BausparerDie neuesten Tricks der Bausparkassen

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Keiner will die Kredite

Tatsächlich leiden die Unternehmen unter den niedrigen Zinsen. Dies zeigt auch der sogenannte Zinsüberschuss. Die Kennziffer gibt an, wie gut die Kassen in ihrem Kerngeschäft dastehen, dem Einnehmen und Verleihen von Geld. Die Bausparkassen verdienen dabei an der Differenz zwischen den Kredit- und den Sparzinsen. Der Zinsüberschuss der Bausparkassen ist 2016 auf 2,5 Mrd. Euro gesunken, ein historisches Tief, zeigt ein Bericht der Bundesbank.

Der Grund: Viele Sparer wollen die Darlehen, deren Konditionen vor zehn oder 15 Jahren fixiert wurden, nicht mehr in Anspruch nehmen, sie sind zu teuer. Während Baugeld bei Banken im Schnitt gut 1,5 Prozent Zinsen kostet, wenn die Zinsen für zehn Jahre festgeschrieben sind, verlangen Bausparkassen gut 2,5 Prozent, zeigen Zahlen der FMH-Finanzberatung. Obendrein wird es schwerer, mit den überschüssigen Sparguthaben noch Gewinne zu erwirtschaften – Anleihen werfen schließlich auch nichts mehr ab.

Die Unternehmen wären die hoch verzinsten Verträge daher gerne los und versuchen, mit Gebühren Zusatzeinnahmen aufzutreiben. „Im Sinne aller Bausparer wäre es unverantwortlich, keine Gegenmaßnahmen zu ergreifen“, sagt Alexander Nothaft vom Verband der privaten Bausparkassen. Das klingt so, als würde die ganze Branche vor der Pleite stehen, wenn nicht bald etwas passiert. Nur: So arg ist es nicht.

Das zeigt sich an zwei Indikatoren, der erste ist: Die Finanzaufsicht Bafin könnte die Zinsen für Bausparer wie Lars Trepels einfach senken, sollte sie um die Stabilität einer Kasse fürchten. Bislang ist es dazu nicht gekommen. Ein zweiter Indikator sind Berechnungen von Bafin und Bundesbank, die zeigen: Die Erträge werden sich stabilisieren, wenn die Zinsen nicht noch weiter sinken, was unwahrscheinlich ist. Die Bausparkassen werden also vorerst einfach mit niedrigeren Gewinnen als in den vergangenen Jahren auskommen müssen.

Dazu passt eine Studie der Unternehmensberatung Bain, die kürzlich die Eigenkapitalrendite der Kassen berechnet hat. Die Kennziffer misst die Rentabilität eines Unternehmens. 2016 betrug dieser Wert 1,6 Prozent, was zwar recht niedrig ist. Jedoch lag die Rendite 2015 noch bei 0,8 Prozent, sie hat sich also binnen einem Jahr verdoppelt. Dementsprechend schreiben die Bain-Berater: „Der Renditeverfall der deutschen Bausparkassen ist vorerst gestoppt.“

Trotzdem greift etwa die Wüstenrot-Bausparkasse zu drastischen Maßnahmen. Dazu nutzt sie die sogenannten Bonuszinsen, eine Prämie, die Kunden erhalten, wenn sie doch kein Darlehen haben wollen. Einst führte die Branche die Bonuszinsen ein, um Sparer und frisches Geld anzulocken.