GeldanlageDividendenfonds: die magischen vier Prozent Rendite

Symbolbild Kurschart
Symbolbild KurschartGetty Images

Es gibt schon interessante Ideen, auf die Menschen kommen, um auch ohne Arbeit regelmäßige Einnahmen zu erzielen. Das Internet stellt mit Begeisterung die skurrilsten davon vor: Dort raten Profis, einfach zum App-Programmierer zu werden, über Videokanäle Lernvideos anzubieten, Ebooks zu schreiben oder – allen Ernstes – zum Profiglücksspieler zu werden. Um ehrlich zu sein: Auch am Finanzmarkt wirken die Anstrengungen mancher Fondsmanager derzeit so, als hätten sie sich den Rat mit dem Glücksspiel zu Herzen genommen. Vor allem die Zusammensetzung vieler Mischfonds, die auf das Abwerfen regelmäßiger Erträge ausgerichtet sind, also auf stetige Auszahlungen an Anleger, lassen Marktbeobachter aktuell zweifeln. Solche Fonds streben generell mindestens die magischen vier Prozent Rendite an, die landläufig als notwendig gelten, um das Vermögen nicht nur zu erhalten, sondern auch langfristig zu mehren. Nach allen Kosten und nach Geldentwertung. Wie also versuchen jene Fonds diese vier Prozent zurzeit einzufahren?

Indem sie voll ins Risiko gehen, ergaben Analysen der Ratingagentur Morningstar, die sich die Zusammensetzung der Fonds angesehen hat. Und das in einer Zeit, in der sich viele Ökonomen die Frage stellen, wie lange die Konjunktur und die Weltwirtschaft noch halten. Und obwohl solche Fonds vor allem bei älteren Anlegern sehr beliebt sind, die sich davon regelmäßige monatliche Auszahlungen als Zusatzeinkommen erwarten. Früher – vor der Finanzkrise von 2008 – seien Erträge von vier Prozent noch recht problemlos zu erzielen gewesen. Heute aber müssten die Fonds vor allem ausgleichen, dass hiesige Staatsanleihen keine nennenswerten Renditen mehr abwerfen, und das Investment in gewagtere amerikanische oder ausländische Anleihen größere Währungsabsicherungen erfordere. Was natürlich Geld kostet. Mit Dividendenaktien allein seien auch keine derart hohen regelmäßigen Erträge garantiert. Also mischen die sogenannten Income Fonds verschiedene Arten von Aktien und Anleihen, soweit ist das alles üblich und erwartbar. Unerwartet aber ist, was nun wirklich in diesen Fonds steckt: Zu rund 40 Prozent sind es nämlich Hochzinsanleihen, also richtige Risikopapiere. Und zu weiteren zwölf Prozent Anleihen ohne Rating, über deren Bonität wenig bekannt ist.

Riskante Zusammensetzung

Was das für die Anleger heißt, ist schnell erklärt: Solche Hochzinspapiere zahlen natürlich deswegen so hohe Zinsen an ihre Anleger, um sie sozusagen vorauseilend für das höhere Risiko zu entschädigen. Sie sind stärker ausfallgefährdet, weil die Unternehmen oder Staaten dahinter nicht so bonitätsstark sind. Zudem korrelieren solche Papiere viel stärker mit dem Aktienmarkt als andere Anleihen. Beginnen die Aktienmärkte also den Sinkflug, dann fallen die Anleihenkurse simultan mit. Eine zusätzliche Sicherheit oder stärkere Streuung des Vermögens über verschiedene Anteilsklassen bewirken sie somit fast nicht. Einige der Income-Mischfonds erzielten ihre regelmäßigen Ausschüttungen auch dadurch, dass sie zwischenzeitlich in schlechteren Ertragszeiten den Kapitalstock aufzehrten, sagen die Analysten. Dass sich Anleger ausgerechnet von solchen Produkten stabile Einnahmen versprechen, klingt zugegeben etwas absurd.

An einem Punkt aber hakt man bei der Analyse ein, dort wo es heißt: Mit Dividenenaktien allein seien keine ausreichenden Erträge mehr zu erzielen. Schwärmen nicht die Analysten Jahr für Jahr über die Höhe der Dividenden? Vermelden nicht die Dax-Unternehmen gerade wieder eine weitere Steigerung bei den Ausschüttungsquoten, auch wenn die Gewinne in Summe nicht mehr so üppig sprudelten wie im Jahr zuvor? Wenn man sich die 30 größten deutschen Aktienwerte ansieht, dann entdeckt man im Dax allein acht Unternehmen, die aktuell eine Dividendenrendite von über 4 Prozent erreichen. Daimler kommt mit 4,09 Prozent gerade so über die Marke, Bayer und Deutsche Post liegen bei rund 4,5, Münchener Rück und Allianz bei knapp 4,7 und BMW sowie EON sogar bei 4,8 Prozent. Das ist stolz, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Denn bei den mittelgroßen Unternehmen liegen die Dividendenrenditen sogar noch höher, angefangen bei Metro mit 5,1 Prozent, über Evonik, Boss und Deutsche Euroshop (alle über 5,5 Prozent), bis zu RTL (6,1) und Aareal mit 7,1 Prozent. Wären die magischen vier Prozent also nicht doch zu erreichen mit einem ausgewählten Dividendenaktienportfolio?

In Summe liege die Dividendenrendite des weltweiten MSCI World High Dividend Index, der die dividendenstärksten Aktien der Welt bündelt, bei immerhin 3,9 Prozent, sagt Morningstar. Na bitte, das sind doch schon fast vier Prozent – und zudem erheblich ehrlicher erkauft als die „garantierten“ vier Prozent, die Mischfonds mit Hochrisikopapieren versuchen zu erzielen. Zudem kam der Dividendenindex seit 2003 auf eine Performance von zehn Prozent pro Jahr, laut Anbieteraussagen. Weltweit ausgerichtete Aktienportfolios – ohne Dividendenausrichtung – erzielten zuletzt auf Fünfjahressicht auch nicht viel mehr, nämlich 10,8 Prozent. Vergleicht man direkt, wie sich der MSCI World High Dividend Index gegen den „herkömmlichen“ MSCI World Index schlug, dann kam der Dividendenindex bis zum 31. Dezember auf eine Zehnjahresperformance von 9,98 und der Normalindex auf 10,29 Prozent, also auf unwesentlich mehr. Der große Unterschied war: Der Dividendenindex warf in dieser Zeit jährlich 4,34 Prozent Dividendenrendite ab, der Normalindex bloß 2,76 Prozent.

Aktive oder passive Fonds?

Sein europäisches Pendant, der Eurostoxx Select Dividend 30 kam zuletzt auf Zwölfmonatssicht sogar auf eine Ausschüttungsquote von 4,81 Prozent und auf eine Performance von 11 Prozent jährlich in zehn Jahren. Natürlich schwanken die Dividendenrenditen je nach Wirtschaftslage und Unternehmenserfolg von Jahr zu Jahr, da die Indizes aber auf die jeweils stärksten Dividendenzahler des entsprechenden Anlageuniversums setzen und die Unternehmensauswahl auch meist jährlich anpassen, haben sie immer die Top-Dividendenzahler im Portfolio. Man muss allerdings auch genau hinsehen, wie die Aktien jeweils ausgewählt werden: Der FTSE All World High Dividend Yield Index etwa sucht von den rund 3000 Weltaktien, die im herkömmlichen FTSE All World Index vertreten sind, die rund 50 Prozent besten Dividendenfirmen heraus. Dagegen bündelt der S&P Global Dividend Aristocrats Index all jene Firmen, die sich langjährig als stabilste und dauerhafteste Dividendenbringer herauskristallisiert haben. Das bedeutet, dass er zwar nicht auf die höchsten Erträge setzt, dafür aber weniger oft Papiere auswechseln wird, da die betreffenden Firmen zumindest bisher anhaltend hohe Ausschüttungen über viele Jahre geleistet haben. Somit ist auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie das weiterhin tun werden.

