AktienmarktDie Rückkehr der asiatischen Tigerstaaten

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Staaten stehen besser da

Wenn wir ehrlich sind: All das erinnert schon sehr an die Situation von heute. Auch in den vergangenen Jahren waren die Zinsen im Dollarraum so niedrig, dass sich viele asiatische Staaten in Dollar verschuldet haben. Allein China soll derzeit mit 300 Prozent seines BIP bei Kreditgebern in der Kreide stehen. Die Schwellenländer insgesamt sind mit rund 220 Prozent ihrer Wirtschaftskraft verschuldet, sagt der Internationale Währungsfonds IWF. Genau deshalb warnen führende Ökonomen auch, dass Amerika seine Zinsen nicht zu schnell und nicht zu arg anheben dürfe, denn sonst könnten die ersten Schwellenländer ihre Dollarschulden zu steigenden Zinssätzen schon bald nicht mehr zurückzahlen. Sie würden kollabieren. Und dennoch ist die Situation heute grundlegend anders als vor 20 Jahren.

Zumindest eines haben die Schwellenstaaten aus der Asienkrise und den Jahren danach mitgenommen: Ihre Wechselkurse sind inzwischen nicht mehr an Dollar und Yen gekoppelt, sondern können frei schwanken. Dieses Floaten, wie es in der Fachsprache heißt, ermöglicht ihnen auch eine Abwertung ihrer eigenen Währung im Falle einer Krise. Damals konnten die Notenbanken nur notdürftig versuchen, die eigenen Währungen zu stützen, was ihnen nicht gelang. Zudem haben die Länder ihre Fremdwährungskredite diesmal mehrheitlich abgesichert und zuletzt große Devisenreserven aufgebaut. Inzwischen betragen ihre Auslandsverbindlichkeiten rund 30 ihrer Devisenreserven. Vor Ausbruch der Krise überstiegen sie diese mit 160 Prozent bei weitem. Das heißt, dass sie heute im Notfall in der Lage wären, die Forderungen ausländischer Kapitalgeber größtenteils mit gehortetem Geld zu befriedigen. Solche Polster hatten sie damals nicht.

Dazu kommen noch beträchtliche Leistungsbilanzüberschüsse, die diese Staaten heute haben. In den 90er-Jahren importierten sie noch viel mehr Güter aus dem Ausland als sie selber herstellten. So kam es zu großen Leistungsbilanzdefiziten und zu einem hohen Kapitalfluss in ihre Länder. Als die Krise ausbrach, zogen sich dann viele Kapitalgeber schlagartig aus Asien zurück – was die Krise ins Rollen brachte. Heute indes können viele Staaten auf Leistungsbilanzüberschüsse blicken und sie haben über Wertpapierkäufe und Direktinvestitionen auch in anderen Staaten Auslandsvermögen angehäuft. Verbessert habe sich auch die Haushaltspolitik in vielen aufstrebenden Ländern, sagen Volkswirte. Und einige arbeiteten schon sehr effizient an einer Schuldenreduktion, auch China. Insgesamt jedenfalls stellen die Weltökonomen ihnen derzeit eine gute Prognose aus – und weiteres Wachstum sowieso.

Unternehmenswerte treiben die Kurse

Bereits seit 2005 sind Asiens Tigerstaaten – mit Ausnahme von Japan – wieder auf Erholungskurs, seitdem steigt ihr Bruttoinlandsprodukt. Auch die Fundamentaldaten der Unternehmen sehen heute bei weitem besser aus als damals, sagen Analysten. Der jüngste Anstieg der Aktienkurse sei nicht allein darauf zurückzuführen, dass die Anleger lediglich auf das große Wachstum hofften und dadurch die Kurse wie von allein beflügelten. Sondern es sind die inneren Unternehmenswerte, die nun die Kurse treiben. Bei den Investoren stehen Cashflows und Rentabilität im Vordergrund, wo sie beides zufriedenstellend vorfinden, dort investieren sie gerne. Die Schuldenstände der Unternehmen selbst seien in den meisten Fällen wohltuend niedrig. Manche fassen es auch so zusammen: In den 90er-Jahren steckten viele westliche Anleger ihr Geld in den asiatischen Markt, nur um dabei zu sein, beim nächsten großen Ding. Damals war der Westen zu übermütig, was Asien betraf. Heute hält er sich zurück und Asien wächst stärker aus sich selbst heraus. Man sollte aber auch hoffen, dass diesmal nicht Asien selbst vom Übermut gepackt wird. Das wäre nämlich genauso schädlich.

Bisher jedenfalls spricht wenig dafür, dass de Erwartungen schon zu hoch geflogen sind: Die Bewertungen der asiatischen Firmen sind noch nicht wirklich hoch, sie liegen bei einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8. Die amerikanischen Firmen bringen es da schon auf 14,5, sind also vergleichsweise teurer, was ihre Aktienkurse im Verhältnis zu ihren Jahresgewinnen betrifft. In Japan liegt das KGV derzeit marktweit bei 17,6, allerdings lag es bereits vor fünf Jahren bei 14,9 – und damals notierte der Nikkei nur bei 10.000 Punkten, also halb so hoch wie heute. Da sehen Analysten noch viel Potenzial. Zumal sie registrieren, dass der große Aufschwung derzeit vornehmlich von den ganz großen Unternehmen ausgeht. Die mittleren bis kleineren würden klassischerweise erst demnächst nachziehen. Fundamental überteuert finden sie momentan lediglich Indien, dort sei Vorsicht geboten.

Einige aktive Fonds schlagen den Index

Wer daher an den neuen Aufschwung der asiatischen Staaten glaubt, für den ist es noch längst nicht zu spät zum Einstieg. Auf eigene Faust sollte man sich hier eher nicht daran wagen, einzelne Titel auszuwählen, sondern entweder sehr breit auf Indizes setzen, etwa auf den MSCI Emerging Asia Index, den man sehr gut mit einem ETF abbilden kann etwa von Amundi oder iShares. Oder mit einem aktiven Aktienfonds, denn einige von ihnen schafften es tatsächlich auf lange Sicht von zehn Jahren durch gezielte Aktienauswahl (Stockpicking) eine Mehrrendite gegenüber dem Index zu erzielen. Dazu gehören die Asienfonds Pinebridge Asia, HSBC GIF Asia, Parvest Equity best select oder der Schroder ISF Asian, die teils marktbreit investieren, teils kleinere Firmen herauspicken.

Alle beschränken sich auf die asiatischen Tigerstaaten ohne Japan. Wer nun direkt auf Japans Aufschwung setzen möchte, der hat dafür ebenfalls einige Aktivfonds mit Überperformance zur Auswahl, zum Beispiel den Henderson HF Japanese Smaller Companies zur Auswahl, den M&G Japan Smaller Companies oder den Pinebridge Global Fund Japan. Und dann heißt es abwarten, wie lange der Weg Japans nach oben wohl anhält. Im Grunde sind die derzeitigen 20.000 Punkte nämlich nur ein Witz gegenüber dem, was der Nikkei bereits 1989 bereits an die Börse brachte: Damals war er satte 39.000 Punkte wert. Ob er das in den kommenden 20 Jahren noch einmal schafft?


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen