AltersvorsorgeDie Zulagen-Falle bei der Riester-Rente

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Nötig wird der ganze Aufwand, weil die Zulagenförderung an Einkommen und Lebensumständen des Sparers hängt. Immer wenn sich etwas ändert, sei es durch eine Gehaltserhöhung oder die Geburt eines Kindes, muss das der Zulagenstelle gemeldet werden. Selbst den Profis der Finanzindustrie gelingt es privat nicht immer, die Bürokratie zu bewältigen: Mal verrechnen sie sich, mal liegt das Formular für die Elternzeit so lang herum, bis es ganz unter einem Papierberg verschwindet. Wer denkt schon dauernd an Riester?

Dabei geht es um gewaltige Summen. Allein 2014 flossen knapp 2,8 Mrd. Euro an Zulagen auf Riester-Sparkonten. Weil viele Kunden den Bonus jedoch nicht oder nur teilweise erhalten, spart der Staat etliche Hundert Millionen. Eine gute Nachricht gibt es aber: Viele Sparer, die jetzt aufschrecken, können ihre Zulagen noch bis zu zwei Jahre nachträglich abrufen. Die Frist für das Jahr 2016 läuft erst Ende Dezember ab.

Die neue Bundesregierung hat sich laut Koalitionsvertrag übrigens vorgenommen, über ein Riester-Standardprodukt nachzudenken. Das wäre die Gelegenheit, um das Zulagensystem zu entschlacken.

Zugreifen!

Viele Riester-Kunden rufen Zulagen nicht ab – und verschenken damit die Chance, leicht an Geld fürs Alter zu kommen. Was zu tun ist

#1 Antrag stellen

Wer noch keinen Dauerzulagenantrag hat, sollte ihn sich über seinen Anbieter besorgen, damit der Bonus automatisch fließt (Achtung: Sozialversicherungs- und Steuernummer erforderlich). Damit ist der wichtigste Schritt getan, aber nicht alle: Wenn sich Gehalt oder Lebensumstände ändern, müssen Sparer immer wieder nachjustieren.

#2 Jährlich prüfen

Am besten lassen sich Riester-Sparer vom Anbieter jährlich den korrekten Beitrag ausrechnen – und auch die Zulage entsprechend anpassen. Oft ist das nicht allzu viel Aufwand. Wer dauerhaft mehr als 52.500 Euro verdient, muss nur aufpassen, dass er alle etwaigen Zulagen bekommt.

#3 Kinder einkalkulieren

Pro Kind spendiert der Staat den Eltern einen generösen Bonus von 300 Euro jährlich, wenn es 2008 oder später geboren wurde. Für Kinder, die davor zur Welt kamen, gibt es 185 Euro. Dieser Bonus summiert sich, denn die Kinderzulage gibt es so lange, wie Kindergeld fließt – je nach Ausbildung bis zum 25. Geburtstag. Wenn das Kind schon vor diesem Datum arbeitet und selbst einen Vertrag abschließt, gibt es noch mal einen Extrabonus von einmalig 200 Euro.

#4 Partner mitnehmen

Auch Ehepartner, die zu Hause bleiben, können über eine sogenannte mittelbare Zulagenberechtigung riestern. Wenn der Partner selbst 60 Euro pro Jahr einzahlt, erhält er vom Staat die volle Zulage von 175 Euro on top – ein prima Geschäft. Zusätzlich ergibt es oft Sinn, die Kinderzulagen beim nicht arbeitenden Partner gutzuschreiben, um dessen Ruhegeld etwas aufzupäppeln.