Neben diesen Indizes, zu denen man auch die entsprechenden Indexfonds kaufen kann, gibt es auch eine Reihe von aktiven Dividendenfonds. Welche Firmen finden sich nun vermehrt in solchen aktiven und passiven Dividendenfonds, verglichen mit den marktbreiten Indizes? Bestimmte Branchen sind meist übergewichtet, etwa die Pharmabranche, die Lebensmittel- und Konsumgüterbranche, Finanzdienstleister (was im Abschwung meist zu größeren Abstürzen führt), sowie Versorger und Telekommunikationsfirmen. Der Weltindex MSCI World High Dividend führt namentlich Exxon, Pfizer, Nestlé, Verizon, Procter & Gamble, AT&T, Cisco, Merck, Coca Cola und Novartis als größte Einzelwerte auf. Traditionell setzen die Fonds stark auf Nordamerika (meist zu 40 oder gar 50 Prozent), und in kleineren Teilen auf Europa und die Asien-Pazifikregion.

Grundsätzlich lohnt es sich mehr, zumindest wenn man vorrangig an Rendite interessiert ist, auf passive Indexfonds zu setzen als auf aktive Dividendenfonds. Im Schnitt schafften die Passivfonds nämlich jährlich einen Prozentpunkt mehr Rendite als ihre aktiv gemanagten Konkurrenten, fanden Ratingspezialisten heraus. Dafür gelang es den Aktivfonds etwas besser, den Kursverlust im Krisenfall einzudämmen. Die Papiere schlugen also nicht ganz so stark nach unten aus. Eines ist noch wichtig: Anleger sollten unbedingt ETFs auf den Performanceindex wählen (meist am TR im Namenskürzel zu erkennen) und nicht auf den Kursindex. Denn grob gesagt gehen in den Performanceindex alle Dividenden und anderen Ausschüttungen mit ein. Sein Wert steigt also schon allein durch die Dividendenzahlungen, selbst wenn der Kurs der Unternehmen sich nicht bewegt. Wer den Kursindex kauft, verzichtet im Prinzip auf die Dividenden und genau das ist nicht der Sinn der Sache.

Dividenden-Titel erholen sich langsamer

Anleger, die regelmäßige Erträge sehen wollen, greifen natürlich zu ausschüttenden Indexfonds. Alle Jüngeren und Langfristsparer sollten eher thesaurierende Fonds wählen, bei denen die Dividendenzahlungen automatisch wieder in neue Papiere angelegt werden. So mehrt der Zinseszinseffekt das Vermögen schneller. Denn ehrlich gesagt: Man muss schon erhebliche Summen in so einen Fonds stecken, damit monatliche Erträge dabei herauskommen, die das Einkommen merklich aufbessern. Für ältere Anleger ist das riskant, falls die Märkte in den kommenden Jahren den Rückwärtsgang einlegen. Denn dann dauert es bei vielen wertstarken und dividendenlastigen Titeln meist länger, bis sie sich erholen als zum Beispiel bei den Wachstumstiteln der Tech-Branche. Man sollte eine Krise also zumindest länger aussitzen können.

Wer 10.000 Euro anlegt, der konnte sich zuletzt – jenseits der Performance und steigenden Kurse – über ein Zusatzeinkommen von jährlich 400 Euro freuen. Bei 25.000 Euro waren es rund 1000 Euro im Jahr, also 83 Euro im Monat. Um die Haushaltskasse merklich aufzubessern mit sagen wir mal 333 Euro monatlich, müsste man schon 100.000 Euro in Dividendenaktien angelegt haben. Das ist gewagt. Aber weniger tut es auch erstmal. Und es gibt schließlich schlimmere Arten, nach Nebeneinkünften abseits der Arbeit zu suchen. Mit Glücksspiel hat es jedenfalls nichts zu tun, wenn man es langfristig angeht.