depots.