BausparerDie neuesten Tricks der Bausparkassen

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Jetzt rechnet Wüstenrot den Bonuszins auf das Sparguthaben an. Ist dadurch die Bausparsumme, also die Sparobergrenze, erreicht, kündigt Wüstenrot den Vertrag. Die Option auf ein Darlehen oder weitere Einzahlungen und Zinsen ist damit obsolet. „Dabei muss ein Sparer selbst entscheiden dürfen, ob er den Bonuszins jetzt in Anspruch nimmt oder einfach weiterspart“, sagt Simon Bender, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in Frankfurt.

Ein anderer Fall mit Bonuszinsen: Schwäbisch Hall zahlt die sogenannte Treueprämie gar nicht aus, wenn ein Sparer nicht mitteilt, kein Darlehen mehr zu wollen. Wer also Monat für Monat einfach einzahlt, bis die Bausparsumme erreicht ist, und den Darlehensverzicht nicht ankündigt, erhält nur den niedrigeren Zinssatz. „Dabei ist doch klar: Wer weiterspart, will kein Darlehen, sonst würde er nicht weitersparen“, sagt Verbraucherschützer Krolzik.

Die Bausparkasse BSQ wiederum, die einst zum Quelle-Konzern gehörte, nötigt Bausparer, weiteres Geld bei ihr anzulegen. Die Verträge sehen sogenannte Regelsparbeiträge vor, die je nach Tarif variieren. Wer eine Zeit lang diese monatlichen Beträge nicht gezahlt hat, den fordert die BSQ auf, das Geld binnen drei Monaten zu zahlen. Wer nicht überweist, fliegt raus. „Dieses Vorgehen offenbart eine Doppelmoral: Jahrelang war es der Branche egal, ob die Kunden regelmäßig einzahlen“, sagt Anwalt Bender.

Besonders harsch geht die Aachener Bausparkasse vor. Sie kündigt Verträge mit Zinsen von bis zu fünf Prozent und beruft sich dabei auf den Paragrafen 313 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, ein juristisch scharfes Schwert. Der Paragraf konstatiert eine „Störung der Geschäftsgrundlage“, die die Bausparkasse wegen der Niedrigzinsen herbeiargumentiert. „Dabei hat sich die Bausparkasse vertraglich verpflichtet, das Risiko sich ändernder Zinsen zu übernehmen. Sie kann nicht ein Risiko beklagen, das sie freiwillig übernommen hat“, sagt Bender. Umgekehrt könnten die Kunden auch nicht reagieren. „Verbraucher können ihren Kredit mit Festzins nicht einfach ändern oder kündigen, weil der Zins gesunken ist“, sagt Niels Nauhauser, Verbraucherschützer aus Baden-Württemberg.

Damit nicht genug, schon bald könnte sich das Zinsdrama wiederholen – diesmal nur bei den Kreditzinsen. Derzeit sind die zwar unattraktiv, weil relativ hoch. Aber steigen die Marktzinsen erst einmal, werden die Darlehen für Kunden plötzlich attraktiv, weil der zu Vertragsbeginn fixierte Zinssatz dann vergleichsweise niedrig wäre.

Für die Bausparkassen wären diese Verträge hingegen schon wieder unattraktiv. Mit Krediten zu den dann aktuellen Konditionen könnten sie mehr verdienen. „In Gesprächen mit Verbrauchern spüren wir durchaus die Sorge, dass die Unternehmen erneut mit Kündigungen reagieren könnten, wenn sich das Zinsniveau ändert“, sagt Christian Urban, Bausparexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Sollte es so weit kommen, wäre die Glaubwürdigkeit der Branche dahin.“