AktienmarktDie Rückkehr der asiatischen Tigerstaaten

Im September knackte der japanische Nikkei-Index die Marke von 20.000 Punkten
Im September knackte der japanische Nikkei-Index die Marke von 20.000 PunktenGetty Images

An den Börsen sind 20 Jahre eine lange Zeit. Eine unglaublich lange sogar, oder kann sich noch irgendein Anleger erinnern, wie hoch die Aktienkurse vor 20 Jahren waren? Oder vor zehn Jahren? Moment, daran können sich viele gerade noch erinnern, denn im Herbst vor zehn Jahren rutschte die Welt in die große Finanzkrise. Deren Datum 2007 wird daher noch ziemlich lange in den Köpfen erhalten bleiben. Bei den asiatischen Bürgern ist es genauso mit dem Datum 1997, denn das war das Jahr, in dem die Asienkrise begann. Sie führte in vielen aufstrebenden Staaten in Fernost zu einem gigantischen Wirtschaftseinbruch. Den großen Absturz hatten die allermeisten Länder zwar recht schnell wieder verkraftet – aber eben nicht alle, wie das Beispiel Japan zeigt. Und ausgerechnet heute erinnern sich viele wieder an dieses Jahr, aus einem guten und einem schlechten Grund.

Guten Grund zum Jubeln haben derzeit tatsächlich die Japaner: Der Leitindex Nikkei knackte Ende September bereits die 20.000-Punkte-Marke und sein jüngster Aufstieg erwies sich bisher als nachhaltig. Mehr noch: Seit Anfang Oktober hat Japans Index nun wieder das Niveau erreicht, das er zuletzt vor Ausbruch der Asienkrise 1997 innehatte. Er steht also wieder so gut da wie vor Beginn der Krise. Damit hat es nun zwar immerhin 20 Jahre gedauert, bis auch die letzte der asiatischen Volkswirtschaften den Einbruch weggesteckt hat. Aber statt sich über diesen langen Zeitraum zu grämen, überwiegt bei allen Marktteilnehmern die Erleichterung. Schließlich galt Japan lange Zeit als mahnendes Beispiel der Weltwirtschaft: Es kämpfte mit anhaltend sinkendem Preisniveau und seine gesamte Wirtschaft kam wegen dieser Deflation auch aus der Stagnation nicht heraus. Von Wachstum keine Spur, so dümpelte eine der größten Volkswirtschaften der Welt vor sich hin. Oft genug galt Japan deshalb auch als abschreckende Blaupause dafür, was eine Deflation selbst in vormals florierenden Industriestaaten anrichten kann, das nahmen besonders die Notenbanker hierzulande oft als Warnung.

Nikkei 225 Index

Nikkei 225 Index Chart

Doch die Jahre der Stagnation scheinen endlich vorbei. Japans Wirtschaft wächst wieder und das schon seit geraumer Zeit. Zurzeit liegt seine Wachstumsrate bei rund 1,5 Prozent. Und der internationale Währungsfonds hat gerade erst die Prognosen für Asiens größte Wirtschaftsmacht angehoben. Es soll also weitergehen. Denn bisher war der Export der vorrangige Treiber des Wachstums, doch nun zieht auch der Binnenkonsum wieder an und die Zahl der Investitionen steigt, das sorgt bald für noch mehr Schwung. Von Japans verlorener Dekade haben in den vergangenen Jahren viele Ökonomen gesprochen. Am Aktienmarkt waren es eher zwei Dekaden, in denen das Land vor sich hin dümpelte, im Grunde sogar zweieinhalb. Denn bereits Anfang der 90er Jahre, also eine Weile vor der Asienkrise, hatte in Japan der Abschwung eingesetzt, der nun endgültig überwunden scheint.

Droht eine neue Asienkrise?

Auch in anderen asiatischen Ländern streben die Wachstumserwartungen derzeit steil in die Höhe. Die Unternehmen kommen kaum noch hinterher, ihre Ertragsprognosen nach oben anzupassen. Asien wächst und in sehr vielen Ländern des Fernen Ostens wird derzeit wieder investiert, was das Zeug hält.

Genau an der Stelle aber stöhnen die ersten Skeptiker auf: Sind das nicht bereits wieder Warnzeichen? Schließlich waren es auch damals vor 20 Jahren hauptsächlich übermäßige Investitionen gepaart mit sehr niedrigen Zinsen bei Dollar und Co., die zum Ausbruch der Asienkrise führten. Steuert der Ferne Osten also auf eine Asienkrise 2.0 zu?

Dazu muss man sich zunächst einmal die Situation vor 20 Jahren ansehen: Tatsächlich sagen Ökonomen heute, es seien die überbordenden Investitionen gewesen sowie eine exzessive Kreditaufnahme, die zum Asienkollaps geführt hätten. Dadurch habe sich eine Kreditblase aufgebläht und zwar in Fremdwährungen. Denn da die Zinsen niedrig waren – vor allem in Japan – und die asiatischen Währungen fest an Dollar oder Yen gekoppelt, schien das Aufnehmen von Fremdwährungskrediten geradezu günstig. Parallel dazu floss – auch wegen der niedrigen Zinsen – viel Geld in Aktien und Immobilien, weshalb sich an diesen Märkten ebenfalls gefährliche Blasen bildeten. Denn die Banken akzeptierten die Aktien- und Immobilienbestände als Sicherheiten für die immer stärker ausgereichten Kredite. Doch als die ersten Darlehen platzten und die Kreditgeber massenhaft ihr Kapital abzogen, da sanken auch die Börsenkurse und die Immobilienpreise. Die Sicherheiten waren plötzlich nichts mehr wert. Das brachte die Banken ins Wanken – und beschleunigte letztlich den Abwärtsdrall.