18. September 2019
Ratgeber

Diese Versicherungen kann man sich sparen

Eine Reisegepäckversicherung braucht kein Mensch
Eine Reisegepäckversicherung braucht kein Mensch

Bei der Kfz- und Krankenversicherung haben Versicherte keine Wahl: Diese Policen sind in Deutschland Pflicht. Bei den meisten anderen Versicherungen können Bundesbürger dagegen frei entscheiden, ob sie diese abschließen möchten. Von der Brille, über das Handy bis hin zur Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ lassen sich Versicherungen so einiges einfallen, um Verträge zu verkaufen. Einige Policen machen allerdings keinen Sinn – entweder weil der Schadensfall nur sehr selten eintritt oder weil die Versicherung teurer als der zu erwartende Schaden ist. Auch Kim Paulsen begegnen diese Angebote immer wieder. Er ist Experte beim Bund der Versicherten (BDV) und erklärt, warum sich Deutsche das Geld oft sparen können.

Lebensversicherungen

Anbieter von Lebensversicherungen werben mit dem Versprechen, Angehörigen im schlimmsten Fall wenigstens die finanziellen Sorgen zu nehmen: Sollte der Versicherte sterben, bekommt die Familie von der Versicherung das ersparte Geld ausbezahlt. Da es früher noch vergleichsweise hohe Zinsen von vier Prozent und mehr gab, waren solche Kapitallebensversicherungen für viele Versicherungsnehmer aber vor allem ein Sparprodukt. „Viele Versicherungsnehmer haben diese Policen zur Altersvorsorge abgeschlossen, dabei sind sie dafür vollkommen ungeeignet“, sagt BDV-Experte Paulsen. Denn die Kapitallebensversicherung ist vor allem eins: teuer.

Die laufenden Kosten der Versicherung sind meist sehr hoch. Die Versicherer legen allerdings nur das an, was vom gezahlten Beitrag nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Aufgrund der niedrigen Zinsen lohnt sich das derzeit für den Versicherungsnehmer kaum: Die Policen werfen kaum Erträge ab.

Auch private Lebensversicherungen lohnen sich dem Experten zufolge kaum. Die Police zahlt dem Versicherungsnehmer eine monatliche Rente bis zum Lebensende. Entsprechend lohnt sie sich umso mehr, je älter der Versicherte wird. Für 65-Jährige Männer in Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung laut Bundesstatistik im Durchschnitt bei 83 Jahren, bei Frauen sind es 86 Jahren. Damit die Versicherungen möglichst wenig aus eigener Kasse draufzahlen müssen, setzen sie bei der Lebenserwartung ein sehr hohes Alter an. „Die besten Anbieter rechnen bei einem aktuell 40-Jährigen mit einer Lebenserwartung von mindestens 95 Jahren“, sagt Paulsen. Wer vor dem errechneten Datum stirbt, verschenkt Geld.

Sterbegeldversicherung

Auch die Sterbegeldversicherung ist eine Form der Kapitallebensversicherung. Die Versicherung zahlt im Todesfall das eingezahlte Geld plus Erträge an die Hinterbliebenen aus, die für die Bestattungskosten aufkommen. „Die Beiträge sind dabei häufig höher, als das was die Versicherung später auszahlt“, sagt Versicherungsexperte Paulsen. Stirbt der Versicherte innerhalb von drei Jahren nach Abschluss der Versicherung, gibt es bei den meisten Anbietern gar kein Geld. Die Versicherung lohnt sich also nur, wenn man kurz nach der üblichen Wartezeit von drei Jahren stirbt. Da sich der Tod aber nicht planen lässt, empfiehlt der BDV das Geld für eine Beerdigung auf anderem Wege anzusparen oder beiseite zu legen.

Reisegepäckversicherung

Wer in den Urlaub fährt, kann sich gegen so ziemlich alles absichern. Während eine Reiserücktritts- und Auslandsreisekrankenversicherung noch sinnvolle Ergänzungen sein können, ist das Geld für eine Reisegepäckversicherung wohl besser in einen Cocktail am Strand investiert. Die Versicherung haftet, wenn das Gepäck verloren geht. Geld gibt es aber nur in seltenen Fällen, weiß BDV-Experte Paulsen: „Oft unterstellen die Versicherer dem Reisenden grobe Fahrlässigkeit und sagen: ‚Sie haben ja nicht aufgepasst!‘“. Wer seinen Koffer am Flughafen oder Bahnhof also nicht an sich kettet, bekommt eher keinen Ersatz. Verzichten Reisende auf den vermeintlichen Schutz haben sie trotzdem gute Karten den Verlust erstattet zu bekommen. Denn geht der Koffer nach dem Check-in verloren, haftet der Flughafen oder die Fluggesellschaft. Stiehlt ein Einbrecher den Koffer oder Wertgegenstände aus dem Hotelzimmer, haftet in vielen Fällen die Hausratversicherung, erklärt Paulsen.

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