GeldanlageDie große Rohstoff-Euphorie

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Das muss nun nicht heißen, dass es zwangsläufig bergauf geht mit ihren Kursen. Eine Reihe von Indikatoren sprechen jedoch dafür: Da die Weltwirtschaft gut läuft und vermutlich Wachstumsraten von rund vier Prozent in diesem und auch im nächsten Jahr verzeichnen wird, steigt die Nachfrage nach Rohmaterialien. Die Lagerbestände dagegen gehen deutlich zurück. Also müssen neue Grundstoffe gefördert und gewonnen werden. Nun ist aber in den vergangenen Jahren wegen der großen Flaute auf dem Rohstoffmarkt nicht sehr viel in die neue Erschließung investiert worden. Im Gegenteil, viele Minen und Stahlhütten wurden zuletzt sogar geschlossen. Die Kapazitäten sind also schon jetzt bereits erschöpft. In naher Zukunft würden wir also weltweit mehr Rohstoffe verbrauchen als wir fördern, sagen Analysten. Das bedeutet: Ein Ende der steigenden Preise ist erst einmal nicht abzusehen.

Hinzu kommen noch zwei Sonderfaktoren:

  • Erstens bewirkt die Energiewende, dass mehr Metalle benötigt werden für Stromspeicher, Solarmodule etwa oder für die Batterien von Elektroautos. Das beflügelt den Absatz von Lithium, Silizium und Kobalt noch einmal über die Maßen. Der Lithiumpreis hat sich auf Jahressicht bereits verdoppelt, der Kobaltpreis hat sogar um das Zweieinhalbfache zugelegt.
  • Zweitens müssen die Schwellenländer China und Indien noch enorme Summen in ihre Infrastruktur stecken und zum Beispiel neue Straßen, Brücken und U-Bahnanlagen bauen. Das wird auch den Bedarf an Stahl, Kupfer und Eisenerz weiter stark treiben. Wenn nicht gerade eine globale Rezession ausbricht, wird die Nachfrage so bald nicht einbrechen.

Außerdem gibt es noch einen anderen Zusammenhang, der sich zurzeit bewahrheitet: Fällt der Dollar, so wie derzeit, steigen üblicherweise die Rohstoffpreise. Denn die meisten Rohstoffe sind auf dem Weltmarkt in Dollar notiert. Ist der Dollar schwach, dann sind auch die Lokalwährungen der Produzentenländer stärker, sie können also leichter Preisanhebungen für die Rohstoffe durchsetzen. Umgekehrt können sich Abnehmerländer billiger mit Rohstoffen eindecken, wenn der Dollar schwächelt und damit die Kaufkraft ihrer Währung steigt. Das beflügelt wiederum die Nachfrage.

Für Anleger eignen sich Rohstoff-ETFs – oder Anleihen

Man muss sehen, wie lange letzteres anhält, doch wer wie die Analysten davon überzeugt ist, dass die Zeichen für den neuen Superzyklus selten so gut standen wie jetzt, der sollte sich am besten einen Rohstoff-ETF zulegen. Damit kann man am leichtesten und ohne große Kosten davon profitieren, wenn wirklich der neue Aufschwung einsetzt. Mit einem Indexfonds auf den CRB Index von Thomson Reuters etwa, der eine recht ausgewogene Mischung aus Energiewerten, Landwirtschaftswerten und Metallen enthält. Der S&P GSCI ist ebenfalls ein breiter Rohstoffindex, er ist jedoch erheblich energielastiger, rund zwei Drittel des Index hängen von der Öl- und Gasbranche ab. Da wäre eine breitere Streuung unter Umständen besser.

Oder man kauft jetzt Anleihen. Das klingt zwar merkwürdig, erklärt sich aber, wenn man sich diese Zusammenhänge klar macht: Es gibt eine starke Kopplung zwischen Rohstoffkursen und Anleihen sowie Zinsen. Volkswirtschaftlich gesehen führen steigende Rohstoffkurse zu höheren Kosten bei den Güterproduzenten. Können diese die höheren Produktionskosten über steigende Preise auf die Endverbraucher abwälzen, dann kommt es zur Inflation und somit zu steigenden Zinsen. Das schlägt auf den Anleihenmarkt durch. Eine Trendwende am Rohstoffmarkt gilt gemeinhin als Frühindikator dafür, dass die Zinsen allgemein steigen. Üblicherweise ist der Rohstoffmarkt dem Rentenmarkt dabei drei bis sechs Monate voraus. Auf steigende Zinsen wartet die Welt nun schon sehr lange. Wenn sich auch diesmal die Gesetze der Volkswirtschaft bewahrheiten, dann erzwingt der Aufwärtsdrall bei den Rohstoffen nun tatsächlich, dass es ungefähr in einem halben Jahr endlich so weit ist. Wann, wenn nicht jetzt?